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19.01.2011

18:41 Uhr

Notfallplan

Sorge um Griechenland wächst

Die Sorge wächst, dass Griechenland von der immensen Schuldenlast erdrückt werden könnte. Die Folge wäre nach Meinung von Insidern eine weltweite Krise wie nach der Pleite der US-Investmentsbank Lehman Brothers. Angeblich wird in Berlin bereits an einem Notfallplan gebastelt. Die Bundesregierung dementiert. Doch ohne Umschuldung wird der Mittelmeerstaat wohl fallen.

Der neue Wirtschaftsweise Lars Feld erwartet die Umschuldung Griechenlands. Quelle: dpa

Der neue Wirtschaftsweise Lars Feld erwartet die Umschuldung Griechenlands.

HB LISSABON/BERLIN. Ungeachtet der Entspannung an den Finanzmärkten blickt die Bundesregierung mit anhaltender Sorge auf Griechenland.

Das Land gehe "einen sehr, sehr schweren Weg", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin: "Da muss immer hingeschaut werden." Zugleich verwies der Sprecher auf ein Dementi der griechischen Regierung, wonach keine Diskussion über eine Umschuldung anstehe. Zudem wies das Bundesfinanzministerium Berichte zurück, wonach Deutschland Notfallpläne für eine Pleite Griechenlands entwickele. Das klamme Portugal nutzte unterdessen die Gunst der Stunde, und besorgte sich bei einer Anleihe-Platzierung frisches Geld zu besseren Konditionen als zuletzt.

Portugal will auch weiterhin an den Kapitalmärkten aktiv bleiben und nicht unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen. Das hoch verschuldete Griechenland hatte sich hingegen im Frühjahr 2010 unter dem Druck der Märkte in die Arme der EU-Partner und des Internationalen Rettungsfonds (IWF) geflüchtet. Doch die Schuldenlast des Landes ist auf lange Sicht so erdrückend, dass bereits über Nachbesserungen des Hilfsplans nachgedacht wird. Dem Ägäis-Land soll es einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" zufolge ermöglicht werden, eigene Staatsanleihen zurückzukaufen. Das Geld dafür solle das Land zu günstigen Konditionen aus dem Euro-Stabilitätsfonds EFSF beziehen dürfen.

Im Bundesfinanzministerium wird nach Informationen aus Kreisen bereits an einem Notfallplan für eine künftige Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gearbeitet. Im Ministerium habe man "begonnen, das Undenkbare zu denken", sagte eine mit der Diskussion vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Deutschland wolle dies nicht, stelle sich aber auf eine solche Situation ein. Die Bundesregierung halte eine Abschreibung der Schulden Griechenlands, einen so genannten Haircut, zum jetzigen Zeitpunkt aber für gefährlich, hieß es in den Kreisen weiter. Eine massive Anlegerflucht aus der Euro-Zone wäre zu befürchten. Dies würde eine weltweite Krise wie nach der Pleite der US-Investmentsbank Lehman Brothers auslösen.

"Solche Pläne gibt es nicht", sagte indes ein Ministeriumssprecher. Die Bundesregierung halte an der Position fest, dass der private Sektor ohnehin erst für den neuen Krisenmechanismus ab Sommer 2013 geplant sei - "nichts anderes würde eine Umschuldung bedeuten", betonte der Sprecher.

Kommentare (17)

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Andreas

19.01.2011, 19:57 Uhr

Wie wär´s mit "comment ca va" von "The Shorts" ?
Oder "Felicita" . Oder "ich bin der Martin" von Herrn Krebs. Oder vielleicht Dr. Alban mit "its my life ". Kennen Sie bestimmt. Dadurch wid man lockerer !!!

Honorarschreiberlinge

19.01.2011, 20:01 Uhr

Das hätte ich dem Handelsblatt schon vor einem dreiviertel Jahr voraussagen können, das Griechenland über kurz oder lang den Staatsbankrott ausruft.
irland, Portugal und Spanien werden folgen.
Hier werden aber weiterhin Nebelkerzen plaziert, um die Leser bei Laune zu halten. Wir sind ja schließlich voll im medial-politisch ausgerufenen deutschen Aufschwung, obgleich der Normal-Arbeitnehmer davon rein garnichts mitkriegt.
Der fragt sich kopfschüttelnd, welcher Aufschwung???

Politikverdruss

19.01.2011, 20:18 Uhr

Jetzt sind wir aber überrascht! Wer hätte das gedacht, Griechenland steht vor der Umschuldung! Sie sollen ihren Anleihe-Schrott zu günstigen Konditionen zurückkaufen können.Wer bezahlt das? Na raten Sie mal!

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