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14.05.2012

15:14 Uhr

NRW-CDU nach der Wahl

Mehr Bauern, mehr Handwerker, mehr Merz

VonBernd Kupilas

Am Tag nach der Wahlkatastrophe leckt die nordrhein-westfälische CDU ihre Wunden, versucht, einen offenen Machtkampf zu verhindern, und fragt sich, ob ihre wirtschaftspolitische Kompetenz noch zu erkennen ist.

Ein CDU-Wahlplakat wird abtransportiert: Die Partei eint die Wut auf Norbert Röttgen. dpa

Ein CDU-Wahlplakat wird abtransportiert: Die Partei eint die Wut auf Norbert Röttgen.

Die schwerste Wahlniederlage in sechs Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte ist gerade 18 Stunden alt, und Oliver Wittke versucht sich in einer ersten Analyse: „Wenn 36 Prozent aller Wähler, die nicht mehr CDU gewählt haben, sagen, sie zweifeln an unserer Wirtschaftspolitik“, zitiert der nordrhein-westfälische Generalsekretär die Zahlen der Meinungsforscher, dann müsse sich die CDU fragen, ob sie ihre Kernthemen noch richtig vertrete. „Mit Friedrich Merz ist das letzte bekannte wirtschaftspolitische Gesicht der CDU verloren gegangen“, klagt Wittke weiter. Und:  „Wir dürfen unsere Themen nicht auf Integration und Energiewende beschränken, sondern müssen dafür sorgen, dass die Landwirte und Handwerker uns als ihre natürliche Partei ansehen.“

Gerade haben die Christdemokraten einen Wahlkampf hinter sich, bei dem der gescheiterte Spitzenkandidat und Bundesumweltminister Norbert Röttgen „die Energiewende nach NRW bringen“ und eine eigene Staatssekretärin für Integration in der Staatskanzlei installieren wollten. Also rot-grüne Kernthemen an sich riss. Und kläglich scheiterte.

NRW-Wahl wird für CDU zum Desaster: Röttgens Scherbenhaufen

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Röttgens Scherbenhaufen

Norbert Röttgen führt die CDU in NRW in eine historische Niederlage, verliert das Amt des Landesvorsitzenden und zerstört seine eigene Politkarriere. Das Debakel von Düsseldorf stürzt die CDU in eine tiefe Krise.

Zurück zur Stammklientel oder doch nach vorne zu neuen Wählerschichten? Da ist es wieder, das Dilemma der CDU: In den großstädtischen Milieus verliert sie kontinuierlich Anhänger. Wenn sie dann das moderne Lebensgefühl treffen will, sich öffnet für Themen wie Integration oder Umweltschutz, gehen die Stammwähler flöten.

Bei der Schlappe am Sonntag passierte allerdings gleich beides: In vielen Großstädten fiel die CDU unter 20 Prozent, in Köln etwa ist sie nur noch drittstärkste Kraft nach den Grünen. Zugleich verlor die CDU in traditionellen Hochburgen besonders dramatisch.

Braucht die CDU nun ein konservativeres Profil? Nein, sagt Wittke, man müsse eben beides machen: Modernisierungsthemen ansprechen, aber eben nicht nur.

Und wer soll das nun machen nach dem Rücktritt Röttgens als Parteivorsitzender? In der Partei laufen die Drähte heiß, es sei „eine Vielzahl von Gesprächen“ nötig, sagt Wittke. In der engeren Wahl stehen Röttgens Stellvertreter als Parteichef und Ex-Integrationsminister Armin Laschet sowie der bisherige Fraktionschef Karl-Josef Laumann.  Beide versuchen den Eindruck zu verhindern, die CDU stehe vor einem Machtkampf.

Kommentare (9)

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Mazi

14.05.2012, 15:20 Uhr

„Mit Friedrich Merz ist das letzte bekannte wirtschaftspolitische Gesicht der CDU verloren gegangen“

Beschäftigen Sie sich einmal mit dem orthopädischen Fall MERZ und Sie nennen ihn nicht mehr.

Orthopädischer Fall? Das sind z.B. Leute deren Hände nach hinten gestellt sind.

zephyroz

14.05.2012, 17:06 Uhr

Ich bin Mittelständler und habe in den letzten Jahren noch nicht mal in Wahlkampfzeiten einen CDUler bei mir gesehen. Außerdem habe ich mir diesmal die Mühe gemacht und habe einige Veranstaltungen besucht: Nichts für den Mittelstand, einfach nichts.

Nachwuchs

14.05.2012, 19:10 Uhr

CDU und wirtschaftliche Kompetenz? Sie kümmern sich nur um Integration und Energie? [...]. Energie: Für Deutsche zu billig. Sie sollen nur noch Kerzen haben. 70% Steigerung der Stromkosten sind schon angekündigt. Und die Einkommen: Lt. deutsche Politiker und Merkel sollen um 99% für Deutsche sinken, sofort!!!

[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

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