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20.03.2012

13:00 Uhr

NRW-Wahl

Röttgen, der Hasardeur

VonGeorg Watzlawek

Der CDU-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen ist angezählt, bevor er durchstartet: Weil er sich nicht ohne Wenn und Aber für Düsseldorf entscheidet, wirkt sein Wahlkampf unglaubwürdig. Er versucht es trotzdem.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen will NRW-Ministerpräsident werden. Seine Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser übernimmt im Schattenkabinett das Ressort Europa. dpa

Bundesumweltminister Norbert Röttgen will NRW-Ministerpräsident werden. Seine Staatssekretärin Ursula Heinen-Esser übernimmt im Schattenkabinett das Ressort Europa.

DüsseldorfVon der Alternative „Berlin oder Düsseldorf“ will Norbert Röttgen nichts mehr hören. Keine Fragen von Journalisten, und auch keine Beiträge seiner Vorstandskollegen. „Wir hatten im Landesvorstand lange kontrovers diskutiert, aber jetzt ist Kampfzeit“, begründet der CDU-Spitzenkandidat für die Wahl in Nordrhein-Westfalen die Tatsache, dass er jede Personaldebatte unterbunden hat. Und er weiß, welches Risiko er damit eingeht: „Es gibt eine Linie – und derjenige, der sie entschieden hat, übernimmt die volle Verantwortung“.

Politik und Medien in Düsseldorf und Berlin debattieren Röttgens persönliche Karriereplanung, doch der Bundesumweltminister kämpft. Ganz allein und nicht zuletzt gegen die eigene Kanzlerin.

Für diesen Dienstag hatte er kurzfristig zu einer Pressekonferenz eingeladen, um „das erste Mitglied seiner Regierungsmannschaft“ zu präsentieren. Noch am Vortag war debattiert worden, ob womöglich der frühere Unionsfraktionschef und Merkel-Widersacher Friedrich Merz als Schwergewicht in Röttgens Schattenkabinett einzieht.

Doch jetzt präsentiert Röttgen seine Anwärterin für den Posten der Ministerin für Bundesangelegenheiten und Europa in der Staatskanzlei: die Staatssekretärin und nur Experten bekannte Ursula Heinen-Esser. Dieser Vorschlag, so sagt  Röttgen ganz im Ernst, spreche dafür, „wie gut die CDU personell und inhaltlich für die Regierungsübernahme aufgestellt“ sei. Zum Thema Merz fällt kein Wort.

Danach hagelt es Fragen. Und die muss Röttgen allein beantworten. Mache es ihn nicht stutzig, dass auch Vertreter des eigenen Lagers eine klare Ansage erwarten, im Falle der Niederlage als Oppositionsführer in Düsseldorf zu bleiben und das Amt des Bundesumweltministers aufzugeben? So wird der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach zitiert, der in der NRW-Landesgruppe gesagt hatte, eine Festlegung Röttgens würde die Siegeschancen am 13. Mai deutlich verbessern.

Nein. Röttgen zögert längst nicht mehr, er kämpft. Gegen alle Widerstände. Fast schon trotzig räumt „Muttis Schlauster“ indirekt ein, auch von der Kanzlerin Angela Merkel in Richtung Düsseldorf gedrängt worden zu sein. Aber „wie die Grünen nicht machen, was Trittin will“, so entscheide die CDU in Nordrhein-Westfalen „ganz allein und eigenständig“.

Kommentare (12)

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Ness

20.03.2012, 13:24 Uhr

Na - jetzt hat Herr Röttgen die Energiewende nicht hinbekommen, wie soll er da den Turnaround der NRW schaffen?
Vielleicht täte NRW gut daran sich an Italien ein Beispiel zu nehmen und einen Experten mit dem Turnaround zu beauftragen und diesen ganzen Parteienklamauck einmal für ein paar Jahre auszusetzen.

so_ganz_persoenlich

20.03.2012, 13:38 Uhr

Tja und das wars dann mit der NRW Sache für die CDU.
Röttgen hat sich grad eingearbeitet in diesen Energiekrams und soll nun den MP von NRW geben.
Gleichwohl: Röttgen haben sie am Sack, da mag er sich drehen und wenden.

Dabei war es ja nicht das böse Erdbeben in Japan, oder ein Tsuanmi infolge, oder aber schwere Planungsfehler von TEPCO: das war eben der Herr Röttgen, der hier den Sündenbock abgeben darf.

Fein kann man das nicht gerade nennen.

steuer_michel

20.03.2012, 14:38 Uhr

Gottseidank darf ich am 13. Mai wählen gehen.
Die CDU und Herr Röttgen erhalten keine Stimme von mir!
Apropo NRW-Schulden. Herr Röttgen hat doch den ganzen EU-Rettungsschirmen, etc. zugestimmt. Der sollte mal ganz kleine Brötchen backen.
Lieber hier in Deutschland sich verschulden, dafür aber Bildung und Kita-Plätze finanzieren, anstatt irgendwelche EU-Staaten zu finanzieren, usw.

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