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09.05.2012

10:24 Uhr

NRW-Wahl

Röttgen verärgert die Kanzlerin

Konfrontiert mit miesen Umfragen hat CDU-Kandidat Röttgen einen Joker gezogen. Dachte er. Doch der Versuch, die NRW-Wahl zum Votum über Merkel zu machen, war ein Fehler. Die Kanzlerin wusste von nichts - und tobt.

Angela Merkel und Norbert Röttgen im Wahlkampf in Aachen. dpa

Angela Merkel und Norbert Röttgen im Wahlkampf in Aachen.

DüsseldorfJe näher die Wahl in Nordrhein-Westfalen rückt, desto wagemutiger wird CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen. Im Format einer Kabinettssitzung mit seinen Schattenministern inszenierte er sich am Mittwoch schon mal als Ministerpräsident - und setzte sich anschließend nicht mit der realen Konkurrentin Hannelore Kraft, sondern mit einem imaginären Gegner auseinander, dem designierten französischen Präsidenten Francois Hollande. Und so ganz nebenbei erklärte er die Wahl am Sonntag zu einem Referendum über den Sparkurs von Angela Merkel. Doch dieser Schuss ging nach hinten los - und könnte Röttgen nicht nur die letzte Wahlchance in Düsseldorf, sondern auch seinen Job in Berlin kosten.

Röttgen ist im Hauptberuf Bundesumweltminister und hat aus seinem Wunsch, nach der zu erwartenden Wahlniederlage in NRW rasch nach Berlin zurückkehren zu wollen, keinen großen Hehl gemacht. Doch auch dieses Plan B könnte nun in Gefahr geraten. Denn Merkel war von Röttgens Vorstoß in Sachen Kanzler-Referendum nicht informiert - und ist alles andere als amüsiert. Merkel habe nach Röttgens Auftritt am Mittwoch getobt, erfuhr das Handelsblatt in Berlin. Selbst ein Verbleib im Amt des Umweltministers sei nicht mehr sicher.

NRW-Endspurt: Röttgen poltert gegen Frankreich

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Röttgen poltert gegen Frankreich

Kurz vor der Wahl macht CDU-Kandidat Röttgen Europas Fiskalpakt zum Thema. Am Sonntag sollten die Wähler für Merkels Kurs stimmen - und verhindern, dass "Hollandes Versprechen aus deutschem Steuergeld" finanziert würden.

Röttgen selbst hatte am Dienstag auf Nachfrage betont, seinen Vorstoß sei mit der Kanzlerin und der CDU-Spitze abgesprochen: "eindeutig", antwortete er auf eine entsprechende Frage. Am Tag danach wollte sich zunächst kein CDU-Politiker zu Röttgen äußern, aber die Reaktionen scheinen zwischen Verwunderung und Entsetzen zu schwanken.

Außerhalb von NRW und Berlin äußern sich CDU-Mitglieder weniger zurückhaltend: "Der rheinaalglatte Röttgen, bald nicht mehr Muttis Liebling ...", schrieb Werner Marnette, der frühere Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein, auf seiner Facebook-Seite.

Röttgens einsamer Kampf für die CDU

Video: Röttgens einsamer Kampf für die CDU

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Was war passiert? Röttgen hatte am Dienstag gesagt, als Ministerpräsident würde er verhindern, dass Steuergelder für „Wahlversprechen in Frankreich“ vergeudet würden. Mit den Wahlen in Frankreich und Griechenland am vergangenen Wochenende sei „der Konsolidierungskurs der Kanzlerin in Gefahr“, sagte Röttgen am Dienstag. Und weiter: „Wir sind aber nicht bereit, dass mit dem Geld der deutschen Steuerzahler die Wahlversprechen von Hollande bezahlt werden“.  

Der Kurs der Kanzlerin brauche deshalb Unterstützung „in Europa, aber auch von innen“, argumentierte Röttgen. Die Wähler in Nordrhein-Westfalen könnten Merkel am Sonntag den Rücken stärken. Sie würden darüber entscheiden, „ob das Geld in Deutschland durch die Kanzlerin zusammengehalten wird, oder ob es in Europa in Fässern ohne Boden verschwindet“.

Genau diese Aussagen wurden in der CDU als Versuch gewertet, die Verantwortung für ein Wahldesaster bei Merkel abzuladen. Schon Röttgens Forderung nach einer höheren Pendlerpauschale war in der Union schlecht angekommen, Merkel lehnt das ab.

Kommentare (18)

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Harald

09.05.2012, 10:41 Uhr

Herr Röttgen hat NICHTS was ein ehrlicher Politiker haben sollte. Er ist einfach nur ein windiger zwielichtiger machtbessesener Mensch! PFUI!

Account gelöscht!

09.05.2012, 11:03 Uhr

Frau Merkel ist für die CDU das Total-Desaster. Alle fähigen Männer um sie herum hat sie weggebissen, es sitzen nur noch sture Quoten-Aussitz-Frauen um sie herum. Der General-Sekretär aalglatt, Schäuble stur bis zum abwinken alles abgeschottet und festgefahren. Und politisch hat sie im voraus alles erledigt, was Rot/Grün nur wünschen könnte. Dort biedert sich Frau Merkel an für Bündnisse, die die vom Volkswillen abgekoppelte Politik weitergehen lassen.

In Wahrheit sind die obersten Alt-Parteien-Strukturen zusammen mit Regierung und Abnick-Parlament eine abgekapselte Diktatur. Abgeschottet, unbeirrbar und irgendwie immer an der Macht. Wählen lohnt sich in Deutschland nicht mehr. Kasperle-Theater. Einzige Hoffung - Die Piraten - wenn sie die Kraft haben sich nicht unterwandern zu lassen von Alt-Parteien und breit aufgestellt bleiben politisch.

holzie

09.05.2012, 11:48 Uhr

Röttgen nach Rio ? Der Kölner Stadtanzeiger meldete heute, dass Röttgen zur UNO Nachhaltigkeitskonferenz im Juni nach Brasilien fährt.

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