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15.05.2017

15:34 Uhr

NRW-Wahlkampf

Das Rentner-Debakel bei Mannesmann

VonRoman Tyborski, Sönke Iwersen

Mülheims Oberbürgermeister Scholten holt die Vergangenheit ein. Als Personalmitarbeiter der Mannesmann-Röhrenwerke half er den Stellenabbau mit Steuergeldern und EU-Mitteln zu finanzieren. Geschädigte berichten – mit Wut im Bauch.

Der Oberbürgermeister von Mülheim war vor seiner Zeit als Politiker Personalmitarbeiter bei den Röhrenwerken von Mannesmann.

Ulrich Scholten

Der Oberbürgermeister von Mülheim war vor seiner Zeit als Politiker Personalmitarbeiter bei den Röhrenwerken von Mannesmann.

DüsseldorfKämpferisch gibt sich die SPD am vergangenen Samstag in Mülheim. Martin Schulz ist aus Berlin gekommen, Hannelore Kraft aus Düsseldorf und Ulrich Scholten aus seinem Rathaus in Mülheim. Die Sonne scheint, 20 Grad, perfektes Wahlkampfwetter. Am 14. Mai wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt. In der heißen Wahlkampfphase geht es um jede Stimme.

„Wir wollen das Land menschlicher und gerechter machen, dafür steht auch die Stadt Mülheim“, ruft NRW-Ministerpräsidentin Kraft der Menge zu. Mülheims Oberbürgermeister Scholten steht währenddessen ein paar Meter entfernt. Er wird die Bühne nicht betreten, und er wird auch keine Rede halten. Während die beiden Spitzenkandidaten seiner Partei wieder für mehr soziale Gerechtigkeit kämpfen, geht Scholten in seiner grünen Übergangsjacke und den beigen Hosen im Wahlvolk unter.

So viel Rente darf der Standardrentner erwarten

Zur Prognose

Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an.

Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015

2010

Beitragssatz zur GRV: 19,9 Prozent

Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern:51,6 Prozent

2016

Beitragssatz zur GVR: 18,7 Prozent

Bruttostandardrente: 1372 monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 47,7 Prozent

2020

Beitragssatz zur GVR: 18,7 Prozent

Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 47,6 Prozent

2025

Beitragssatz zur GVR: 20,4 Prozent

Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 46,0 Prozent

2029

Beitragssatz zur GVR: 21,5 Prozent

Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlich

Sicherungsniveau vor Steuern: 44,6 Prozent

Ulrich Scholten war vor seiner Zeit als Oberbürgermeister von Mülheim Mitarbeiter der Personalabteilung bei den Mannesmann-Röhrenwerken am Standort Mülheim – und damals hat er es mit der sozialen Gerechtigkeit nicht ganz so genau genommen.

Ein übler Trick - zulasten der Rentner

Einer, der das weiß und jetzt Wut im Bauch hat, ist Friedhelm Brors. Ein kalter Wintertag 2017, ein Wohnzimmer, wie es sie viele gibt im Duisburger Stadtteil Buchholz. Doch auf dem Couchtisch von Brors liegt etwas Besonderes. Teils jahrzehntealte Aktenvermerke in Klarsichthüllen.

Verträge seiner einstigen Kollegen bei den Mannesmann-Röhrenwerken. Brisante Dokumente, von denen Brors sich einfach nicht lösen kann. Der Mann sieht sich in eine Affäre verwickelt, die Hunderte von Menschen schädigt.

Beim Bäcker, im Supermarkt, in der Kneipe, überall begegnet Brors Männern, die ihm einst vertrauten. Kollegen, die heute so alt sind wie er – knapp 70 und abhängig von der Rente, die sie bei Mannesmann verdienten. Doch genau dort, sagt Brors, liegt das Problem. Durch einen üblen Trick sei es dem Mannesmann-Management in den 1990er-Jahren gelungen, eine Verrentung ihrer Mitarbeiter zum Spartarif durchzuziehen.

Kommentare (14)

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Herr Hans Mayer

11.05.2017, 10:28 Uhr

Wer wundert sich noch über solche Berichte?
Gewußt haben wir es doch bereits sehr lange, dass die "Soziale Gerechtigkeit" der SPD nur aus Lug und Trug besteht, bestenfalls dazu geeignet, die eigenen Taschen bis zum bersten zu füllen.
Scheint Herr Scholten ist ein" Bruder im Geiste", des heiligen Martin.
Der Vergleich mit einem Bibelspruch hinkt da gar nicht, "Erst Reich werden, dann mildtätig und sozial"

Herr Markus Gerle

11.05.2017, 10:29 Uhr

Seltsam, sollte dies alles so stimmen, wäre das doch ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Neben Urkundenfälschung sehe ich hier Betrug. Dass EU-Fördermittel missbraucht werden und mehr Schaden anrichten als sie nützen, ist nichts Neues. Aber hier riecht es arg nach Betrug. Warum hat sich noch keine Staatsanwaltschaft des Falles angenommen?

Herr Marc Hofmann

11.05.2017, 13:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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