Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.05.2012

09:04 Uhr

NRW-Wahlkampf

Landesmutter gegen Musterschüler

VonBernd Kupilas

Zum Höhepunkt des NRW-Wahlkampfs zeigen Hannelore Kraft und Norbert Röttgen Nerven. Im Fernseh-Rededuell verlieren sie sich im Klein-Klein. Sinnbild eines Wahlkampfes, dem es an packenden Ideen fehlt.

TV-Duell im WDR: Hannelore Kraft (SPD), die Moderatoren Gabi Ludwig und Jörg Schönenborn und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). dpa

TV-Duell im WDR: Hannelore Kraft (SPD), die Moderatoren Gabi Ludwig und Jörg Schönenborn und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

KölnNach dem Duell kommt Hannelore Kraft mit ihrer Entourage noch ins Pressezentrum, sie schüttelt ein paar Hände, gibt ein Statement für die Kameras, will unter den Journalisten die Stimmung ein bisschen zu den eigenen Gunsten beeinflussen. „Ich bin zufrieden“, sagt die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin, „ich denke, die Unterschiede sind deutlich geworden.“ Und wie fand sie sich? „Nach ein paar Minuten bin ich warm geworden“, sagt sie, „und dann machte es auch Spaß.“

Es dauert an diesem Abend wohl mehr als nur ein paar Minuten, bis Hannelore Kraft im Fernsehstudio zurück in die Spur und Spaß an der Sache findet. Um genauer zu sein: So ziemlich die komplette erste Hälfte des einstündigen Fernsehduells wirkt sie unsouverän, fahrig, ließ sie sich vom Herausforderer Norbert Röttgen tatsächlich herausfordern.  Sie lächelt genervt, wirkt genervt.

Twitter-Protokoll: Das ganze TV-Duell zum Nachlesen

Twitter-Protokoll

Kraft gegen Röttgen - das ganze Duell

Die NRW-Ministerpräsidentin und ihr Herausforderer im Schlagabtausch. Ein Protokoll.

Dabei hätte sich dazu eigentlich keinen Grund gehabt. CDU-Frontmann Norbert Röttgen zeigt sich zwar angriffslustig, weiß aber nicht wirklich zu punkten. Weil er sich in seinem Zahlensalat verliert. Milliarden, Millionen, Prozent. Jeweils mit Nachkommastellen. 90.000 Kita-Plätze, 16.000 Kitaplätze, 144.000 Kitaplätze oder so ähnlich – am Ende weiß kein Mensch mehr, welche geschaffen wurden, werden sollen, worden sind (von der CDU-Vorgängerregierung) oder zu schaffen versäumt wurde (von Rot-Grün).

Erst in der zweite Hälfte des Duells fängt sich Hannelore Kraft, wird schlagkräftiger, verliert ihre Fuchsigkeit, das Spöttische im Blick und kontert bisweilen gelassen, macht auch mal einen unerwarteten Zug. Als Röttgen, von Hauptberuf Bundesumweltminister, auf die Energiewende zu sprechen kommt, nimmt Kraft eine Position ein, die auch in der CDU-Mittelstandsvereinigung mehrheitsfähig wäre. „Wir brauchen bezahlbare Energie für Unternehmen und Haushalte“, sagt sie. Hannelore, die Verteidigerin der Aluhütte.

Letztendlich zeigte das Duell anschaulich, wie dieser Wahlkampf läuft: Hannelore Kraft setzt ganz und gar auf ihre Rolle als sorgende Landesmutter, setzt auf ihre hohen Sympathiewerte, lässt es in ihren guten Momenten menscheln. Wo immer sich eine Botschaft mit Emotion an den Wähler bringen, macht sie das besser als Norbert Röttgen. Knappe Sätze, klare Sprache. „Bildung muss gebührenfrei sein“, ist so einer, der im Land ankommt. „NRW im Herzen“, steht auf ihren Wahlplakaten. Viel mehr ist ihr und der SPD nicht eingefallen. Das ist alles andere als tiefschürfend, es ist Wohlfühl-Wahlkampf. Aber es könnte am 13. Mai reichen.

Kommentare (39)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

LachhafterArtikel

30.04.2012, 22:53 Uhr

AHHAHA, ich glaube wir haben unterschiedliche Debatten gesehen. Kraft ist stilistisch und argumentatorisch einfach schlecht gewesen! Röttgen hat Kraft sowas von in Grund und Boden argumentiert, dass der Artikel eine Zumutung ist. Nur weil das dumme Volk nicht mehr nachdenken will und vllt. auch kann, sollte man einem Mann, der wenigstens weiss wie viele Schulden in diesem Land gemacht werden, nicht vorwerfen, er werfe mit Zahlen herum. Denn genau das ist ja wohl die Aufgabe eines Politikers... Nur weil Frau Kraft eine unglaubliche Neuverschuldung initiiert hat und über diese Thema gerne hinwegsieht, werfen Sie bitte nicht Herrn Röttgen vor, er beschäftige sich zu viel mit dem Thema. Denn genau das heißt doch der Umgang mit Zahlen. Naja, ich weiss schon warum die Schulden auch in den nächsten Jahren von vermeintlich Rot-Grün ins uferlose anwachsen werden. Nämlich genau wegen der angesprochenen Themen von Frau Kraft und da will mir noch einmal jemand erählen Vorteile lägen bei Frau Kraft??!
Gute Nacht wunderbares Dtschln HAH

ParteiderVernunft

30.04.2012, 23:59 Uhr

Gottseidank, habe ich mir diesen Blödsinn nicht angeschaut!

Verschuldung - Herr Röttgen hat doch im Bundestag für den Ausverkauf Deutschlands mitabgestimmt.

Leider werden die anderen Parteien nicht erwähnt oder eingeladen.

VolkerRacho

01.05.2012, 07:17 Uhr

Ist ja gut, Norbert. Wir wissen das Du es bist. Und jetzt geh schön zu Mutti!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×