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26.04.2012

14:00 Uhr

NRW-Wahlkampf

Lokalpolitiker will Röttgens Mandat

Die nordrhein-westfälische Landtagswahl könnte sich in Bonn entscheiden. Dort versucht ein Lokalpolitiker, dem CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen das Mandat wegzuschnappen.

Landtagskandidat Bernhard von Grünberg (l.) will bei der NRW-Wahl Norbert Röttgen schlagen. dpa/picture alliance

Landtagskandidat Bernhard von Grünberg (l.) will bei der NRW-Wahl Norbert Röttgen schlagen.

BonnMit einer roten Rose in der Hand steht ein älterer Herr mit weißem Bart vor einer Wohnungstür in Bonn. Er streicht noch einmal die Krawatte glatt, dann drückt er die Klingel. „Guten Tag, ich bin Bernhard von Grünberg, Ihr Landtagsabgeordneter. Darf ich Ihnen eine Rose schenken?“ Es ist Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Und der 66-jährige von Grünberg erfährt ungewohnte Aufmerksamkeit.

Das liegt an seinem Gegenkandidaten. Der heißt Norbert Röttgen und ist Bundesumweltminister. Nach der Wahl am 13. Mai will der CDU-Politiker Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen werden. Dazu braucht er ein Landtagsmandat - so verlangt es die Verfassung. Das Mandat will er von Grünberg in Bonn abnehmen. Röttgens Aussichten, als Spitzenkandidat über die Landesliste ins Parlament zu kommen, sind nämlich unsicher. Bei den vergangenen beiden Wahlen hatte die Liste nicht gezogen.

Röttgen macht Wahlkampf im großen Stil. Bei einer Kundgebung auf dem Bonner Marktplatz hat ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt. Grünberg setzt dagegen aufs Klinkenputzen. Seit 1970 ist der Jurist, der seit Studientagen nur Felix gerufen wird, in Bonn für die SPD unterwegs, sitzt im Stadtrat und hat der CDU 2010 das Direktmandat im Wahlkreis Bonn I abgenommen.

„Und wenn Sie mal ein Problem haben, mit der Wohnung, mit Behörden oder Ämtern: Kommen Sie doch einfach in meine Sprechstunde“, verabschiedet sich von Grünberg bei seiner Haustür-Tour von der älteren Dame mit den Lockenwicklern im Haar. Mit der einen Hand umklammert sie ihren kleinen Hund, mit der anderen nun eine rote SPD-Rose.

„Hoffentlich hält die länger als die Versprechen der Politik“, sagt sie mürrisch. Dabei war das Angebot von Grünbergs keine leere Wahlkampffloskel. Seit mehr als 40 Jahren hilft er in seiner Sozialsprechstunde beim Kampf gegen Paragrafen und störrische Bürokraten.

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Der CDU-Mann kommt mit einem wichtigen Zukunftsprojekt nicht voran.

Gegen diesen Lokalmatador geht Röttgen ins Rennen. „Hier findet die CDU sonst sowieso keinen, der sich gegen mich aufstellen lässt“, gibt sich von Grünberg siegessicher. Dass sich Röttgen ausgerechnet seinen Wahlkreis ausgesucht habe, sei Kalkül, vermutet der SPD-Politiker.

Sollte die CDU im neuen Landtag doch an die Regierung kommen, könnte immer noch ein CDU-Angeordneter von seinem Mandat zurücktreten und Röttgen nachrücken, mutmaßt von Grünberg. Bei einer CDU-Niederlage müsse der Umweltminister nicht Oppositionsführer werden und könnte in Berlin bleiben. „Das heißt: Ich helfe Herrn Röttgen eigentlich, diese peinliche Situation zu überstehen“, stichelt der SPD-Mann.

Der Umweltminister sieht seine Chancen naturgemäß anders. „Seit meiner Jugend fühle mich der Stadt Bonn eng verbunden“, lässt Röttgen, der nur wenige Kilometer von Bonn entfernt wohnt, auf seiner Homepage wissen. Seine Kandidatur sei ein persönliches und auch ein klares politisches Bekenntnis zur ehemaligen Hauptstadt. Aussichtslos ist Röttgens Kandidatur nicht. Lange Zeit war der Wahlkreis eine sichere Bank für die CDU.

Von

dpa

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