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20.02.2015

15:31 Uhr

NSA-Angriff auf Sim-Karten-Codes

„Super-GAU für die Privatheit von Kommunikation“

ExklusivAmerikanische und britische Geheimdienste sollen Hersteller von Sim-Karten ausspioniert und Schlüsselcodes für die Handy-Karten abgefangen haben. Die Grünen sind empört und fordern Konsequenzen.

Im Visier der Geheimdienste: Sim-Karten für Mobiltelefone. dpa

Sim-Karten

Im Visier der Geheimdienste: Sim-Karten für Mobiltelefone.

BerlinMit großer Besorgnis haben die Grünen auf Berichte reagierte, wonach die Geheimdienste der USA (NSA) und Großbritanniens (GCHQ) in großem Stil Verschlüsselungscodes für Sim-Karten gestohlen haben sollen. Fraktionsvize Konstantin von Notz kündigte ein parlamentarisches Nachspiel an. Der Vorgang werde sowohl im Innenausschuss als auch im NSA-Untersuchungsausschuss zur Sprache kommen, sagte von Notz dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Zudem erwarte er von der schwarz-roten Bundesregierung Aufklärung darüber, „welche Konsequenzen man sowohl für den Grundrechtsschutz der Bürgerinnen und Bürger als auch für den Schutz der Wirtschaft vor Ausspähung gedenkt zu ziehen“.

„Sollte es den Geheimdiensten tatsächlich gelungen sein, Schlüsselcodes massenhaft zu erbeuten, wären sie technisch in der Lage, Handy-Gespräche auch ohne richterlichen Beschluss und Mitwirkung der Mobilfunk-Provider abzuhören – ein Super-GAU für die Privatheit von Kommunikation“, sagte von Notz. „Kaum realistisch dürfte die Option sein, alle in Frage kommenden Karten schnellstmöglich auszutauschen.“ 

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Der jüngste Fall von Datenspionage zeige zudem, dass die deutsche und europäische Wirtschaft derartigen Angriffen derzeit „offenbar schutzlos ausgeliefert“ seien. „Anlässlich der neusten Enthüllungen müssen wir uns die Frage stellen, welche Teile unserer digitalen Infrastrukturen und IT-Techniken eigentlich noch verlässlich und sicher sind“, sagte von Notz. „Sowohl für unsere Rechtsstaatlichkeit, aber auch für die Wirtschaft ist all dies Gift.“

Man dürfe daher gespannt sein, ob die Europäische Kommission und der deutsche Kommissar für die digitale Wirtschaft, Günther Oettinger (CDU), die neuerlichen Vorfälle zum Anlass nähmen, „sich endlich mit der nötigen Entschlossenheit an der Diskussion über den Grundrechtsschutz in der Digitalen Welt und den Schutz von Unternehmen vor Ausspähung durch Geheimdienste zu beteiligen“.

Diese US-Geheimdienste sind in Deutschland aktiv

CIA

Die Central Intelligence Agency ist der Auslandsgeheimdienst. Er versorgt die US-Regierung mit Informationen, die sie für ihre Entscheidungen etwa im Kampf gegen den internationalen Terrorismus benötigt. Das Budget lag 2013 nach Recherchen der „Washington Post“ bei etwa 14,7 Milliarden US-Dollar (etwa 11 Mrd Euro).

NSA

Hauptaufgabe des militärischen Geheimdienstes National Security Agency ist die Erfassung und Auswertung elektronischer Daten weltweit und die Arbeit mit Verschlüsselungstechnik (Kryptologie). Das Budget soll sich auf etwa 10,8 Milliarden Dollar belaufen.

NRO

Das National Reconnaissance Office (Nationales Aufklärungsamt) ist das Auge und Ohr der USA im Weltraum. Es betreibt das Satellitenaufklärungsprogramm. Das Budget soll etwa 10,3 Milliarden Dollar betragen.

FBI

Die Bundesermittlungsbehörde Federal Bureau of Investigation hat neben der Verbrechensbekämpfung auch die Aufgaben eines Inlandsgeheimdienstes. Sie hat unter anderem terroristische Organisationen und ausländische Geheimdienste im Visier. Das Budget soll etwa 8,2 Milliarden Dollar betragen.

NGA

Die National Geospatial Intelligence Agency (Nationale Agentur für geografische Aufklärung) sammelt und erstellt Informationen über die Erde, die unter anderem für die nationale Sicherheit, militärische Operationen und humanitäre Hilfsanstrengungen genutzt werden. Das Budget soll bei etwa 4,9 Milliarden Dollar liegen.

DIA

Die Defense Intelligence Agency (DIA) koordiniert die Geheimdienste des US-Militärs. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 16 500 Mitarbeiter. Das Budget soll etwa 4,4 Milliarden Dollar betragen.

Der neuerliche Fall von Ausspähung geht aus Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden hervor, die am Donnerstagabend vom Investigativ-Portal „The Intercept“ veröffentlicht wurden. Demnach hat der US-Geheimdienst mit Hilfe der Briten schon vor Jahren den weltgrößten Hersteller von Sim-Karten und anderen Sicherheitschips, das niederländische Unternehmen Gemalto attackiert. Seitdem können die Dienste offenbar die geheimen Schlüssel vieler Smartcards und Sim-Karten mitlesen.

Kommentare (4)

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Hermann Froesch

20.02.2015, 16:52 Uhr

Super GAU
Ein Pleonasmus, wie er schlimmer nicht sein kann. GAU heisst: Größter anzunehmender Unfall. Größer als der Größte ist ja wohl nicht möglich. Ein GAU kann demnach nicht mehr übertroffen werden. Sonst müsste er ZAU heißen: zweitgrößter anzunehmender Unfall.

Herr John Harris

20.02.2015, 17:40 Uhr

Die RFID Chips in den Pässen lassen sich schon seit langem kopieren:
http://www.golem.de/0608/46966.html

Der CCC erklärt, wie man diese Chips klein bekommt:
http://events.ccc.de/congress/2005/static/r/f/i/RFID-Zapper_de61.html

Das Problem ist doch, dass der Chip als unkopierbar gilt. Wenn er dann aber doch kopiert wird und an falscher Stelle in ein Lesegerät gehalten wird, dann gilt dies als unanfechtbarer Beweis, dass man zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort war.

Ebenso unanfechtbar waren ja wohl bisher Telefongespräche mit einem bestimmten SIM oder die DNA Abstriche. Hierzu sollte man sich mal die Fahndung nach einem "Massenmörder" anschauen; am Ende war es die Frau, die die Wattestäbchen verpackt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronner_Phantom

Errare humanum est, nur die NSA hat immer Recht.

Herr Helmut Metz

20.02.2015, 17:41 Uhr

WIR sind die Guten - wir dürfen uns über alle Gesetze hinwegsetzen für die Machterhaltung und Sicherheit unserer Eliten äääh unserer Bürger. Selbstverständlich geben wir dem "Souverän" (räusper ;-)) keine Auskunft darüber - denn hier geht es ja im Zweifelsfall um die "nationale Sicherheit" (tolles Totschlagsargument, gelle?).
Wie sagte schon einer unserer Vordenker so treffend:
"Das Illegale tun wir sofort, das Verfassungswidrige dauert etwas länger!" (Henry Kissinger)
Sollten doch tatsächlich Bürger gegen einen solchen brillanten Mann protestieren, dann werden sie von unseren Polit-Marionetten zumindest als ABSCHAUM bezeichnet.
Ach ja: wie kann man es wagen, auch noch einen Film über einen Verräter zu drehen? CITIZENFOUR sollte doch umgehend verboten werden!
https://www.youtube.com/watch?v=_0pAuXkFMfw

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