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23.11.2015

20:03 Uhr

NSA-Ausschuss

Schwere Vorwürfe gegen den BND

„Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht“: Das stellte die Kanzlerin mit Blick auf die Spionage der Amerikaner fest. Doch der BND machte es wohl ähnlich. Bundestagsabgeordnete haben einschlägige Listen eingesehen.

Der BND habe vermutlich immer noch ein Problem beim Umgang mit den Selektoren, sagte SPD-Obmann Christian Flisek. dpa

NSA-Untersuchungsausschuss

Der BND habe vermutlich immer noch ein Problem beim Umgang mit den Selektoren, sagte SPD-Obmann Christian Flisek.

BerlinMitglieder des NSA-Untersuchungsausschusses haben nach Einsicht in geheime Spionagelisten schwere Vorwürfe an den Bundesnachrichtendienst (BND) erhoben. Es sei Fakt, „dass der BND beim Umgang mit den Selektoren ein Problem hatte und vermutlich immer noch hat“, sagte SPD-Obmann Christian Flisek nach der Einsichtnahme in die geheimen Listen am Montag im Kanzleramt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Selektoren sind etwa Telefonnummern oder Mail-Adressen. Aus der Liste der BND-Selektoren soll laut Medienberichten hervorgehen, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst in großem Stil befreundete Staaten ausspioniert hat. Aus eigenem Antrieb soll er dabei auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sowie einen deutschen Spitzendiplomaten ausgespäht haben.

„Wir haben einen ganzen Wust von Listen und Selektoren zur Einsichtnahme bekommen, die zum Teil nicht selbsterklärend sind“, sagte Flisek. Nun müsse die Bundesregierung den Abgeordneten auch sämtliches Begleitmaterial, etwa Vermerke und Begründungen, zur Verfügung stellen.

„Der Satz der Bundeskanzlerin „Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht“ ist bisher beim BND kaum umgesetzt worden“, sagte Flisek. Zumindest bis zu den Enthüllungen des Ex-Mitarbeiters des US-Geheimdiensts NSA, Edward Snowden, habe es dem BND an jeglicher Sensibilität gefehlt, was deutschen Interessen entspricht und was nicht.

Der Ausschuss-Vorsitzende Patrick Sensburg (CDU) sprach von „organisatorischen und fachlichen Defiziten“ beim BND. Dessen Abteilung Technische Aufklärung müsse dringend effizienter aufgestellt werden, sagte er der „Westfalenpost“. Die Zahl der Selektoren liege zwischen 10.000 und 20.000. Konkretere Angaben zu den Selektoren wollten Flisek und Sensburg unter Verweis auf ihre Verschwiegenheitspflicht nicht machen.

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Für Flisek ist es noch nicht ausgemacht, inwieweit auch der NSA-Ausschuss für die weitere Prüfung dieser BND-Ausspähung zuständig ist. Das für die Geheimdienstkontrolle zuständige Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) befasst sich bereits mit den Selektoren. Wenn die Spähziele aus der Kooperation mit den Geheimdiensten der USA oder von Großbritannien, Kanada, Australien oder Neuseeland stammen, dann gilt aber auch der NSA-Ausschuss als zuständig.

Flisek sagte, der NSA-Ausschuss könne bei den weiteren Zeugenvernehmungen die Fehlleistungen des BND beim Umgang mit den Selektoren durchaus weiter beleuchten. Die Details könnten dann weiter im Parlamentarischen Kontrollgremium geklärt werden. Sensburg forderte das Kontrollgremium zu einer eingehenderen Überprüfung der Selektoren auf. Eine andere Liste mit Selektoren, mit der der BND für die NSA den Datenverkehr durchkämmte, ist seit Monaten Thema im NSA-Ausschuss.

Von

dpa

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