Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2013

19:32 Uhr

NSU-Mordverfahren

Zschäpes Anwälte fordern Prozessende

Die Verteidiger der Hauptangeklagten unterstellen Medien und Politikern eine Vorverurteilung. Nach einer ganzen Serie weiterer Anträge begann schließlich die Aussage des ersten Angeklagten, der einen Waffenkauf gestand.

Beate Zschäpe erscheint zur Sitzung des Gerichts: Sie ist die Hauptangeklagte. AFP

Beate Zschäpe erscheint zur Sitzung des Gerichts: Sie ist die Hauptangeklagte.

MünchenIm NSU-Mordprozess haben die Anwälte der Hauptangeklagten Beate Zschäpe die Einstellung des Verfahrens verlangt. Verteidigerin Anja Sturm begründete dies am Dienstag vor dem Münchner Oberlandesgericht damit, dass ihre Mandantin in den Medien und von Politikern "als Mitglied einer Mörderbande oder Terrorgruppe" vorverurteilt worden sei.

Auch die Ermittlungen gegen die 38-Jährige, die laut Anklage mitverantwortlich für die Ermordung von zehn Menschen sein soll, seien unter der Prämisse geführt worden, "die Mittäterschaft zu belegen". Dies sei "eine evidente wie eklatante Missachtung der Unschuldsvermutung". Weil dies der Auftakt zu einer Antragsserie von Verteidigern und Nebenklage-Vertretern war, begann die mit Spannung erwartete Aussage eines der fünf Angeklagten mit Verspätung.

Carsten S. und der mitangeklagte Holger G. wollen sich vor Gericht zum Vorwurf der Verstrickung in die Neonazi-Mordserie äußern. Sie sollen dem von Zschäpe und zwei Gefährten gebildeten "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) geholfen haben. Laut Bundesanwaltschaft ermordete das Terror-Trio zehn Menschen, von denen die meisten türkischer Abstammung waren, beging zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle.

Zschäpe steht als Hauptangeklagte vor Gericht, ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten sich bei der Enttarnung der Gruppe das Leben genommen. Die übrigen vier Angeklagten sollen das Trio bei den Verbrechen unterstützt haben: So soll Ralf Wohlleben eine Pistole beschafft haben, mit der neun der zehn Morde begangen worden sein sollen.

Nach der stundenlangen Verlesung verschiedener Anträge begann der angeklagte Carsten S. mit seiner Aussage und gestand einen Waffenkauf für die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen. Er gab zu, eine Pistole mit Schalldämpfer besorgt zu haben - mit einer solchen Waffe der Marke „Ceska“ wurden neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet.

Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, betonte der 33-Jährige. Er sei davon ausgegangen, dass damit „nichts Schlimmes passiert“. Er habe ein „positives Gefühl“ gehabt, was die drei - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe - anging, „dass das in Ordnung ist“. Die Anklage wirft ihm hingegen vor, er habe damit rechnen müssen, dass die Waffe für die Tötung von Menschen eingesetzt werden sollte.

Das Geld für die Waffe habe ihm Wohlleben gegeben, sagte Carsten S.. Er habe dem Trio die Waffe dann in einem Abbruchhaus übergeben. Der Sozialpädagoge, der zuletzt für die Aidshilfe Düsseldorf arbeitete, ist seit langem aus der Neonazi-Szene ausgestiegen und hatte schon im Ermittlungsverfahren umfangreiche Angaben gemacht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×