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13.06.2013

16:54 Uhr

NSU-Prozess

Carsten S. lehnt Fragen von Wohlleben-Anwälten ab

Carsten S. gesteht, dass er die Waffe geliefert hat, mit der der NSU neun Migranten tötete. Fragen der Anwälte von Ex-NPD-Funktionär Wohlleben verweigert er jedoch und fordert „Waffengleichheit“.

Carsten S. betritt den Gerichtssaal in München: Fragen der Wohlleben-Anwälte beantwortet er nicht. dpa

Carsten S. betritt den Gerichtssaal in München: Fragen der Wohlleben-Anwälte beantwortet er nicht.

MünchenIm NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat der Angeklagte Carsten S. Antworten auf Fragen des Mitangeklagten Ralf Wohlleben verweigert. Der umfassend geständige S. begründete dies damit, dass ohne ein vorheriges Geständnis des früheren NPD-Funktionärs Wohlleben ansonsten keine „Waffengleichheit“ herrsche.

S. ist vor dem OLG wegen Beihilfe zum neunfachen Mord angeklagt. Er soll die Pistole geliefert haben, mit der die verstorbenen mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos neun Migranten erschossen haben sollen. S. gestand diesen Botendienst inzwischen.

S. ließ Nachfragen der Nebenkläger-Anwälte zu, die die Opfer der Morde und Bombenanschläge des NSU vertreten. Zu den Bedingungen für eine Antwort auf Fragen der Wohlleben-Verteidiger sagte er, es gehe darum, „dass ich mich nicht nur hier nackig mache, sondern er auch.“ Deshalb müsse Wohlleben vorher Angaben zur Person und zur Sache machen und Fragen beantworten. Die Wohlleben-Verteidiger wiesen dies als Versuch einer Erpressung zurück.

Die Angeklagten im NSU-Prozess

Beate Zschäpe

Die 38-Jährige tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens von 2001 an „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Zeugen beschreiben Zschäpe als gleichberechtigtes Mitglied; unter anderem soll sie das Geld verwaltet haben. Nach dem Tod ihrer Kumpane am 4. November 2011 setzte Zschäpe die gemeinsame Wohnung im sächsischen Zwickau in Brand und verschickte die Bekennervideos mit dem „Paulchen Panther“-Motiv. Am 8. November stellte sie sich der Polizei in Jena. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft, mittlerweile in München – und schweigt.

Ralf Wohlleben

Der ehemalige Thüringer NPD-Funktionär mit Kontakten zur militanten Kameradschaftsszene soll Waffen für das Trio organisiert haben. Der 38-Jährige wurde am 29. November 2011 verhaftet und sitzt in U-Haft. Nach Ansicht der Ermittler wusste er von den Verbrechen – er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Carsten S.

Der 33-Jährige hat gestanden, den Untergetauchten eine Pistole mit Schalldämpfer geliefert zu haben. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um die „Ceska“, die bei den Morden verwendet wurde. Er löste sich kurz darauf aus der Szene, lebte ab 2001 in Nordrhein-Westfalen und legte nach seiner Verhaftung im Februar 2012 ein umfangreiches Geständnis ab. Ende Mai kam er wieder auf freien Fuß. Er ist wie Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

André E.

Der gelernte Maurer (33) war seit dem Untertauchen 1998 einer der wichtigsten Vertrauten des Trios und soll die mutmaßlichen Rechtsterroristen zusammen mit seiner Frau regelmäßig besucht haben. Die Ermittler hielten ihn zunächst für den Ersteller des Bekenner-Videos. Als Zweifel daran aufkamen, ordnete der Bundesgerichtshof im Juni seine Freilassung an. E. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.

Holger G.

Der 38-Jährige gehörte wie Wohlleben und die drei Untergetauchten zur Jenaer Kameradschaft. Er zog 1997 nach Niedersachsen um. G. spendete Geld, transportierte einmal eine Waffe nach Zwickau und traf sich mehrfach mit dem Trio. Er überließ Böhnhardt einen Ersatzführerschein sowie 2001 und 2011 seinen Pass. Von Überfällen und Morden will er nichts gewusst haben. Nach der Verhaftung im Januar 2012 kam er Ende Mai wieder auf freien Fuß. Auch G. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.

S. gab zudem an, dass er nun vollständig reinen Tisch gemacht habe. Dies habe er „ohne Rücksicht auf Verluste, auch meine eigenen, was das weitere Verfahren angeht“ gemacht. S. hatte sich mit dem Geständnis selbst belastet.

Die Vernehmung des Angeklagten dauerte am Donnerstagnachmittag zunächst an. Die Befragung der geladenen ersten Zeugen verzögerte sich damit zunächst. Die Verteidiger der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe sagten zudem, dass diese „in ausgesprochen schlechter Verfassung“ sei. Zschäpe wolle den Prozess nicht behindern, könne aber womöglich nicht den ganzen Verhandlungstag durchhalten.

Derweil veröffentlichten die Grünen im bayerischen Landtag eine Antwort auf eine Anfrage an das bayerische Innenministerium, derzufolge in München die Zahl rechtsextremistisch motivierter Straftaten im vergangenen Jahr um 50 Prozent angestiegen ist. Im Jahr 2011 habe die Zahl solcher Taten noch bei 238 gelegen, im vergangenen Jahr bei 368 Fällen.

Im Zusammenhang mit dem NSU-Prozess war es in den vergangenen Wochen in München zu einer ganzen Reihe von Sachbeschädigungen an Gebäuden linker Gruppierungen gekommen. Der Grünen-Experte Sepp Dürr forderte Innenministerium und Polizei auf, gegen die Neonazi-Szene in München vorzugehen.

Von

afp

Kommentare (3)

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Rechner

14.06.2013, 01:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Tabu

14.06.2013, 11:10 Uhr

Warum man ausgerechnet den Manfred Götzl als
Richter ausgesucht hat,wurde mir nun auch klar.
Student Sven,einer der sich partout nicht
tot treten lassen wollte von einer Arabergang,
bekam wegen Notwehr fast 4 Jahre Knast.

http://www.heise.de/tp/artikel/31/31167/1.html

Wenn Carsten S.meint,irgendwo eine Saite zum klingen
zu bringen,mit seiner Lebensgeschichte und wie
er als junger schwuler Mann Anerkennung suchte,
hat er sich beim Götzl geschnitten..Der steht nicht
drauf,wenn einer zum Opfer wurde.Und sei es nur
seiner selbst..(...)..Carsten S.wird es noch bitter
bereuen,nicht auch geschwiegen und weiter
verdrängt zu haben.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Rechner

14.06.2013, 18:11 Uhr

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