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20.06.2013

17:02 Uhr

NSU-Prozess

Gericht beendet Vernehmung von Carsten S.

Mehr als 26 Stunden lang wurde Carsten S. im NSU-Prozess vernommen. Er belastet vor allem den Mitangeklagten Wohlleben. Dessen Verteidiger ziehen alle Register und wollen die Aussage für unverwertbar erklären.

Carsten S. im Saal des Münchner Landgerichts: Seine Vernehmung ist beendet. AFP

Carsten S. im Saal des Münchner Landgerichts: Seine Vernehmung ist beendet.

MünchenIm NSU-Prozess hat das Gericht nach acht Verhandlungstagen die Vernehmung des Angeklagten Carsten S. beendet. Der 33-Jährige hatte zugegeben, den untergetauchten Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Waffe besorgt zu haben - höchstwahrscheinlich jene Pistole der Marke „Ceska“, mit der die Terroristen neun Menschen ermordeten.

S. ist der bislang einzige der fünf Angeklagten, der vor Gericht ausgesagt und Fragen beantwortet hat. Der Mitangeklagte Holger G. verlas im Prozess um die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) lediglich eine Erklärung. Die anderen Angeklagten wollen nicht aussagen.

Die Angeklagten im NSU-Prozess

Beate Zschäpe

Die 38-Jährige tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens von 2001 an „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Zeugen beschreiben Zschäpe als gleichberechtigtes Mitglied; unter anderem soll sie das Geld verwaltet haben. Nach dem Tod ihrer Kumpane am 4. November 2011 setzte Zschäpe die gemeinsame Wohnung im sächsischen Zwickau in Brand und verschickte die Bekennervideos mit dem „Paulchen Panther“-Motiv. Am 8. November stellte sie sich der Polizei in Jena. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft, mittlerweile in München – und schweigt.

Ralf Wohlleben

Der ehemalige Thüringer NPD-Funktionär mit Kontakten zur militanten Kameradschaftsszene soll Waffen für das Trio organisiert haben. Der 38-Jährige wurde am 29. November 2011 verhaftet und sitzt in U-Haft. Nach Ansicht der Ermittler wusste er von den Verbrechen – er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Carsten S.

Der 33-Jährige hat gestanden, den Untergetauchten eine Pistole mit Schalldämpfer geliefert zu haben. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um die „Ceska“, die bei den Morden verwendet wurde. Er löste sich kurz darauf aus der Szene, lebte ab 2001 in Nordrhein-Westfalen und legte nach seiner Verhaftung im Februar 2012 ein umfangreiches Geständnis ab. Ende Mai kam er wieder auf freien Fuß. Er ist wie Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

André E.

Der gelernte Maurer (33) war seit dem Untertauchen 1998 einer der wichtigsten Vertrauten des Trios und soll die mutmaßlichen Rechtsterroristen zusammen mit seiner Frau regelmäßig besucht haben. Die Ermittler hielten ihn zunächst für den Ersteller des Bekenner-Videos. Als Zweifel daran aufkamen, ordnete der Bundesgerichtshof im Juni seine Freilassung an. E. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.

Holger G.

Der 38-Jährige gehörte wie Wohlleben und die drei Untergetauchten zur Jenaer Kameradschaft. Er zog 1997 nach Niedersachsen um. G. spendete Geld, transportierte einmal eine Waffe nach Zwickau und traf sich mehrfach mit dem Trio. Er überließ Böhnhardt einen Ersatzführerschein sowie 2001 und 2011 seinen Pass. Von Überfällen und Morden will er nichts gewusst haben. Nach der Verhaftung im Januar 2012 kam er Ende Mai wieder auf freien Fuß. Auch G. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.

Die Verteidiger des Mitangeklagten Ralf Wohlleben widersprachen am Donnerstag der Verwertung der Aussage gegen ihren Mandanten. Nach Darstellung von Carsten S. hatte Wohlleben ihn zum Kontaktmann zu dem untergetauchten Trio gemacht. Wohlleben habe ihm auch gesagt, wo er die Waffe besorgen solle, und ihm das Geld dafür gegeben.

S. hatte sich jedoch geweigert, Fragen der Verteidiger Wohllebens zu beantworten, solange dieser nicht selbst aussage. Deshalb dürfe die Aussage nicht gegen seinen Mandanten verwendet werden, meinte Wohllebens Anwalt Olaf Klemke. Wohllebens Verteidigerin Nicole Schneiders forderte, den - gerichtlich mehrfach bestätigten - Haftbefehl aufzuheben.

Kommentare (2)

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Tabu

20.06.2013, 18:08 Uhr

Aussagen von Carsten S. hätten „keinen Beweiswert“
------
doch haben sie das..So zum Beispiel,als Beate Zschäpe
dazu kam,er immer den Mund halten mußte,damit sie
nicht erfuhr was vor sich geht.
Dann gibt es da noch den Zeugen Dominik R. der die drei
hat streiten sehen.Im Zwickauer Stadtteil Niederplanitz "Ich konnte sehen, wie die Frau gestikulierte. Sie schüttelte immer wieder mit dem Kopf und hat sich mit der ganzen Hand an die Stirn gegriffen.
Am nächsten Tag,bringt sie ihre heißgeliebten Katzen weg.
Einen Tag später sind die beiden Uwes tot.
Sie hat den Auftrag die Wohnung zu zerstören
und die Eltern der Uwes zu informieren.Ein letzter
Gefallen um den sie gebeten wurde.
Die Polizei findet in der Wohnung,75.000 Euro..
Beate Zschäpe steuert ein Polizeirevier an und
stellt sich.Der Beamte wußte noch von nix.
Ich find schon,das man Carsten S. abnehmen sollte,
das Zschäpe nicht viel wissen sollte.
Und die Uwes die für sie Familie waren,können nix mehr sagen.Ganz schön feige von den beiden.Nun trägt Beate Z.
die Hauptlast.

taiko

20.06.2013, 19:53 Uhr

Naja, vielleicht sollte Frau Z. auch einfach nicht wissen, dass sich die Uwes mit ihren Taten vor einem Außenstehenden brüsten. Ich halte es für naiv, zu glauben, dass jemand eine Wohnung sprengt bzw. es versucht, ohne genau zu wissen warum.

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