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09.12.2015

14:42 Uhr

NSU-Prozess im Kommentar

War Beate Zschäpe zentrale Figur oder Mitläuferin?

VonRüdiger Scheidges

248 Prozesstage haben Beobachter, Opfer und Angehörige im NSU-Prozess auf ihre Aussage gewartet. Doch wer sich Antworten von Beate Zschäpe erhoffte, wurde enttäuscht. Stattdessen: nur Ausflüchte. Ein Kommentar.

Die Hauptangeklagte will kein Mitglied des sogenannten NSU gewesen sein. dpa

NSU-Prozess

Die Hauptangeklagte will kein Mitglied des sogenannten NSU gewesen sein.

Als der West-Berliner Kommunarde Fritz Teufel im Jahre 1967 einmal von einem Richter aufgefordert wurde, sich zu erheben, spottete der Anführer der Berliner „Spaßguerilla“: „Wenn’s denn der Wahrheitsfindung dient!“ Wahrheitsfindung ist Ziel jedes Prozesses, zumal jedes Strafprozesses.

Auch im Münchner NSU-Prozess – es geht da seit über zwei Jahren schon um die Aufklärung von zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Bank- und Raubüberfällen, ausgeführt sämtlich von der rechtsradialen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU), also von Beate Zschäpe, Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt – steht natürlich die Wahrheitsfindung im Mittelpunkt. Statt sich zu diesem Behufe zu erheben, hat die erstmals lächelnde, den Reportern willig zugewandte Hauptangeklagte Beate Zschäpe den Mund aufgemacht. Nach 248 Prozesstagen des Schweigens.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Auf Anraten ihrer Verteidiger hatte sie bisher zu allen Taten, zu allen Vorwürfen, zu allen Begleitumständen und Personen geschwiegen. Zur Wahrheitsfindung hatte sie bisher nichts beigetragen. Im Gegenteil: Regelmäßige Prozessbeobachter gewannen das Bild einer reuelosen, kalten Angeklagten, die selbst die herzerweichendsten Fragen der Opfer-Angehörigen nicht scherten.

Rein juristisch gesehen ist das ihr Recht. Rein menschlich gesehen bestätigte ihr Verhalten den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, man habe es bei der Angeklagten nicht mit einer schieren Mitläuferin, sondern vielmehr um eine zentrale, wenn nicht gar die zentrale Figur bei der Planung und Ausführung des rechtsradikalen und rassistischen NSU-Terrors zu tun.

Zschäpe-Aussagen unbefriedigend

„Verdammt, meine Mandantschaft will erfahren, warum diese Menschen gestorben sind!“

Zschäpe-Aussagen unbefriedigend: „Verdammt, meine Mandantschaft will erfahren, warum diese Menschen gestorben sind!“

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Wie erwähnt: zehn Menschen, Unschuldige, Ausländer mussten ihr Leben lassen. Selbst für hartgesottene Beobachter: wahrlich kein Pappenstiel, wahrlich eine fürchterliche Bilanz dieser deutschen Terroristen. Kein Wunder also, dass sich viele Betroffene, Beobachter und nicht zuletzt das Gericht von Zschäpes Statements mehr als nur eine kursorische, flüchtige und ausflüchtende Antwort auf die drängenden Fragen erhofften: Den Fragen des Gerichts, und auch denen der Öffentlichkeit.

Doch sie alle wurden enttäuscht. Statt konkreter Einlassungen waren die Ausführungen Zschäpes von dem offenkundigen Bemühen getragen, eine langjährige Verurteilung mit dem Zusatz der „besondere Schwere der Schuld“ abzuwenden.

Kommentare (10)

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09.12.2015, 15:21 Uhr

Hr. Scheidges und alle anderen Deutschen Medien wisst natürlich ganz genau, was die einzig wahre "Wahrheitsfindung" ist.

Matt Anderson

09.12.2015, 15:32 Uhr

"Stattdessen: nur Ausflüchte"

Komisch. Ich dachte immer, dass jedem das Recht zusteht, sich selbst nicht zu belasten. Von diesem Recht hatte schon Kanzler Kohl Gebrauch gemacht, als er sagte, dass er einen "Blackout" hatte und sich nicht mehr erinnern könnte. Auch der ehrenwerte Herr Schäuble konnte sich an den 100000 DM Schwarzgeldumschlag nicht mehr erinnern. Ausflüchte sind also vorgelebte Demokratie. Scheinbar sind diese aber nur der selbsternannten Elite zugestanden. Und ich dachte immer, vor dem Gesetz ist jeder gleich. Tsssstsssstssss

Account gelöscht!

09.12.2015, 16:15 Uhr

Ich empfehle, „Kommentaren“ grundsätzlich keine hohe Bedeutung beizumessen. „Kommentare“ sind für mich das beste Beispiel von den Medien, auf die Meinungsbildung anderer Einfluss zu nehmen – vielleicht sogar Meinungen durch ständige Konditionierung in eine gewünschte Richtung zu lenken. Letztendlich interessieren ausschließlich die Fakten. Die Bürger sind schon mündig genug, sich dann eine eigene Meinung zu bilden.

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