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27.01.2015

17:51 Uhr

NSU-Prozess

Polizei ignorierte Zeugenaussagen

Eine Frau läuft dem mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt kurz vor dem Kölner Nagelbombenanschlag 2004 über den Weg und beschreibt ihn später. Die Polizei ging diesem und anderen Hinweisen damals nicht nach.

Der NSU-Prozess in München: Bei den Ermittlungen rund um den Kölner Nagelbombenanschlag von 2004 ignorierte die Polizei offenbar Zeugen und setzte sie unter Druck. dpa

Der NSU-Prozess in München: Bei den Ermittlungen rund um den Kölner Nagelbombenanschlag von 2004 ignorierte die Polizei offenbar Zeugen und setzte sie unter Druck.

MünchenMehrere Zeugen haben im NSU-Prozess die Zweifel an den Polizeiermittlungen nach dem Kölner Nagelbombenanschlag im Juni 2004 verstärkt. Eine Rentnerin und ein Feuerwehrmann berichteten am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München, sie hätten einen der mutmaßlichen Täter erkannt. Ihre Beschreibungen passten auf Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt. Die Polizei sei ihren Hinweisen aber nicht nachgegangen.

Angeklagt wegen der Tat ist Beate Zschäpe, die sich außerdem für die zehn Morde des selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ aus überwiegend rassistischen Motiven verantworten muss. Böhnhardt und Mundlos hatten sich im November 2011 mutmaßlich selber das Leben genommen.

Die Rentnerin sagte, ihr sei auf einem Trampelpfad auf einem brachliegenden Grundstück unmittelbar bei der Keupstraße ein Mann entgegengekommen, der ein nagelneues Fahrrad geschoben habe. Das sei ihr „sehr aufgefallen, weil er das Fahrrad so behutsam geschoben hat“ - fast so, als trage er es.

Außerdem habe sie auf dem Gepäckträger eine auffallend große Kofferbox gesehen, die eher zu einem Motorrad gepasst habe. Genau so sah das Fahrrad aus, auf dem der Sprengsatz montiert war. Der Mann sei schlank und sportlich gewesen, sagte die 63-Jährige. Er habe eine Radlerhose und ein T-Shirt getragen. Sie habe für einen Moment auch sein Gesicht gesehen.

Die Angeklagten im NSU-Prozess

Beate Zschäpe

Die 38-Jährige tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter, um einer drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens von 2001 an „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Zeugen beschreiben Zschäpe als gleichberechtigtes Mitglied; unter anderem soll sie das Geld verwaltet haben. Nach dem Tod ihrer Kumpane am 4. November 2011 setzte Zschäpe die gemeinsame Wohnung im sächsischen Zwickau in Brand und verschickte die Bekennervideos mit dem „Paulchen Panther“-Motiv. Am 8. November stellte sie sich der Polizei in Jena. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft, mittlerweile in München – und schweigt.

Ralf Wohlleben

Der ehemalige Thüringer NPD-Funktionär mit Kontakten zur militanten Kameradschaftsszene soll Waffen für das Trio organisiert haben. Der 38-Jährige wurde am 29. November 2011 verhaftet und sitzt in U-Haft. Nach Ansicht der Ermittler wusste er von den Verbrechen – er ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

Carsten S.

Der 33-Jährige hat gestanden, den Untergetauchten eine Pistole mit Schalldämpfer geliefert zu haben. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um die „Ceska“, die bei den Morden verwendet wurde. Er löste sich kurz darauf aus der Szene, lebte ab 2001 in Nordrhein-Westfalen und legte nach seiner Verhaftung im Februar 2012 ein umfangreiches Geständnis ab. Ende Mai kam er wieder auf freien Fuß. Er ist wie Wohlleben wegen Beihilfe zum Mord angeklagt.

André E.

Der gelernte Maurer (33) war seit dem Untertauchen 1998 einer der wichtigsten Vertrauten des Trios und soll die mutmaßlichen Rechtsterroristen zusammen mit seiner Frau regelmäßig besucht haben. Die Ermittler hielten ihn zunächst für den Ersteller des Bekenner-Videos. Als Zweifel daran aufkamen, ordnete der Bundesgerichtshof im Juni seine Freilassung an. E. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.

Holger G.

Der 38-Jährige gehörte wie Wohlleben und die drei Untergetauchten zur Jenaer Kameradschaft. Er zog 1997 nach Niedersachsen um. G. spendete Geld, transportierte einmal eine Waffe nach Zwickau und traf sich mehrfach mit dem Trio. Er überließ Böhnhardt einen Ersatzführerschein sowie 2001 und 2011 seinen Pass. Von Überfällen und Morden will er nichts gewusst haben. Nach der Verhaftung im Januar 2012 kam er Ende Mai wieder auf freien Fuß. Auch G. ist als mutmaßlicher Unterstützer der Gruppe angeklagt.

Als nach dem Auffliegen des NSU im November 2011 Bilder von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im Fernsehen gezeigt worden seien, habe das Foto von Böhnhardt bei ihr eine „wirklich heftige emotionale Reaktion“ hervorgerufen. Bereits unmittelbar nach dem Anschlag habe sie der Polizei gesagt, es habe sich nicht um einen Türken oder Kurden gehandelt, sondern eher um einen Osteuropäer.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

27.01.2015, 18:20 Uhr

Eine Frau läuft dem mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt kurz vor dem Kölner Nagelbombenanschlag 2004 über den Weg und beschreibt ihn später. Die Polizei ging diesem und anderen Hinweisen damals nicht nach.

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Waren die Drei auch Ausländer ???

Na wenn die keine Ausländer sind dann sind es deutsche kriminellen ...

und da macht die deutsche Polizei die Augen zu !!!!!!







Herr Teito Klein

28.01.2015, 09:46 Uhr

Polizei ignoriert Zeugenaussagen
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Für sie war es die Türkenmafia und nicht Neonazis.
Deshalb wurden die Anschläge auch als "Dönermorde" bezeichnet. (Unwort des Jahres 2011).

Der Ausdruck stehe prototypisch dafür, dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde. Durch die Reduktion auf ein Imbissgericht würden die Opfer der Morde in höchstem Maße diskriminiert und ganze Bevölkerungsschichten aufgrund ihrer Herkunft ausgegrenzt.
Quelle: Wikipedia

Hier wurden die Zeugen selbst als Täter vermutet. Selbst die 63-jährige Rentnerin.

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