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06.04.2013

12:13 Uhr

NSU-Prozess

Türkei mit offiziellem Vertreter dabei

Im Streit um die Platzvergabe im NSU-Prozess äußert sich das Gericht nicht mehr öffentlich. Die Türkei soll nun mit einem offiziellen Vertreter beim Prozess dabei sein. Eine türkische Zeitung geht einen anderen Weg.

BerlinDie Türkei wird beim Prozess um die Mordserie der Neonazi-Gruppe NSU nun doch mit einem offiziellen Vertreter im Gerichtssaal dabei sein. Dies kündigte der türkische Botschafter in Deutschland, Avni Karslioglu, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an.

„In Deutschland hat eine Terrorzelle aus Neonazis eine grausame Mordserie begangen, und die Opfer waren fast alle Türken“, sagte der Diplomat. „Als Botschafter ist es meine Pflicht, die Hinterbliebenen zu begleiten.“ Beim Auftakt vor dem Münchner Oberlandesgericht am 17. April werde er auf jeden Fall persönlich anwesend sein. „Wenn ich im späteren Verlauf nicht dort sein kann, wird der Generalkonsul oder ein Vertreter des Konsulats den Prozess verfolgen.“

Die türkische Zeitung „Sabah“ will sich damit nicht zufrieden geben. Sie legte wie angekündigt Verfassungsbeschwerde gegen die umstrittene Vergabe von Journalistenplätzen beim Münchener NSU-Prozess ein. Das bestätigte ein Sprecher des Bundesverfassungsgerichts am Samstag der Nachrichtenagentur dpa in Karlsruhe. Die Zeitung will mit einen Eilantrag die Zulassung zu dem Prozess vor dem Oberlandesgericht München erreichen.

„Als Botschafter ist es meine Pflicht, die Hinterbliebenen zu begleiten.“ Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu. dpa

„Als Botschafter ist es meine Pflicht, die Hinterbliebenen zu begleiten.“ Der türkische Botschafter in Deutschland, Hüseyin Avni Karslioglu.

Die bayerische Justiz hatte der türkischen Regierung bislang keinen dauerhaften Platz garantiert, was für erhebliche Verärgerung sorgte. Offiziell sagt das Gericht seit einigen Tagen nichts mehr zur Platzvergabe, hinter den Kulissen gibt es Gespräche. Die jetzige Lösung wurde auch von anderer Seite bestätigt. Der NSU-Mordserie fielen zehn Menschen zum Opfer, darunter acht mit türkischen Wurzeln.

Der Botschafter kritisierte abermals die Verteilung der Presseplätze durch das Münchner Gericht, wobei die türkische Seite ebenfalls leer ausgegangen war. „Der Prozess ist auch dazu da, den Menschen wieder Vertrauen zu geben. Sie wollen erfahren, was wirklich passiert ist. Deshalb könnte sich das Gericht bei Fragen, die auch die Presse betreffen, ein bisschen sensibler verhalten.“

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