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06.12.2016

16:13 Uhr

Nur 89,5 Prozent für CDU-Chefin

Wiederwahl mit Denkzettel für Angela Merkel

Angela Merkel übernimmt zwei weitere Jahre das Amt der CDU-Chefin. Die Bundeskanzlerin erhielt bei der Wahl am Dienstag in Essen 89,5 Prozent der Stimmen der knapp 1000 Delegierten. Das ist zumindest ein kleiner Dämpfer.

Wahl mit viel Zähneknirschen

Merkel bleibt CDU-Chefin

Wahl mit viel Zähneknirschen: Merkel bleibt CDU-Chefin

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EssenKanzlerin Angela Merkel hat bei ihrer Wiederwahl zur CDU-Vorsitzenden einen Dämpfer hinnehmen müssen. Beim Bundesparteitag am Dienstag in Essen stimmten 89,5 Prozent der Delegierten für sie, teilte die CDU mit. Das ist ihr schlechtestes Ergebnis als CDU-Vorsitzende während ihrer Kanzlerschaft und ihr zweitschlechtestes Resultat überhaupt. 2004 kam sie auf 88,4 Prozent.

Merkel sagte nach der Wahl: „Liebe Delegierte, ich nehme die Wahl an und freue mich über das Ergebnis. Herzlichen Dank für das Vertrauen.“

Die CDU wertet anders als andere Parteien die Enthaltungen bei der Abstimmung als ungültig. So fallen die Ergebnisse meistens etwas besser aus. Bezieht man die Enthaltungen mit ein, kommt Merkel diesmal auf 89,1 Prozent. Sie wurde zum neunten Mal zur CDU-Vorsitzenden gewählt.

Die wichtigsten Personen des CDU-Parteitags

Angela Merkel

Merkel will sich in Essen genau an dem Ort erneut zur Bundesvorsitzenden der CDU wählen lassen, wo sie das Amt vor 16 Jahren und acht Monaten erstmals übernommen hatte. Nie war der innerparteiliche Ärger so groß wie 2015 wegen der Flüchtlingskrise. Doch nun besteht kein Zweifel, dass die Delegierten die 62-Jährige wiederwählen werden, spannend ist nur, wie weit sie über die 90 Prozent hinauskommt.

Julia Klöckner

Weiblich, jung und erfolgreich: Dieses Gesicht der CDU soll die 43-jährige rheinland-pfälzische Landeschefin zeigen. Doch nach ihrer zweiten verlorenen Landtagswahl und einer Spendenaffäre in ihrem Landesverband hat das Image der Hoffnungsträgerin, das ihr in den letzten Jahren zuverlässig Stimmrekorde auf Parteitagen bescherte, Kratzer bekommen. Klöckner will in Essen erneut für ein Burka-Verbot werben – und als Parteivize bestätigt werden.

Armin Laschet

Der gebürtige Aachener dürfte in Essen Heimvorteil genießen - und auf den Rückenwind für die Landtagswahl im Mai hoffen. Als Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen soll der 55-Jährige die CDU im bevölkerungsreichsten Bundesland zurück an die Macht bringen. Deswegen dürfte ihm ein gutes Ergebnis bei der Wiederwahl zum Parteivize sicher sein.

Thomas Strobl

Der 56-Jährige hat eine politische Achterbahnfahrt hinter sich: Nach einer historischen Wahlpleite im März wurde Strobl Vize-Regierungschef einer grün-schwarzen Koalition. Mit Forderungen nach einer schärferen Abschiebepraxis konnte sich der Landesinnenminister vor dem Parteitag teilweise durchsetzen - bewerten können die Delegierten die Aktion bei Strobls Wiederwahl als Parteivize.

Thomas de Maizière

Der langjährige Getreue von Merkel soll ins Präsidium - die engste Parteiführung - aufrücken. Für den 62-jährigen Bundesinnenminister ist es eine Belohnung für seine Arbeit in der Flüchtlingskrise und bei der Terrorbekämpfung, für die CDU die Betonung ihres Profilthemas Innere Sicherheit. Die Personalie ist aber auch das Signal, dass der Dauer-Reservekanzler weiterhin für höchste Aufgaben in Frage kommt.

Monika Grütters

Auch die 54-jährige Staatsministerin für Kultur soll neu ins CDU-Präsidium aufrücken. Die eigentliche Aufgabe der geborenen Münsteranerin aber liegt künftig in Berlin: Sie soll den desolaten Landesverband nach der historischen Wahlpleite im September neu aufstellen

Jens Spahn

Auf dem Parteitag vor zwei Jahren wagte er - und gewann. Mit einer Kampfkandidatur eroberte sich der 36-Jährige, ebenfalls ein Münsterländer, einen Platz im Präsidium. Sechs Monate später folgte der Aufstieg zum Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. Der Mann mit der markanten Brille

Henning Otte

Der 48-Jährige Niedersachse soll der erste gewählte Mitgliederbeauftragte im Bundesvorstand der CDU werden. Auf diesem neu geschaffenen Posten soll er helfen, den Mitgliederschwund zu stoppen. Bislang war die Verteidigungspolitik Ottes Schwerpunkt: Künftig wird Otte nicht nur deutsche Soldaten in Mali oder Afghanistan, sondern auch die 440.000 CDU-Mitglieder zwischen Rügen und Bodensee betreuen.

Katharina Reiche

Die ehemalige Staatssekretärin hatte vor knapp zwei Jahren mit ihrem Wechsel in die Wirtschaft für Stirnrunzeln gesorgt. Kurz bevor die Regierung die Einführung von Zwangspausen in solchen Fällen beschloss, ging Reiche zum Unternehmerverband VKU. Auch als Lobbyistin will sie im Parteivorstand bleiben. Wie das den CDU-Mitgliedern gefällt, wird das Wahlergebnis zeigen.

Das Ergebnis ist vergleichsweise mager für die Kanzlerin vor dem Wahljahr 2017. Merkel steht seit fast 17 Jahren an der Spitze ihrer Partei und will sie zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin in den Bundestagswahlkampf führen.

Zuvor hatte die CDU-Vorsitzende ihre Partei auf einen harten Bundestagswahlkampf eingestimmt. „Ihr müsst mir helfen“, sagte die 62-Jährige zu den rund 1.000 Delegierten. „Die Bundestagswahl wird schwierig wie keine Wahl zuvor, zumindest seit der Einheit. Sie wird wahrlich kein Zuckerschlecken.“

In ihrer 77-minütigen Rede wurde Merkel erst in der letzten Viertelstunde kämpferisch und persönlich. Ihre Entscheidung, nochmals als Kanzlerkandidatin anzutreten, sei alles andere als trivial gewesen - „weder für das Land, noch für die Partei, noch für die Person“, sagte die Parteivorsitzende.

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer lobte am Rande des Parteitags, das Treffen in Essen sei eine „gute Startrampe“ für den gemeinsamen Bundestagswahlkampf. Merkel habe eine gute Rede mit „sehr viel Selbstkritik“ gehalten.

In der Aussprache nach Merkels Rede gab es teilweise heftige Kritik an der Vorsitzenden. Sie habe die CDU zu weit nach links gerückt und mit ihrer Flüchtlingspolitik die Alternative für Deutschland (AfD) erst möglich gemacht, erklärten mehrere Redner.

Es war Merkels erste Wahl bei einem Parteitag seit der Flüchtlingskrise 2015 und ihren umstrittenen Entscheidungen bei der Aufnahme von fast einer Million Menschen. Inzwischen hat die CDU ihre Asylpolitik massiv verschärft und will auf diesem Kurs bleiben.

Merkel auf dem CDU-Parteitag: Frei von Überraschungen

Merkel auf dem CDU-Parteitag

Frei von Überraschungen

In einer emotionalen Rede versichert Merkel, dass sie ihrem Land weiter dienen will. Doch was genau die Kanzlerin vor hat, bleibt offen. Will sie sich nicht von den Bürgern entfremden, muss Merkel liefern. Ein Kommentar.

Am Mittwoch sollen die Delegierten auf Vorschlag der Parteispitze beschließen, dass Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam noch strenger geregelt und Verstöße gegen Vorschriften bei der Aufnahme oder gegen Integrationsmaßnahmen schärfer geahndet werden.

Merkel erzielte ihr bisher bestes Resultat 2012 mit 97,9 Prozent - vor dem Wahljahr 2013, als die Union dann mit 41,5 Prozent Wahlsiegerin mit großem Abstand zur SPD wurde.

Von

dpa

Kommentare (27)

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Rainer von Horn

06.12.2016, 16:17 Uhr

Was, keine 90%?! Das ist der Anfang vom Ende von Honeckers Erbin.

Herr Percy Stuart

06.12.2016, 16:20 Uhr

2016 mit 89,5 % das zweitschlechtestes Ergebnis für Merkel nach 2004: 88,41 %

Verstehe diese Frau nicht, warum sie nochmal antritt.
In fast jeder Umfrage der Medien will die Mehrheit der Abstimmer nicht mehr, dass sie nochmals antritt.
Ebenso stimmen 10 % aus der eigenen Partei gegen sie.
Frau Merkel, bitte terten Sie zurück, erweisen Sie unserem Land bitte diesen einen letzten Dienst, 12 Jahre als Bundeskanzlerin sind lange genug, es reicht jetzt.
Wenn Sie nochmals wietere vier Jahre regieren, wird diese Gesellschaft endgültig dem Zerfall preisgegeben.

Herr Percy Stuart

06.12.2016, 16:21 Uhr

Frau Merkel, treten Sie zurück, Sie schaffen das!

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