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16.07.2015

16:24 Uhr

Oberbayern

Brandanschlag auf geplante Asylbewerberunterkunft

Regelmäßig kommt es in Deutschland zu heimtückischen Anschlägen auf Flüchtlingsheime – zuletzt im bayerischen Reichertshofen. Dort verhinderte die Feuerwehr einen großflächigen Brand. Die Unterkunft blieb unbeschädigt.

Das Feuer brachten die Rettungskräfte schnell unter Kontrolle. Während die eigentliche Unterkunft intakt blieb, wurde ein Nebengebäude durch den Anschlag völlig zerstört. dpa

Brand

Das Feuer brachten die Rettungskräfte schnell unter Kontrolle. Während die eigentliche Unterkunft intakt blieb, wurde ein Nebengebäude durch den Anschlag völlig zerstört.

ReichertshofenNur wenige Tage nach Schüssen auf ein Asylbewerberheim in Sachsen ist in Bayern ein Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft verübt worden. Durch das in der Nacht zum Donnerstag in einem ehemaligen Gasthauses in Reichertshofen gelegte Feuer wurde laut Polizei ein Nebengebäude zerstört. Die eigentliche Flüchtlingsunterkunft blieb demnach nahezu unbeschädigt. Die Flüchtlinge sollen wie geplant zum 1. September einziehen.

Laut dem Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, Hans-Peter Kammerer, entdeckten Nachbarn gegen 02.50 Uhr das Feuer in dem zum Landkreis Pfaffenhofen zählenden Ort und verständigten Feuerwehr und Polizei. Die Feuerwehr habe den Brand schnell unter Kontrolle bekommen, nur das zuletzt als Diskothek genutzte Nebengebäude sei völlig zerstört worden. Der Sachschaden betrage mindestens 150.000 Euro.

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Die Kriminalpolizei richtete eine Sonderkommission ein. Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung ein, ein rechtsextremer Hintergrund wird den Angaben zufolge nicht ausgeschlossen. Laut Kammerer stellten die Ermittler fest, dass an mindestens zwei Stellen das Feuer ausgebrochen sei, weshalb von einer vorsätzlichen Brandstiftung auszugehen sei. Eine Stelle sei in der ehemaligen Diskothek gewesen, die zweite Stelle an einem Hintereingang zu der geplanten Flüchtlingsunterkunft.

In Reichertshofen hatte es in der Vergangenheit Proteste wegen der Unterbringung der Flüchtlinge gegeben. Diese bezogen sich der Polizei zufolge aber auf die Zahl der Flüchtlinge, nicht auf die Unterbringung als solche. Nach den Protesten wurde die Zahl der für den kleinen Ort geplanten Asylbewerber auf 67 in etwa halbiert.

Reichertshofens Bürgermeister Michael Franken (Freie Wähler) sagte dem Bayerischen Rundfunk, es werde bei der geplanten Belegung der Unterkunft zum 1. September bleiben. "Ich denke, dass man sich auch solidarisiert mit den Flüchtlingen." In Reichertshofen gebe es bereits einen Helferkreis zur Betreuung der Flüchtlinge. Dieser wollte sich am Donnerstagabend planmäßig zu seiner nächsten Sitzung treffen - dort sollten nun auch Konsequenzen aus dem Anschlag besprochen werden.

Derweil gibt es nach dem Anschlag auf das Asylbewerberheim im sächsischen Böhlen noch keine Hinweise auf die Täter. Es werde wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt ermittelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Leipzig. Nach derzeitigen Erkenntnissen könne ausgeschlossen, dass die Schäden an dem Gebäude durch scharfe Schusswaffen wie Pistolen oder Gewehre verursacht worden seien. Am vergangenen Wochenende war die Asylunterkunft mehrfach beschossen worden. Verletzt wurde niemand.

In den vergangenen Monaten waren deutschlandweit vermehrt Asylbewerberunterkünfte Ziel von Anschlägen und Übergriffen geworden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) zeigte sich am Donnerstag besorgt. Der Anschlag in Reichertshofen reihe sich ein in die wachsende Zahl rassistischer Übergriffe, die dazu ausgerichtet seien, Menschen einzuschüchtern und die Unterbringung von Flüchtlingen mit Gewalt zu verhindern, erklärte ai-Generalsekretärin Selmin Caliskan. "Die Politik muss endlich für einen wirksamen Schutz der Flüchtlinge sorgen und darf diejenigen nicht allein lassen, die sich schützend vor Flüchtlinge stellen."

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afp

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