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20.11.2013

15:30 Uhr

Obergrenzen bei Kontoüberziehung

NRW-Minister will gegen Dispo-Abzocke vorgehen

VonDietmar Neuerer

ExklusivIm Wahlkampf tönte die SPD, sie wolle Schluss machen mit Wucherzinsen bei Dispokrediten. In den Koalitionsgesprächen mit der Union rückt sie davon offenbar wieder ab. Was Linke und Grüne empört.

Kontoauszug, auf dem der Zinssatz für die Konto-Überziehung zu sehen ist: Die Dispozinsen ist nach Meinung der Politik viel zu hoch. dpa

Kontoauszug, auf dem der Zinssatz für die Konto-Überziehung zu sehen ist: Die Dispozinsen ist nach Meinung der Politik viel zu hoch.

BerlinDer nordrhein-westfälische Verbraucherschutzminister, Johannes Remmel (Grüne), hält gesetzlich festgelegte Zins-Obergrenzen bei der Kontoüberziehung für unabdingbar. „Zinsunterschiede von mehr als zehn Prozent sind für mich nicht akzeptabel. Wenn der Markt nicht funktioniert, muss der Gesetzgeber klare Regeln schaffen“, sagte Remmel Handelsblatt Online. Nur eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen könne „Ausreißer nach oben“ wirksam unterbinden. „Gerade eine Branche, die in den letzten Jahren mit Milliarden an Steuermitteln gestützt werden musste, hat die Verpflichtung, Kostenvorteile durch niedrigere Zinsen auch an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterzugeben“, betonte Remmel.

Die Opposition im Bundestag fordert ebenfalls eine gesetzliche Deckelung der Dispozinsen. Vor dem Hintergrund, dass das Thema zwischen Union und SPD in den Koalitionsverhandlungen heftig umstritten ist, bot der Vize-Vorsitzende der Linksfraktion, Klaus Ernst, der SPD eine Zusammenarbeit an. „Die Banken zocken schamlos die Bürger ab“, sagte Ernst Handelsblatt Online. Die Institute bekämen Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB) fast umsonst und nähmen von den Kunden Wucherzinsen. „Das ist ein Missbrauch der Bankenmacht, dem ein verantwortungsvoller Staat nicht länger zuschauen kann.“

Tipps zum Dispo-Kredit

Überziehung

Konten, auf denen regelmäßig Geld eingeht, kann man meist überziehen - das ist der Dispositionskredit. Ein Dispozins wird fällig, wenn ein Kunde blank ist, sein Konto aber weiter belastet und ins Minus rutscht. Das Limit beträgt oft zwei oder drei Monatsgehälter.

Quelle: Finanztest, Stephanie Pallasch, Projektleiterin „Geldanlage, Altersvorsorge, Kredit und Steuern“

Zinsentwicklung

Der Zinssatz für Dispositionskredite liegt im Schnitt über zehn Prozent und hat sich in den letzten Jahren nicht so verändert wie die Zinssätze für Geldanlagen oder auch für Baufinanzierungen. Als Paradebeispiel nennt die Stiftung Warentest die Commerzbank. Während sich die Marktzinsen nach unten bewegt haben, habe sich die Höhe der Dispozinsen bei dieser Bank kaum verändert.

Beträge

Der Dispositionskredit sollte als teuerste Kreditform nur für kleine Beträge und kurzfristig in Anspruch genommen werden.

Schuldenstrategie

Längerfristiger Kreditbedarf sollte über einen Raten- oder Abrufkredit abgedeckt werden.

Verhandeln

Grundsätzlich kann ein Kunde versuchen, den Zinssatz mit der Bank zu verhandeln. Wenn das nicht gelingt, könnte er sich eine neue Bankverbindung zu suchen.

Wechseln

Wenn sich Verbraucher wegen der schlechten Kreditkonditionen auf dem Girokonto eine neue Bankverbindung suchen möchte, sollte er nicht nur die Konditionen für den Überziehungskredit beachten, sondern auch weitere Kosten: für das Konto selbst oder für die Bargeldversorgung.

Transparenz, wie von der Union vorgeschlagen, sei „weiße Salbe“, sagte Ernst weiter. „Da muss eine harte Lösung her.“ Die Banken sollten aus seiner Sicht maximal fünf Prozentpunkte über dem  Satz nehmen dürfen, zu dem sie von der EZB das Geld bekämen. Das wäre im Moment ein Höchstzins von 5,25 Prozent. „Auch hier fragt man sich, warum die SPD ausgerechnet mit der Union verhandelt“, sagte Ernst. „Hier würden wir sicher bald eine Einigung finden.“

Nach Informationen des Handelsblatts zeichnet sich bei den Verhandlungen zwischen Union und SPD ein Kompromiss ab, der die Banken zu mehr Transparenz verpflichtet. Sie sollen ihre Kunden künftig warnen, wenn die ihr Girokonto überziehen. Notfalls sollen die Banken günstigere Kreditangebote anbieten.

Diese Regeln sieht ein Passus für den Koalitionsvertrag vor, den die Arbeitsgruppe Finanzen unter Führung von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) an diesem Mittwoch beraten wollte. „Die Inanspruchnahme des Dispositionskredits soll nicht zu einer übermäßigen Belastung eines Bankkunden führen“, heißt es in dem Textvorschlag, der von der Union eingebracht wurde und bei dem die SPD Zustimmung signalisiert. „Daher sollen die Banken verpflichtet werden, beim Übertritt in den Dispositionskredit einen Warnhinweis zu geben; bei dauerhafter und erheblicher Inanspruchnahme sollen sie dem Kunden eine Beratung über mögliche kostengünstigere Alternativen zum Dispositionskredit anbieten müssen.“

Kommentare (5)

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RumpelstilzchenA

20.11.2013, 15:50 Uhr

Senkung der Zinsen, bedeutet, dass die Kunden noch größere Schulden machen werden. Leben wie die Regierung auf Pump. Die Zinsen können gar nicht hochgenug sein! Ein SPD-Populist, der sich bei der Bevölkerung anschmieren möchte. Einfach ein Chaot!!!

Account gelöscht!

20.11.2013, 15:53 Uhr

Ja so ist sie die SPD. Umfallen, umfallen und umfallen.

Steinweg

20.11.2013, 16:25 Uhr

Sollte nicht, vom Praesidenten gefordert, vor einigen Jahren jeder in den USA ohne uebermaessige Zinszahlungen ein Haus kaufen koennen ? Der staatliche Eingriff tat allen Beteiligten gut.

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