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28.10.2015

11:24 Uhr

Oberhausen

Flüchtlinge ziehen in eine Kirche

Not macht erfinderisch – und flexibel: Eine evangelische Gemeinde bietet der Stadt Oberhausen ein Gotteshaus als Obdach an. Schon bald sollen 50 Flüchtlinge in die Kirche einziehen. Bänke und Altar kommen vorher raus.

Eine Kirchengemeinde in Oberhausen stellt ihr Gotteshaus zur Verfügung. dpa

Flüchtlingshilfe

Eine Kirchengemeinde in Oberhausen stellt ihr Gotteshaus zur Verfügung.

OberhausenEin Gotteshaus als Obdach: Rund 50 Flüchtlinge können voraussichtlich nächste Woche in eine evangelische Kirche in Oberhausen einziehen. Die Kirchengemeinde habe dies der Stadt angeboten, berichtete Stadtsprecher Rainer Suhr am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht des WDR. „Das nehmen wir gerne an.“

In der Evangelischen Kirche im Rheinland ist es nach Angaben eines Sprechers das erste Mal, dass eine in normalem Gebrauch befindliche Kirche als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll.

Was Bürger für Flüchtlinge tun können

Wie erfahre ich, wo Hilfe benötigt wird?

Ein paar Telefonanrufe helfen in der Regel weiter: Die örtlichen Kirchengemeinden, das Rote Kreuz, Caritas oder Diakonisches Werk wissen normalerweise, wo es in der Nähe Flüchtlingsunterkünfte gibt und wer gerade Helfer sucht. Ansprechpartner auf der Verwaltungsebene ist meist das Ordnungsamt, da meist hier die Bereiche Asyl und Migration angesiedelt sind. In jedem Bundesland gibt es zudem einen Flüchtlingsrat, der Kontakte vermitteln und weiterhelfen kann.

Wie kann ich mich tatkräftig engagieren?

Neu ankommende Flüchtlinge sind auf zupackende Unterstützung angewiesen: Helfer können Flüchtlinge mit dem neuen Wohnumfeld vertraut machen, sie zu Behörden und zum Arzt begleiten, Deutschunterricht geben, Hausaufgabenbetreuung anbieten und Kontakte zu Sportvereinen und Freizeiteinrichtungen herstellen. Manche Flüchtlingseinrichtungen vermitteln "Patenschaften", um den Flüchtlingen feste Ansprechpartner für Alltagsfragen anzubieten. Sprachliche und berufliche Vorkenntnisse sind bei Helfern oft nicht so wichtig – was zählt, ist die Einsatzbereitschaft.

Werden Sachspenden benötigt?

Oftmals ja – wobei immer gilt: Zunächst direkt bei der Flüchtlingsunterkunft nachfragen, was gerade gebraucht wird. Nachfrage besteht oft nach Spielzeug, Kleidung, Hygiene- und Gesundheitsartikeln, Bustickets, Telefonkarten, Sanitäranlagen oder Möbeln. Auch Handwerkerleistungen sind gefragt.

Machen Geldspenden Sinn?

Viele Flüchtlingshilfe-Organisationen sind auf private Spenden angewiesen. Auf internationaler Ebene gibt es etwa das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, in Deutschland gibt es Vereinigungen wie Pro Asyl und auf kommunaler Ebene gibt es eine Vielzahl von Projekten. Die Spenden können steuerlich als Sonderausgaben abgesetzt werden, wenn die Empfänger als gemeinnützig anerkannt sind. Flüchtlingshelfer regen an, etwa bei Jubiläumsfeiern oder Geburtstagen auf das Beschenktwerden zu verzichten und Gäste um Spenden für Flüchtlinge zu bitten.

Kann ich Flüchtlinge bei mir daheim aufnehmen?

In manchen Bundesländern ist das bereits erlaubt, in anderen nicht. Ansprechpartner vor Ort ist in der Regel das Ordnungsamt, an das entsprechende Angebote für Privatunterkünfte zu richten sind. Hilfe bei der Vermittlung leistet die private Internetseite www.fluechtlinge-willkommen.de. Flüchtlingshelfer berichten, dass die Behörden nicht immer auf solche Angebote reagieren - möglicherweise aus Überlastung oder aus logistischen Gründen, weil es für die Verwaltung einfacher ist, Flüchtlinge zentral an einem Ort unterzubringen. In solchen Fällen raten Flüchtlingshelfer: Nicht aufgeben, immer wieder nachfragen.

Wie kann ich Verständnis für Flüchtlinge wecken?

Der Schulunterricht ist ein guter Ort, auf die gegenwärtige Lage einzugehen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bietet umfassendes deutschsprachiges Unterrichtsmaterial und vermittelt Schulbesuche von Flüchtlingen. Ganz allgemein raten Flüchtlingshelfer: Treten Sie beherzt ein gegen fremdenfeindliche Sprüche in ihrer Umgebung, suchen Sie Kontakt mit Flüchtlingen.

Bevor die Flüchtlinge einziehen können, muss etwa noch die Bestuhlung weggeräumt werden. Auch Altar, Kanzel und Taufbecken seien beweglich, sagte der Superintendent des Kirchenkreises Oberhausen, Pfarrer Joachim Deterding. In der Kirche sollen Tischgruppen aufgestellt werden, damit sich die Menschen selbst Frühstück und Abendessen zubereiten könnten. Das Mittagessen werde angeliefert.

Die Sanitäreinrichtungen mit Waschmaschinen sollen in Containern an der Kirche Platz finden. Auch in der Betreuung der Flüchtlinge wolle sich die Kirchengemeinde engagieren.

Von

dpa

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