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13.06.2017

11:19 Uhr

OECD-Daten

Arbeitnehmer fürchten die Globalisierung

VonDonata Riedel

Die Globalisierung hat Jobs der Mittelschicht vernichtet. Daten der OECD zeigen, dass neue Jobs meist besonders niedrig oder besonders hoch bezahlt – und gerade in Deutschland mit viel Stress verbunden sind.

Die Lohnschere öffnet sich. picture-alliance/ dpa

Arbeit in Deutschland

Die Lohnschere öffnet sich.

BerlinAuf den ersten Blick erscheint die Lage paradox: 2016 stieg in fast allen Industriestaaten Zahl der Arbeitsplätze, die Arbeitslosigkeit ging deutlich zurück. Gleichzeitig war 2016 das Jahr starker populistischer Bewegungen von rechts und links. Viele Bürger bezweifeln, dass demokratische Politiker tatsächlich ihre Interessen vertreten. Ein Vorwurf: Die Globalisierung nutzt Großkonzernen und wenigen Gutverdienern, während durchschnittlich bezahlte Arbeitsplätze wegfallen, weil sie zum Beispiel nach China verlegt werden.

Diese Wahrnehmung, sagt jetzt erstmals die Industrieländer-Organisation OECD, ist zumindest teilweise berechtigt. „Viele Sorgen, die der Gegenbewegung zur Globalisierung zugrunde liegen, sind real“, schreiben die OECD-Ökonomen in ihrem „Beschäftigungsausblick 2017“ über die Arbeitsmärkte der 34 Industriestaaten. Den Bericht stellen OECD-Chef Angel Gurria und  Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) an diesem Dienstag in Berlin vor. In fast allen OECD-Staaten schwanden demnach zwischen 1995 und 2015 Jobs der Mitte, während im Niedriglohnsektor, aber auch im Hochlohnsektor, neue Arbeitsplätze entstanden.

In Deutschland – und auch in den USA – war dieser Trend schwächer ausgeprägt als im Schnitt der Industriestaaten: Der Anteil von Jobs mit mittlerer Qualifikation an allen Arbeitsplätzen ging um acht Prozentpunkte  zurück. Der Anteil der Niedriglohnjobs stieg um drei Prozentpunkte, der Anteil der Stellen für Hochqualifizierte sogar um knapp fünf Prozentpunkte. Am heftigsten war der Effekt in Österreich, in dem der Anteil der Mitte-Jobs um 17 Prozentpunkte zurückging – allerdings vor allem zugunsten hochqualifizierter Jobs, die ihren Anteil um 13 Prozentpunkte verbesserten. Der Niedriglohnsektor-Anteil legte nur in Griechenland um mehr als fünf Prozentpunkte zu.

Zur Globalisierungsangst vieler Menschen beitragen dürfte die Tatsache, dass Menschen mit niedriger und mittlerer Qualifikation beim Verlust ihres Arbeitsplatzes wesentlich schlechtere Chancen auf Weiterbildung haben als Hochqualifizierte. Die OECD vermutet, dass neben der Globalisierung auch der technische Fortschritt, vor allem die Digitalisierung, dazu geführt hat, dass sich die Schere zwischen guten und schlechten Jobs öffnet.

Welcher der beiden Effekte stärker war, können die Ökonomen nicht sagen, sie empfehlen aber:  „Arbeitskräfte, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des wirtschaftlichen Wandels verlieren, müssen effektiver unterstützt werden, sich weg von absteigenden Sektoren hin zu Sektoren zu orientieren, in denen neue Arbeitsplätze entstehen.“ Digitale Grundbildung für Erwachsene etwa sei dringend geboten.

Kommentare (36)

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Herr Hans-Jörg Griesinger

13.06.2017, 11:47 Uhr

Damit es einmal ein bißchen anschaulicher wird, was ein Mindestlohn für einen Vollzeitbeschäftigten tatsächlich bedeutet hier eine Beispielberechnung, Single, ledig, Steuerklasse 1.

Gesetzlicher Mindestlohn 8,84 € Brutto die Stunde.
Mal eine Netto-Monatsabrechnung für einen Single, Stkl. 1:

40 x 4 = 160 Std. im Monat / Vollzeitarbeitsplatz = 1414,40 EUR brutto Monatsgehalt
Nettoauszahlung/Monat: 1052,96

Gesamt-Jahres-Brutto: 16972,80 EUR
Gesamt Jahres-Netto: 12635,62 EUR

Wielange es für einen Beschäftigten dann dauert, um irgendwann auf ein Nettogehalt von 1500 EUR zu kommen, kann sich jeder denken.
Viele aktulle Mindestlohnbezieher/innen haben zudem einen erfolgreich abgeschlossenen Schul- und Berufsabschluß, der aber in der Leiharbeit nichts wert ist. Arbeit wurde seit Jahren massiv entwertet, während der Steuerhinterziehung der Bonzen weiterhin Tür und Tor geöffnet ist.
Scheiss System, bald werden sich die Menschen wehren!

Dazu passt dann auch:
https://www.merkur.de/politik/satte-diaeten-erhoehung-fuer-bundestags-abgeordnete-ab-juli-zr-7382573.html




Herr Hans-Jörg Griesinger

13.06.2017, 11:56 Uhr

Was unsere Volksvertreter im Monat an Diät vom Steuerzahler (auch dem Niedriglöhner) abkassieren, dafür muß ein Mindestlohnbezieher 1 Jahr lang arbeiten gehen und kommt trotzdem zu nichts, weil die teuren Lebenshaltungskosten alles aufzehren, was erarbeitet wurde.
Als Arbeiter arm und im Alter arm, das zukünftige Schicksal von Millionen von Menschen der Mittel- und Unterschicht.
Nur werden sich in einigen Jahren die Menschen, die um ihr einmaliges Leben, ihre Lebenszeit und ihre Altersrente betrogen wurden gegen das System und deren Systemprofiteure auflehnen.
Es wird einen Aufstand der Jungen und der Babyboomer geben, dazu kommen noch die Multikultivertreter aus aller Herren Länder, die ebenfalls nichts zu verlieren haben.
Schäuble. Merkel und Co. liegen da bereits unter der Erde.


Herr Holger Narrog

13.06.2017, 12:01 Uhr

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