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07.06.2017

11:29 Uhr

OECD-Prognose für Deutschland

Starkes Wachstum, doch die Löhne steigen kaum

VonNorbert Häring

Die OECD sagt voraus: Deutschlands Wirtschaft wird in diesem Jahr und 2018 kräftig wachsen – dank steigender Exporte. Allerdings machen die Löhne keine großen Sprünge. Der private Konsum kommt daher nicht in Schwung.

Die OECD rechnet trotz anhaltender Risiken auch für die Jahre 2016 und 2017 mit einem stabilen Wirtschaftswachstum in Deutschland. dpa

Kräne im Hamburger Hafen

Die OECD rechnet trotz anhaltender Risiken auch für die Jahre 2016 und 2017 mit einem stabilen Wirtschaftswachstum in Deutschland.

FrankfurtDie Industrieländerorganisation OECD hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland noch einmal angehoben. In ihrem halbjährlichen Wirtschaftsausblick sagt sie für 2017 und 2018 jeweils zwei Prozent Wachstum voraus, nach 1,7 Prozent im letzten Jahr. Im Herbst hatte die OECD  jeweils nur 1,7 Prozent vorausgesagt.

Grund für die Aufwärtsrevision ist vor allem ein größerer Optimismus für das Exportgeschäft, dem mit über vier Prozent 2017 ein deutlich stärkeres starkes Wachstum zugetraut wird als 2016. Auch die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen sollen mit 2,5 Prozent deutlich stärker wachsen als im Herbst angenommen. Dagegen hat die Industrieländerorganisation ihre Erwartungen für den privaten Verbrauch deutlich auf plus 1,3 Prozent in diesem und 1,4 Prozent im nächsten Jahr zurückgenommen.

Damit bleibt nach der Prognose der OECD das deutsche Wachstum weiterhin vor allem exportgetrieben, ein Umstand, der im Verhältnis zur Trump-Regierung in den USA bereits für beträchtliche Spannungen gesorgt hat. Deutschland hatte 2016 einen Leistungsbilanzüberschuss von 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Dieser Überschuss von Exporten und Kapitaleinkünften über Importe und ans Ausland gezahlte Kapitalvergütungen ist Donald Trump ein Dorn im Auge, denn die USA haben demgegenüber ein hohes Defizit. Trump sieht das als Folge unfairer Konkurrenz und hat Gegenmaßnahmen angedroht.

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Seit Jahren führt Deutschland mehr Waren aus als ein – und wird dafür heftig kritisiert, allen voran von US-Präsident Trump. Anders als Schäuble behauptet sind die Ursachen dafür auch politischer Natur. Eine Analyse.

Die OECD bemüht sich in ihrer Analyse erkennbar, kein zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen. In einem Sonderkapitel zur Globalisierung betonen die OECD-Ökonomen deren Vorteile und warnen, erkennbar an die US-Regierung gerichtet, dass protektionistische Maßnahmen wahrscheinlich nur zu Vergeltungsmaßnahmen führen würden und Handelsbilanzdefizite sich dadurch nicht abbauen lassen. Stattdessen würde lediglich das Wirtschaftswachstum überall leiden.

Nicht nur auf Deutschland bezogen beklagt die OECD, dass die Löhne im Verhältnis zur Produktivität zu langsam stiegen, mit ungünstigen Konsequenzen für die Wirtschaftsentwicklung und die Einkommensverteilung. „Produktivität und Reallöhne entwickeln sich auseinander, sodass sich zwar die Arbeitsmarktaussichten verbessern, aber die Grundlagen für robusten Konsum und breit verteilte Wohlstandsgewinne weniger offensichtlich sind“, schreiben die OECD-Ökonomen.

Für Deutschland ist das besonders ausgeprägt. Hier diagnostizieren sie eine Arbeitslosenquote auf oder unter dem nachhaltig durchhaltbaren Niveau und erwarten trotzdem nur eine minimale Beschleunigung des Lohnwachstums auf zweieinhalb Prozent. In Deutschland und den Niederlanden würde die Förderung der privaten Investitionen und die Lockerung der finanzpolitischen Zügel dazu beitragen, den hohen Leistungsbilanzüberschuss zu senken, mahnt die OECD vorsichtig.

Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands

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Der wichtigste Handelspartner

Tatsächlich sind die USA unter den Einzelstaaten der wichtigste Handelspartner. 2015 wurden nach endgültigen Ergebnissen Waren im Wert von rund 174 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gehandelt (Exporte und Importe). Insgesamt gingen knapp 10 Prozent der deutschen Exporte in die USA. Von dort kamen 7 Prozent der deutschen Importe.

Die Nachbarstaaten

Lange Zeit war Frankreich für Deutschland das wichtigste Land bei der Ein- und Ausfuhr von Waren. 2014 wurde Frankreich jedoch von den USA überholt. Dazu trugen der schwächere Euro, aber auch das vergleichsweise stärkere Wirtschaftswachstum in den USA bei. Drittwichtigster Handelspartner für Deutschland sind die Niederlande, die mit ihren Häfen ein wichtiger Umschlagplatz für den Welthandel sind.

Die Euro-Zone

Als Staatenverbund ist die EU der größte Handelspartner Deutschlands. Von den deutschen Exporten gehen 58 Prozent in die übrigen Länder der EU. In die Länder der Euro-Zone gehen 36 Prozent der Ausfuhren.

Der Kontinent Nr. eins

Wichtigster Kontinent außerhalb Europas für den Handel ist Asien, noch vor Amerika. Allein nach China gehen rund sechs Prozent der Exporte. Insgesamt belegt China als Handelspartner den vierten Platz. Bei den Importen liegt das Land für Deutschland sogar auf Platz eins. Fast zehn Prozent der Einfuhren kommen von dort.

Die Mini-Partner

Nach Afrika gehen lediglich zwei Prozent der deutschen Exporte und nach Australien und Ozeanien weniger als ein Prozent.

Quelle: dpa / alle Werte für 2015

In die positive Beurteilung der Wirtschaftsentwicklung in den Industrieländern mischt sich eine gehörige Portion Sorge wegen der starken Abhängigkeit von einer ultralockeren Geldpolitik, die sich in der Form nicht auf Dauer fortsetzen lasse. Vertrauensindikatoren, Industrieproduktion, Beschäftigung und internationaler Handel hätten sich in den meisten Volkswirtschaften gebessert, aber „diese noch moderate Konjunkturbelebung ist noch nicht robust genug, um dauerhaftes Wachstum des Produktionspotenzials und eine Verminderung der hartnäckigen Ungleichheiten hervorzubringen“, klagt die OECD und warnt davor, dass „finanzielle Anfälligkeiten“, die mit der extrem lockeren Geldpolitik zusammenhängen, die Erholung stoppen könnten.

„Die Aktienkurse haben in den USA und Deutschland historische Höchststände erreicht, obwohl Wachstum und Inflation kaum angezogen haben“, urteilen die Ökonomen und fügen hinzu, dass ein Drittel der ausstehenden Anleihen von OECD-Ländern negative Renditen abwürfen. „Scharfe Korrekturen bei verschiedenen Vermögenswerten würden die Wirtschaftsaktivität über Vermögenseffekte und verschlechterte Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Banken belasten“, heißt es in dem Bericht.

Auch Immobilien seien in einigen, vor allem angelsächsischen Ländern bereits wieder überbewertet. Deutschland wird in diesem Zusammenhang allerdings trotz der starken Preissteigerungen der letzten Jahre nicht genannt.

Kommentare (2)

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07.06.2017, 11:43 Uhr

Starkes Wachstum?

Die reale Inflation liegt seit Jahren über die "starken Wachstumsraten".

D.h. der ärmere Teil der Gesellschaft finanziert die Eliten

Die Ärmsten haben nichts mehr, nun muss die Mittelschicht dran glauben und danach mit reichlich Propaganda gibt's einen sinnlosen Krieg, um die die nichts mehr haben loszuwerden. Dann muss man nämlich nichts mehr nach unten umverteilen und die Gesellschaft wird für die überlebenden 30% einigermaßen fair sein. Ein neuer Zyklus startet...

Herr Peter Spiegel

07.06.2017, 14:58 Uhr

Bei den hohen Renten, braucht man doch keine Lohnsteigerungen, außerdem essen und trinken die Leute zuviel, so daß sie unter Fettsucht leiden.

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