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08.12.2011

12:09 Uhr

OECD-Studie schlägt Wellen

Ruf nach Konsequenzen für reformunfähige Griechen

VonDietmar Neuerer

ExklusivEin „vernichtendes Urteil“: Der Bund der Steuerzahler bringt die OECD-Studie zur Reformbereitschaft der Griechen auf den Punkt – und fordert Konsequenzen. Auch in der FDP macht sich Unmut breit.

Blick auf die Akropolis in Athen. dapd

Blick auf die Akropolis in Athen.

DüsseldorfDer Bund der Steuerzahler hat die Einschätzung der OECD, wonach Griechenland zu Reformen nicht in der Lage ist, als vernichtendes Urteil für das Land bezeichnet. Als Konsequenz aus der Studie brachte Verbandspräsident Karl Heinz Däke erneut einen Ausschluss Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion ins Gespräch. „Wer nicht einmal in der Lage ist, sich selbst vernünftig zu organisieren, von dem kann nicht erwartet werden, dass er die Milliardenhilfen der Euro-Partner sinnvoll einsetzt“, sagte Däke Handelsblatt Online. Ohne tragfähige Staatstrukturen bleibe Griechenland „ein Fass ohne Boden“.

Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Recht anmahne, seien radikale Reformen nötig, sagte Däke weiter. Dazu gehöre nicht nur, die Umschuldungsverhandlungen mit den privaten Gläubigern zu forcieren. „Ebenso steht ein Austritt aus der Euro-Zone weiterhin zur Debatte“, sagte der Chef des Steuerzahlerbunds.

Planspiel: Euro-Zone ohne Griechenland

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands aus dem Euro?

Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.

Welche Folgen würden sich für Griechenland ergeben?

Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.

Was würde sich am Schuldenstand Athens ändern?

Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.

Ist ein Austritt Griechenlands im Interesse anderer Euro-Länder?

Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.

Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler führt die ungenügende Reformbereitschaft der Griechen auf die vorschnell zugesagten internationalen Finanzhilfen zurück. „Ich fürchte, mit unserem Eingreifen zerstören wir die Grundlage dafür, dass die Griechen Eigenverantwortung für ihre Lage übernehmen wollen“, sagte das FDP-Bundesvorstandsmitglied Handelsblatt Online. Reformbereitschaft komme nämlich, so Schäffler, anders als die OECD denke nicht aus dem Regierungsapparat, sondern aus Überzeugungen. „Sie kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss als mehrheitlicher Wunsch bestehen.“ Reformen müssten von unten geäußert und gefordert werden. Schäfflers Fazit: „Wir sollten die Griechen nicht fremdbestimmen wollen, denn so erreichen wir das Gegenteil von Reformbereitschaft.“

Hintergrund ist eine OECD-Studie, die dem pleitebedrohten Griechenland Reformunfähigkeit attestiert. „Griechenlands zentraler Regierungsapparat hat bisher weder die Kapazität noch die Fähigkeit zu großen Reformen“, sagte Caroline Varley, Leiterin der Abteilung für Regierungsbeurteilung der OECD, der „Welt“.

Kommentare (16)

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NeueWeltordnung

08.12.2011, 12:14 Uhr

oje
oje

jetzt wird mir auch langsam klar, warum alle arbeitswilligen Griechen gerade ihr Land verlassen.

Es wird wohl in einem finanziellem Blutbad enden.

Oje, dabei weißt jeder, dass GR nur der Prototyp der neuen Weltordnung ist. Als Intaliener würde ich mich langsam schon mal nach einer neuen Heimat umsehen.

Account gelöscht!

08.12.2011, 12:24 Uhr

Oh, oh.

Kein Wort mehr von Steuern für Reiche, Steuern auf Besitz. Jetzt werden die arbeitenden Menschen in Griechenland zu Sklaven gemacht.

Die Blaupause für das restliche Europa.

Die Zukunft für uns alle - wenn wir uns nicht wehren und weiter verblöden lassen. Die Schuld haben nicht die Griechen, sondern einzig und allein ie Banken und vermögenden.

Account gelöscht!

08.12.2011, 12:29 Uhr

@ OECD bemängelt in GR die...usw, Steuerzahlerbund .. vernichtendes Urtei..usw,usw.
Warum nur in GR? Wenn Schröder, Eichel, Fischer und die Brüsseler und Strassburger Europa-Elite dies 1998-2002 alles so viel besser gekonnt hätten, wäre GR in 2002
logischerweise gar nicht aufgenommen worden.
Es ist halt viel einfacher, mit dem Geld der Steuerzahler vermeintlich Gutes zu tun, statt harte Fakten zu beurteilen, mit möglicherweise nicht ganz so netten und lieblichen Konsequenzen.

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