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11.09.2012

11:39 Uhr

OECD-Vergleich

Aufstieg durch Bildung bleibt schwer

Die gute Nachricht: Junge Menschen haben in Deutschland bessere Chancen, einen Job zu bekommen als anderswo. Die schlechte Botschaft: In Nachbarstaaten ist es einfacher, durch Bildung den sozialen Aufstieg zu schaffen.

In Deutschland gibt es mehr Studenten und Jung-Akademiker. dpa

In Deutschland gibt es mehr Studenten und Jung-Akademiker.

BerlinEin sozialer Aufstieg mit besserer Bildung ist in Deutschland nach wie vor schwer. Laut dem jüngsten OECD-Bildungsbericht erreichen 22 Prozent der jungen Menschen in der Bundesrepublik nicht das Bildungsniveau ihrer Eltern. Nur 20 Prozent der Jüngeren schaffen einen höheren Bildungsabschluss, als ihn Vater oder Mutter besitzen. Im Schnitt der anderen wichtigen Industrienationen sind dies dagegen 37 Prozent. Bei den Vergleichskandidaten fallen auch nur 13 Prozent unter das Bildungsniveau ihrer Eltern zurück.

Besonders Großbritannien, Frankreich, aber auch Italien und Polen verzeichnen im weltweiten Vergleich hohe „Bildungs-Aufsteigerraten“. Beim Gesamt-Bildungsniveau wird Deutschland aus Sicht der Autoren gegenüber anderen Industriestaaten in den nächsten Jahren weiter zurückfallen. Der jährliche Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt.

Während der Süden Europas - vor allem Spanien - derzeit eine hohe Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet, ist in Deutschland die Ausbildungs- und Beschäftigungssituation für Jüngere in den Krisenjahren weitgehend stabil geblieben. Der Anteil unter den 15- bis 29-Jährigen, die in der Bundesrepublik ihre Schule bereits verlassen haben und sich weder in Beschäftigung noch in einer Weiterbildungsmaßnahme befinden, liegt mit 12 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 15,8 Prozent. Die absolute Zahl dieser sogenannten jungen Bildungsverlierer zwischen 15 und 29 beläuft sich in Deutschland auf knapp 1,7 Millionen.

Bei der Steigerung der Studentenzahl bescheinigt die OECD Deutschland „moderate Fortschritte“. So würden nach jüngsten Schätzungen voraussichtlich 42 Prozent aller jungen Menschen im Verlauf ihres Lebens ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule aufnehmen. 1995 waren dies erst 26 Prozent. Die Zahl der erfolgreichen Hochschulabsolventen stieg in Deutschland im gleichen Zeitraum von 14 auf 30 Prozent eines Altersjahrganges.

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Kommentare (27)

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BBS_Lehrer

11.09.2012, 12:08 Uhr

Studienberechtigung und Studierneigung:
So einfach machen es sich viele Bildungspolitiker:

Man baute den Erwerb von Hochschulzugangsberechtigungen an beruflichen Gymnasien und Fachoberschulen aus. Das war relativ preiswert, beruhigte die ahnungslosen Journalisten und diente als bequemes Abwehrargument gegen Kritiker des sozial selektiven Hochschulzuganges. Gleichwohl stellte sich kein Erfolg ein, da die steigende Zahl von Hochschulzugangsberechtigungen nicht zu einer wachsenden Studierneigung von Kindern aus Nichtakademikerhaushalten führte.

Als Lehrer an einer beruflichen Schule sind mir die Gründe hierfür aus zahlreichen Gesprächen mit begabten Schülern aus solchen Herkunftsfamilien klar geworden. Am häufigsten werden finanzielle Risiken und die längere finanzielle Abhängigkeit von den Eltern als Argumente gegen ein Studium herangezogen.

Es fehlt an den beiden wichtigen „Gelenkstellen“ beim Übergang zur Oberstufe und zum Studium an elternunabhängiger finanzieller Förderung für begabte Schüler aus Nichtakademikerhaushalten. Diese Förderung müsste weitgehend in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen, nicht Krediten erfolgen. Nur so können diese Schüler zur – aus ihrer Sicht finanziell riskanten – „Investition Studium“ bewogen werden. Das mögen aus Akademikerdynastien stammende Zeitgenossen nicht gerne hören, entspricht aber der Realität. Die vorgeschlagene Lösung ist teuer. Jedoch ist die derzeitige Situation beim Hochschulzugang von Schülern aus Nichtakademikerhaushalten weder sozial gerecht noch leistungsgerecht.

Tabu

11.09.2012, 12:57 Uhr

Die absolute Zahl dieser sogenannten jungen Bildungsverlierer zwischen 15 und 29 beläuft sich in Deutschland auf knapp 1,7 Millionen.

Goethe hat es mal so beschrieben:
Was in einem nicht drin steckt,kann man auch nicht
rausholen..
Aber weg von der Goethe Zeit..
Nur 20 Prozent der Jüngeren schaffen einen höheren Bildungsabschluss, als ihn Vater oder Mutter besitzen.
Die veränderte Freizeitbeschäftigung sich mit stundenlangen Games zu zudröhnen,oder bei Facebook
1000 virtuelle Freunde sein eigen nennt,ist wohl auch
ein maßgeblicher Faktor.

Professor

11.09.2012, 13:09 Uhr

Bei diesen internationalen Vergleichen drängt sich mir immer eine Frage auf: Ist es wichtiger, dass wir nach OECD-Kriterien und Kennzahlen eine Spitzenposition einnehmen, oder dass wir eine vergleichsweise geringe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen und eine recht erfolgreiche Industrie haben? Und ergänzend: Wenn letzteres stimmt, was sagt uns das über die OECD-Kennzahlen?

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