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23.05.2013

17:29 Uhr

Öffentliche Investitionen

Wo Deutschland baufällig ist

VonJan Mallien

Mitten in Boomtown Berlin, aber auch überall sonst in Deutschland, verrotten Straßen, Brücken, Schulen. Seit zehn Jahren gleicht der Staat nicht einmal den Wertverlust durch Investitionen aus. Das hat gravierende Folgen.

An Schlaglöcher und morsche Schulen müssen sich die Deutschen gewöhnen. dpa

An Schlaglöcher und morsche Schulen müssen sich die Deutschen gewöhnen.

Die Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) sind gewaltig. Auf 41 Billionen Euro schätzt sie den weltweiten Investitionsbedarf in Straßen, Schienen, Schulen und andere Infrastrukturprojekte bis zum Jahr 2030. Das ist dreimal so viel wie die Wirtschaftsleistung der gesamten EU - und notwendig, um den rasch wachsenden Verkehr auf Straße, Schiene und in der Luft bewältigen zu können. Wenn die Industriestaaten glauben, dafür bereits gewappnet zu sein, liegen sie schief, warnt der Generalsekretär des Weltverkehrsforums, José Viegas, jetzt in Leipzig. Auch hochentwickelte Länder wie Deutschland müssten riesige Investitionen tätigen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Statt in den Ausbau der Infrastruktur zu investieren, lässt Deutschland seine Straßen, Schienen und auch Schulen zusehends verfallen. Die Daten des Statistisches Bundesamtes zeigen: In den letzten zehn Jahren waren die Abschreibungen auf öffentliche Infrastruktur größer als die Investitionen. Das bedeutet, dass der Wert der bestehenden Straßen, Schulen und Schienen Jahr für Jahr schrumpft. Sie verschwinden nicht, werden aber immer baufälliger, zum Teil unbenutzbar. Seit 2003 summiert sich der Bestandsverlust auf zusammengenommen 33,6 Milliarden Euro. Allein 2012 betrug er 6,4 Milliarden Euro - ein Negativrekord.

Ökonomen warnen, dass Deutschland wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten könnte. „Deutschland steckt in einer Investitionsmisere,“ sagt Sylvain Broyer, Chefvolkswirt der französischen Investmentbank Natixis in Frankfurt. „Bei den öffentlichen Investitionen liegt es weit unter dem EU-Durchschnitt“.

Tatsächlich lag 2011 der Anteil der öffentlichen Investitionen in Deutschland bei 1,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Im EU-Durchschnitt waren es 2,5 Prozent - in Frankreich sogar drei Prozent. 1992 gab der deutsche Staat noch 2,7 Prozent der Wirtschaftsleistung für Infrastruktur aus. Damals sorgten vor allem Investitionen in Ostdeutschland für das vergleichsweise hohe Niveau.

Infrastruktur-Ranking Weltwirtschaftsforum 2012

1.Platz

In der Gesamtwertung liegt die Schweiz auf dem ersten Platz. Zu verdanken hat sie das vor allem dem hervorragenden Schienennetz (1. Platz). Bei der Qualität der Straßen liegen die Eidgenossen auf Platz 6 und bei den Flughäfen sind sie fünfter.

2. Platz

Auch in Singapur ist die Infrastruktur Top. Besonders gut schneidet es bei den Flughäfen und Seehäfen ab (1. und 2. Platz). Nicht ganz so gut ausgebaut ist das Schienennetz (5.Platz)

3. Platz

Auf Platz 3 folgen die Finnen. Sie liegen beim Schienennetz auf Platz 6, bei den Straßen auf Platz 9 und bei den Seehäfen auf Platz 7. Bei der Qualität der Flughäfen landen sie auf Platz 11.

4. Platz

Hong Kong folgt auf Platz 4. Sie liegen bei den Flughäfen auf Platz 2 und bei Straßen und Seehäfen jeweils auf Platz 3. Etwas schlechter ausgebaut sind die Straßen (Platz 8)

5. Platz

Frankreich liegt auf Platz 5. Laut Weltwirtschaftsforum hat es die besten Straßen der Welt. Auch das Schienennetz ist gut ausgebaut (Platz 5). Nachholbedarf gibt es bei de4n Flughäfen (10.Platz) und vor allem bei den Seehäfen (Platz 26).

9. Platz Deutschland

Deutschland gehört zur Spitzengruppe und landete auf Platz 9. Es gibt keine großen Ausreißer in den einzelnen Rubriken. Bei den Straßen liegt es auf Platz 10, bei den Seehäfen auf Platz 9 und bei Schienennetz und Seehäfen jeweils auf Platz 7.

Inzwischen droht Deutschland bei einem wichtigen Standortfaktor zurückzufallen. Im Wettbewerbsranking des Weltwirtschaftsforums lag es 2012 in der Rubrik Infrastruktur noch auf dem neunten Platz. Die Schweiz war auf Platz eins, Frankreich fünfter.

Aus Sicht von Broyer sind in Deutschland zusätzliche öffentliche Investitionen von 30 Milliarden Euro jährlich nötig, um mit anderen Ländern Schritt zu halten. Er geht davon aus, dass höhere Investitionen für Infrastruktur einen kräftigen Wachstumsschub auslösen könnten.

In einer Studie hat Broyer gemeinsam mit seinem Fachkollegen Johannes Garreis berechnet, wie sich Investitionen in Infrastruktur auf das Wachstum in den vier größten Euro-Ländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien auswirken würden. Das Ergebnis: Pro investiertem Euro, der in die Transportinfrastruktur fließt, steigt das Wachstum im Schnitt um 14 Euro. Broyer erklärt das so: Investitionen in die Infrastruktur hätten zwei wesentliche Wachstumseffekte. Sie würden einerseits die Nachfrage erhöhen und andererseits die Produktivität.

Kommentare (67)

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Spine

23.05.2013, 17:37 Uhr

Hauptsache der DAX steht bei 8500 und die deutsche Regierung rettet ein Land in Europa´s Süden nach dem anderen. Passt schon. Danke für nichts.

Bertram

23.05.2013, 17:38 Uhr

Deutschland soll zerstört werden. Das ist der Auftrag "unserer" korrupten Politiker seit vielen Jahren.
Und es wird auch gelingen !!!!
Weil die Menschen in ihrer Trägheit und Dummheit dahinvegetieren wie das Karnickel vor der Schlange.....

Account gelöscht!

23.05.2013, 17:41 Uhr

Aber Herr Mallien, man kann nicht alles haben: Den Euro UND ein prosperierendes Deutschland!

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