Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.04.2012

11:20 Uhr

Öffentlicher Brandbrief

Aufstand der Nachwuchs-Piraten

Ihr Umfrage-Höhenflug bringt die Piratenpartei in die Bredouille. Sie muss nicht nur inhaltlich für Klarheit sorgen, sondern auch mit parteiinternen Streitigkeiten kämpfen. Junge Querschläger mischen die Piraten auf.

Anhänger der Piratenpartei. dpa

Anhänger der Piratenpartei.

Düsseldorf, BerlinEin Brandbrief der Jungen Piraten hat für weiteren Ärger in der ohnehin zerstrittenen Partei gesorgt. „Wir betrachten seit geraumer Zeit Verhältnisse innerhalb der Piratenpartei mit großer Sorge und zunehmendem Ärger“, heißt es in dem Schreiben, dass die Jugendorganisation am Freitag auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Darin empört sich der Parteinachwuchs über sexistische und rassistische Äußerungen einzelner Mitglieder - und den unpassenden Umgang damit. „Derartige Aussagen werden oft als Einzelmeinungen abgetan - gerade in einer Partei, die sich ihrer starken Basis rühmt, darf das keine Rechtfertigung sein.“

Auf Twitter erhält der Brief weitestgehend Zustimmung. „Die JuPis sprechen die Probleme an, die viele Piraten gern unter den Tisch kehren“, schreibt Senficon. Benjamin Stöcker schreibt: „Ich nehme an Parteiinternas ja realtiv wenig Teil, aber irgendwie spricht mir dieser offene Brief aus der Seele.“

Der Aufstand der Nachwuchspiraten kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. In vier Wochen wählt die Partei einen neuen Bundesvorstand. Schon am Mittwoch bemühte sich die Parteispitze, innere Querelen auf oberster Machtebene beizulegen - nach einer weiteren Zuspitzung im Dauerstreit zwischen Bundesvorstand und Berliner Landesverband sagte der Parteichef Sebstian Nerz, er habe mit dem Berliner Fraktionsvorsitzenden Andreas Baum ein Gespräch vereinbart. Seit einem halben Jahr sei das Verhältnis auf beiden Seiten sehr kompliziert.

Baum hatte sich am Dienstag im Blog der Piratenfraktion Berlin gegen eine E-Mail von Nerz gewandt und sich beschwert, er lasse sich nicht für Äußerungen einzelner Fraktionsmitglieder verantwortlich machen. Nerz erläuterte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, Anlass seiner Mail seien öffentliche Vorwürfe von Abgeordneten gegen den Bundesvorstand und einzelne Beauftragte gewesen. Er würde sich „wünschen, dass die Fraktion einmal thematisiert, wie die Abgeordneten mit ihrer besonderen Öffentlichkeit umgehen sollen“.

Kommentare (27)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Radiputz

07.04.2012, 11:44 Uhr

Nerz scheint ein wenig dünnhäutig zu sein, wenn er von "Belastungen" spricht, wenn er angegangen wird.
Er sollte sich mal ein wenig mit dem "Spielcharakter" von Politik beschäftigen, den diese zweifelsohne auch hat, seinen Piratensäbel zücken und mutig aber nicht weinerlich und mit Humor kämpfen. Dann wird er ein guter Vorsitztender. Er scheint ein wenig zu bierernst zu sein, was möglicherweise mit seiner CDU-Vergangenheit zusammenhängt. Man kann allerdings alte Konditionierungen abschütteln, was er teilweise ja auch schon bewiesen hat.

Dr.NorbertLeineweber

07.04.2012, 12:22 Uhr

Es hapert ja am Meisten an der Wirtschaftskompetenz (gilt aber auch für Außenpolitik und Innenpolitik).
Die Piraten brauchen eine wirtschaftskompetente Persönlichkeit, die mitten im Leben steht. Es kann eigentlich nur ein Wirschaftsprofessor mit starker Prägung in der empirischen Wissenschaft sein, der sich auf allen Feldern des Staatsversagens, des Marktversagens und der Wirtschafts- und Finanzpolitik bestens auskennt. Der mit den Forschungen des Sachverständigenrates und der Wirtschaftsforschungsinstitute gleich auf ist oder zumindest fundierte Kenntnis hiervon hat.
Gelingt es den Piraten eine Persönlichkeit zu finden, die analog zu Arnulf Baring in Talkshows den gesamten Laden ausmischt, der sich in Fragen Strukturkrise in Europa, Rettungsschirm und ESM bestens auskennt, sollte es den Piraten locker gelingen eine 20%- Partei zu werden, und zwar aus dem Stand heraus. Die gesuchte Person muss nur vertrauenswürdig sein, die Schwachstellen der EU-Politik, der Wirtschafts- und Finanzpolitik wertfrei aufzeigen können, ohne den Stallgeruch linker oder neoloberaler Ideologien mit sich zu führen.
ich wünsche den Piraten dabei viel Glück einen unverbrauchten und nicht vorbelasteten Kkandidaten zu finden.

Gnomon

07.04.2012, 12:40 Uhr

Was für ein Politidealismus! Nur wer die Genealogie von Politik und das Wesen der Demokratie nicht verstanden hat, kann überhaupt der infantilen Vorstellung verfallen, dass die Piraten früher oder später nicht auch genau da ankommen, wo alle anderen jetzt schon sind.

Das ist den Grünen passiert und wird diesen "Piraten" genauso passieren, nur dass hier auch gut möglich ist, dass sie wieder völlig von der Bildfläche verschwinden, wie z.B. die 20 % Protestpartei Schill-Partei. Auf Protest lässt sich kein lngfristiges Parteiprogramm gründen und etwas neues haben die Piraten der politischen Landschaft einfach nicht hinzuzufügen.

Was wir hier sehen ist der Beginn von Realitätsanpassung, von Kompromiß, von Teilhabe und Einrichtung im politischen System. Das sind auch nur Menschen. Idealismus ist etwas für junge Menschen, Verantwortung etwas für reife und ältere Menschen. Mir solls Recht sein, wenn sich die Linke in Deutschland weiter zersplittert.

Wer hier einen großen Aufbruch erkennt, denn belächele ich ob seiner nichtvorhandenen historischen Bildung und seinem naiven Optimismus. Gleichwohl erkenne ich jeder Generation das Recht auf Trail and Error zu, glaubt aber ja nicht ihr seid was Besonderes...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×