Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.02.2017

17:22 Uhr

Öffentlicher Dienst

Berliner Beamte verdienen am wenigsten

Beamte wie Lehrer und Polizisten verdienen je nach Bundesland höchst unterschiedlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert eine Beendigung der Besoldung nach Kassenlage. Der öffentliche Dienst soll attraktiv bleiben.

Berlins Beamte verdienen am wenigsten – in Bayern hingegen am meisten. Darüber liegen nur noch die Beamte des Bundes. dpa

Besoldung

Berlins Beamte verdienen am wenigsten – in Bayern hingegen am meisten. Darüber liegen nur noch die Beamte des Bundes.

BerlinLehrer, Polizisten und andere Beamte verdienen in finanzschwachen Bundesländern wie Berlin, dem Saarland oder Rheinland-Pfalz deutlich weniger als in reichen Ländern. Bayerische Beamte bekommen im Ländervergleich die höchsten Gehälter, wie aus dem neuen Besoldungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin vorlag und über den die „Süddeutsche Zeitung“ zuerst berichtet hatte.

Nur die Beamten des Bundes liegen noch vor denen in Bayern.

So stark können sich die Beamtengehälter in Deutschland unterscheiden

Wie groß sind die Unterschiede bei der Beamtenbezahlung?

Beispiel Polizeimeister der Besoldungsstufe A 7: Im Bundesdurchschnitt verdienen sie 33.666 Euro brutto im Jahr. Berlin liegt laut der DGB-Studie 2075 Euro dahinter, in Bayern verdienen sie 1547 Euro mehr als der Durchschnitt. Ein Straßenmeister, der Straßen pflegt und Unfälle absichert, bekommt in Stufe A 9 in Brandenburg 38 689 Euro im Jahr, im wohlhabenden Baden-Württemberg sind es 40 300. In Stufe A 13 - etwa für viele Gymnasiallehrer - gibt es im bundesweiten Durchschnitt der Länder 59 794 Euro. In Berlin sind es rund 2733 Euro weniger, in Bayern dagegen 2943 Euro mehr im Jahr.

Welche Beispiele gibt es noch?

Eine Sekretärin der Stufe A 6 kommt laut Berechnungen des Beamtenbundes dbb in Bayern auf 2777 Euro im Monat.. Am unteren Ende der Skala befindet sich Berlin mit 2405 Euro. Das Gehalt der Stufe A 16 - etwa für einen Museumsdirektor - reicht von 6389 Euro in Berlin bis zu 7126 Euro in Bayern. Weniger Geld gibt es in der Regel in Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, in Niedersachsen, Brandenburg und eben Berlin. Bundesbeamte liegen beim Verdienst übrigens über den Landesbeamten.

Wie sind die Unterschiede zu erklären?

Die Länder können seit der Föderalismusreform 2006 entscheiden, ob und in welcher Form sie die Tarifabschlüsse für den öffentlichen Dienst für ihre 1,3 Millionen Beamte übernehmen. Für diese Abschlüsse gibt es Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften. Eine Übertragung auf Beamte geschieht mit Landesbesoldungsgesetzen. Viele Länder haben Tariferhöhungen aber nicht voll weitergegeben.

Welche Probleme bringt das Gehaltsgefälle mit sich?

Bereits vor zehn Jahren warnte etwa der Beamtenbund vor einer Abwanderung besonders qualifizierter Beamtenanwärter aus den finanzschwachen Ländern, wenn diese schlechter bezahlen. Der befürchtete Effekt: So tun sich diese Länder umso schwerer, gegenüber den bereits wohlhabenderen aufholen. Tatsächlich gab es seither solche Abwanderungstendenzen.

Schließt sich die Gehaltskluft wieder

Das ist wegen der hohen Kosten, die das verursachen würde, nicht greifbar. Aber das Bundesverfassungsgericht schränkte den großen Spielraum des Gesetzgebers bei der Besoldung vor zwei Jahren ein. Schlusslicht Berlin passte die Besoldung seiner Beamten zuletzt auch überdurchschnittlich ein. Auch mit Zulagen versuchen einige Länder, ihre Position im Wettbewerb ums Personal zu verbessern.

Wie ist die aktuelle Lage bei der Übertragung auf die Beamten

Der Tarifabschluss für die rund eine Million Landesangestellten von Mitte Februar - sie bekommen 4,35 Prozent mehr Lohn innerhalb von zwei Jahren - soll auf die Beamten übertragen werden, fordert der dbb. Bayern, Hamburg, das Saarland, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen kündigten dies auch schon an. Hier und da wird aber auch noch gespart - so will NRW das Ergebnis zwar eins zu eins übernehmen, aber erst drei Monate später.

Ein vom Land beschäftiger Gymnasiallehrer der Besoldungsgruppe A 13 zum Beispiel erhält im Bundesdurchschnitt derzeit ein Jahresbruttogehalt von 59 794 Euro. Dahinter liegen etwa Berlin (57 061), Rheinland-Pfalz (57 928), Saarland (58 172), Brandenburg (58 396), Bremen (58 589), Schleswig-Holstein (58 874), Hamburg (59 316), Sachsen-Anhalt (59 452) und Nordrhein-Westfalen (59 590). Bundesbeamte dieser Besoldungsgruppe bekommen laut DGB-Report 6913 Euro brutto mehr als ihre Kollegen beim Dienstherrn Berlin - auch wenn sie ebenfalls in Berlin leben und arbeiten.

Beamtenpensionen: Sorgen um das Milliardenpolster für Staatsdiener

Beamtenpensionen

Sorgen um das Milliardenpolster für Staatsdiener

Mehr als 40 Milliarden Euro haben Bund, Länder und Kommunen für die Pensionen von Beamten beiseitegelegt. Doch trotz der hohen Summen – die Gewerkschaften warnen vor erheblichen Lücken.

DGB-Vize Elke Hannack sagte: „Mit der Besoldung nach Kassenlage muss endlich Schluss sein, denn damit büßt der öffentliche Dienst weiter an Attraktivität ein und kann sich kaum für künftige Herausforderungen wappnen.“ Schon heute fehle qualifiziertes Personal in einer Größenordnung von bis zu 110 000 Beschäftigten, sagte Hannack unter Berufung auf eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Für Beamte können Gewerkschaften keine Tarifverträge abschließen. Ihre Dienstherren übertragen die Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst in der Regel auf sie, machen dabei aber häufig Abstriche. Seit 2006 können die Länder wie der Bund entscheiden, ob und wie sie die Tarifabschüsse für die eigenen Beamten übernehmen wollen.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×