Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.03.2012

13:46 Uhr

Öffentlicher Dienst

Bsirske fordert „Ehrensold für Müllwerker“

Der Verdi-Chef will nach Milliarden-Hilfen für die Banken jetzt deutlich mehr Geld für Beschäftigte im öffentlichen Dienst sehen. Frank Bsirske droht mit Streiks und fordert „Ehrensold“ für Müllwerker und Krankenschwestern.

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske in Berlin. dpa

Der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske in Berlin.

BerlinKurz vor dem Start der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst dringt Verdi-Chef Frank Bsirske auf ein schnelles Angebot der Arbeitgeber. Nötig sei ein verhandlungsfähiges Angebot bereits zu Beginn der Gespräche, forderte Bsirske am Donnerstag im rbb-Inforadio. Ansonsten könne es zu Streiks kommen, signalisierte er. Ob Verdi Arbeitsniederlegungen zur Durchsetzung der Gewerkschaftsforderungen nach 6,5-prozentigen Einkommensverbesserungen beschließen werde, „hängt in hohem Maße davon ab, was auf Arbeitgeberseite passiert“, sagte der Gewerkschaftschef. Er betonte, die Gewerkschaft wolle zügig zu einem Ergebnis kommen. Wenn die Arbeitgeber aber auf Zeit spielten oder gar auf ein Ergebnis in der Schlichtung setzten, „dann wird die entsprechende Antwort aus den Betrieben auch kommen“.

Wer bekommt wie viel?

Oberarzt

5 202 Euro - Beamter, 48 Jahre, A15, Stufe 6

Professor

4 230 Euro - Beamter, W2, wohnhaft in Hessen, aktueller Stand

Polizeimeisterin

2 329 Euro - Beamte, 29 Jahre, A7

Unteroffizier

1 937 Euro - Beamter, 26 Jahre, einfacher Dienst, A5, Stufe 3

Arzt

4 281 Euro - Angestellter im öffentlichen Dienst, tätig an einem Universitätsklinkum, 34 Jahre, mit Berufserfahrung

Lehrer

3 537 Euro - Angestellter im öffentlichen Dienst, an einem Gymnasium tätig, 32 Jahre, mit Berufserfahrung

Krankenschwester

2 426 Euro - Angestellte im öffentlichen Dienst, 27 Jahre, mit Berufserfahrung

Müllerwerkerin

2 093 Euro - Angestellte im öffentlichen Dienst, 45 Jahre, mit Berufserfahrung

Es sei jetzt an der Zeit für eine deutliche Reallohnerhöhung, so der Gewerkschaftschef am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“: „Ehrensold für die Krankenschwestern, Ehrensold für die Müllwerker. Ich finde, die haben das verdient. Das ist die Losung, die jetzt in diesen Tarifverhandlungen ansteht.“

Öffentlicher Dienst: Weder recht noch billig

Öffentlicher Dienst

Weder recht noch billig

Die Tarifforderung von Verdi für die Angestellten im öffentlichen Dienst ist überzogen, weil sie nicht die tatsächliche Leistung der Beschäftigten berücksichtigt.

Es gebe genügend Wege zur Finanzierung der geforderten Tariferhöhung. So sei Deutschland zum Beispiel bei der Besteuerung hoher Vermögen und Erbschaften noch immer eine „Steueroase“. Auch bei der tatsächlichen Besteuerung von Unternehmensgewinnen und Kapital sei Deutschland weiter ein „Niedrigsteuerland“. Gebührenerhöhungen der Gemeinden zur Finanzierung von höheren Einkommen im öffentlichen Dienst seien daher nicht nötig.

Die Tarifverhandlungen für rund zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen beginnen an diesem Donnerstag in Potsdam. Die Gewerkschaften fordern ein Plus von 6,5 Prozent, mindestens aber 200 Euro. Die Arbeitgeber haben die Forderung bereits als zu hoch und unfinanzierbar zurückgewiesen, aber noch kein Angebot vorgelegt.

Von

rtr

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

01.03.2012, 10:32 Uhr

Vermögen und Erbschaften besteuern ist zutiefst ungerecht, denn die Einkommen zur Bildung dieser Absicherungen fürs Alter wurden bereits vielfach besteuert. Die Besteuerung der Unternehmensgewinne ist bereits höher als in vielen Ländern. Warum sollen die Menschen noch mehr bluten? Warum schlägt Herr Bsirske keine Ausgabenkürzung des Staates vor? Die Welt steht wegen unsolider Haushaltführung in Flammen und Herr Bsirske anwortet mit 6,5% Lohnerhöhung mit Hilfe von Steuerhöhungen. Gewerkschaften hatten in den Vergangenheit eine Daseinsberechtigung, weil Veränderung nötig war. Heute zerstören sie jedoch eine funktionierende Wirtschaft und den Glauben in die Zukunft.

Bernd

01.03.2012, 10:55 Uhr

In Anspielung auf den Ehrensold finde ich, dass die Müllmänner und viele andere diesen eher verdient hätten als der letzte Bundespräsident. Wenn ich die Männer rumrennen sehe, bei Wind und Wetter, wenn sie den Müll abräumen, tun sie mir richtig leid. Würde man die Großverdiener vor die Wahl stellen, ihren bisherigen Job für das Gehalt eines Müllarbeiters auszuführen oder die Arbeit eines Müllarbeiters für ihr bisheriges Gehalt, würden die allermeisten sicherlich das Erstere vorziehen. Was viele in den Vorständen und Toppositionen verdienen ist völlig unverhältnismäßig.

Mazi

01.03.2012, 11:21 Uhr

Geht nicht! Die haben die falschen Freunde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×