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05.01.2016

12:09 Uhr

Öffentlicher Dienst

Flüchtlingsandrang überfordert Behörden

Die Ämter schaffen Tausende neue Stellen - aus Sicht der Gewerkschaften reicht das aber nicht, um den Flüchtlingszustrom zu bewältigen. Dem Staat fehlten weit mehr als 100.000 Beschäftigte, rechnet der Beamtenbund vor.

„Der Flüchtlingszuzug führt an vielen Stellen des öffentlichen Dienstes zu spürbarer Mehrarbeit - und das über Jahre hinweg“, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske. dpa

Flüchtlinge warten vor einer deutschen Behörde

„Der Flüchtlingszuzug führt an vielen Stellen des öffentlichen Dienstes zu spürbarer Mehrarbeit - und das über Jahre hinweg“, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske.

BerlinBehörden und Schulen unter Druck - der Flüchtlingszustrom verursacht vielerorts im öffentlichen Dienst Hochbetrieb, Unmengen an Überstunden, manchmal Überforderung. Tausende Stellen wurden zwar bereits geschaffen. Die Gewerkschaften fordern aber mehr - sowie ein kräftiges Plus bei der im Frühjahr anstehenden Tarifrunde für Bund und Kommunen.

„Der Flüchtlingszuzug führt an vielen Stellen des öffentlichen Dienstes zu spürbarer Mehrarbeit - und das über Jahre hinweg“, sagt Verdi-Chef Frank Bsirske. „Er legt Schwächen in der öffentlichen Infrastruktur offen, die es bereits vorher gab.“ Auch Willi Russ, zweiter Vorsitzender des Beamtenbunds dbb, meint: „Überstundenberge, etwa bei den Kolleginnen und Kollegen der Polizei, gibt es nicht erst, seit durch den anhaltenden Zustrom schutzsuchender Menschen die Aufgaben immer größer und größer geworden sind.“

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Insgesamt wurden im öffentlichen Dienst in den vergangenen gut 20 Jahren rund eine Million Stellen abgebaut, etwa jede fünfte - das rächt sich aus Sicht der Gewerkschaften jetzt. Jüngere Arbeitnehmer sind hier mittlerweile häufiger befristet angestellt als in der Privatwirtschaft - laut Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung zu 23 Prozent bei den unter 25-Jährigen.

Zeigt die besondere Lage jetzt vor allem, wie schlecht aufgestellt manche Behörden sind? Skandalös erschienen die Zustände im Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Mitarbeiter berichteten anonym, wegen des Chaos in der Behörde seien spezielle „Sucher“ mit dem Auffinden von Akten beschäftigt.

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Auch im neuen Jahr lässt das Lageso Flüchtlinge in der Kälte stehen, wenn auch Neuankömmlinge neuerdings schnell erfasst werden. Freilich lässt sich nicht vom Lageso auf den öffentlichen Dienst insgesamt schließen. „Hier kommen politische Versäumnisse der Vergangenheit, rigide Personaleinsparungen der früheren Finanzverantwortlichen zusammen mit Verwaltungsversagen in organisatorischen Fragen“, wie Russ sagt.

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