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29.03.2012

04:34 Uhr

Öffentlicher Dienst

Generalstreik-Drohung erzwingt lange Verhandlung

Ein Durchbruch steht bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst noch aus, die Verhandlungen gehen heute weiter. Ohne Einigung könnte Verdi das Land tagelang lahmlegen - nicht nur die Flughäfen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (links) und Verdi-Chef Frank Bsirske kurz  vor Beginn der dritten Runde der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst. dpa

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (links) und Verdi-Chef Frank Bsirske kurz vor Beginn der dritten Runde der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst.

PotsdamArbeitgeber und Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes setzen heute (Donnerstag) in Potsdam ihre Tarifverhandlungen für die zwei Millionen Beschäftigen in den Kommunen und beim Bund fort. Seit Mittwochnachmittag hatten sie erneut um eine Einigung gerungen. Zu Beginn der dritten Tarifrunde signalisierten beide Seiten zwar Kompromissbereitschaft, bis zum Abend gab es aber dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske zufolge keine entscheidenden Fortschritte.

„Die zentralen Fragen sind noch nicht in der Diskussion“, sagte der Gewerkschaftschef am Verhandlungsort Potsdam. Die Arbeitgeber hätten zudem bis zum Abend kein neues Angebot vorgelegt.

Die Positionen hatten zu Verhandlungsbeginn weit auseinander gelegen. Die Gewerkschaften Verdi und dbb Tarifunion fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro monatlich. Die Arbeitgeber, also Bund und Kommunen, haben 3,3 Prozent auf zwei Jahre und einmalig 200 Euro geboten.

Bsirske erklärte, dass die Arbeitgeber ihr Angebot nicht verbessert hätten. Im weiteren Verlauf des Abends sei nicht mehr mit einem Durchbruch zu rechnen. Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft traf allerdings am Abend in Potsdam ein. Sie wäre berechtigt, einen Abschluss abzusegnen.

Öffentlicher Dienst - Forderungen und Tarifabschlüsse

2012

Die Gewerkschaften fordern für etwa zwei Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro monatlich mehr für Bezieher kleinerer Einkommen. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber ist ein Stufenmodell, das nach ihrer Rechnung im zweiten Jahr 3,3 Prozent Lohnplus bedeutet. Nach Rechnung der Gewerkschaften beträgt die Steigerung über die gesamte Zeit aber nur 1,77 Prozent.

2011

Ein Plus von 50 Euro und eine lineare Erhöhung von drei Prozent fordern die Gewerkschaften für die rund 600.000 Angestellten der Länder (ohne Berlin und Hessen). Das entspricht Verbesserungen von durchschnittlich fünf Prozent. Die Arbeitgeber legen zunächst kein Angebot vor. Im März einigen sich beide Seiten auf eine Einmalzahlung von 360 Euro (Auszubildende 120 Euro) und eine lineare Erhöhung der Gehälter von 1,5 Prozent zum 1. April. Für 2012 werden eine lineare Erhöhung von weiteren 1,9 Prozent sowie ein monatlicher Sockelbetrag von 17 Euro (Auszubildende sechs Euro) beschlossen. Verdi beziffert die Tariferhöhung für 2011 mit 2,3 und für 2012 mit 2,55 Prozent.

2010

Die Gewerkschaften fordern für rund zwei Millionen Angestellte von Bund und Kommunen zu Beginn der Verhandlungen Einkommensverbesserungen mit einem Gesamtumfang von fünf Prozent. Später bieten sie für 2010 ein Plus im Gesamtvolumen von 3,5 Prozent an. Die Arbeitgeber schlagen ein Gesamtvolumen von 1,5 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren vor. Im Februar erklären beide Seiten die Tarifverhandlungen für gescheitert. Ende des Monats akzeptieren sie den Schlichterspruch. Er sieht vor, dass die Gehälter bis Sommer 2011 stufenweise um 2,3 Prozent angehoben werden. Im Januar 2011 gibt es eine Einmalzahlung von 240 Euro (Auszubildende 50 Euro).

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich bekräftigte seinen grundsätzlichen Willen, eine Einigung zu erzielen und weitere Streiks zu vermeiden. Die Arbeitgeber wiesen Spekulationen zurück, in den Gesprächen keine Kompromisse eingehen zu wollen und auf eine Schlichtung zu setzen. Eine Einigung solle am Verhandlungstisch erzielt werden, sagte der Vize-Präsident der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände, Harald Seiter

Die öffentlichen Arbeitgeber argumentieren zwar, dass ihre Kassen keine saftige Erhöhung zulassen. Doch die Warnstreiks der vergangenen Wochen haben auch gezeigt, was ein unbefristeter Arbeitskampf für Folgen haben könnte.

Tausende Passagiere sind zuletzt an den Flughäfen der Republik gestrandet, allein am Dienstag fielen mehr als 700 Flüge aus. Verzweifelte Eltern stehen vor geschlossenen Kindergärten wie in Köln, wo Mitte vergangener Woche von den 225 städtischen Einrichtungen nur gut 60 öffneten. Das sind nur einige Folgen der zweiten Warnstreikwelle im öffentlichen Dienst, an der sich seit Montag vergangener Woche rund 215 000 Beschäftigte beteiligt haben.

Kommentare (21)

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Toeroe

28.03.2012, 20:10 Uhr

Bsirke, das Benjamin Blümchen des Widerstands.
Also nun aber mal ran Benjamin: Töörröööö!

Rochi

28.03.2012, 20:31 Uhr

Also die Zahlen die HB nennt sind zu hinterfragen, auch die richtige Auseinandersetzung mit den Forderungen.
Gerade die AN am unteren Ende der Nahrungskette stehen im Fokus! Auch die AN des Ö, welche nicht direkt bei Bund, Land etc beschäftigt sind benötigen mehr Geld, da diese nicht so eingrupiert werden, wie Sie für den ausführenden Job sein müßten, denke da an Krankenhäuser und vor allem Sparkassen!
In den letzten Jahrzent wurde doch oft genug Zurückhaltung geübt, außer natürlich bei denen welche die richtigen Posten haben oder selber über Ihr Gehalt bestimmen

hudsuckers

28.03.2012, 20:42 Uhr

wie heißt das denn nun richtig?
Bsirke?
Bsisrke?

Weiß der Geier, wie sich diese Wichtigtuer in die Ewigkeit einbrennen wollen.

Die4 sind halt eben für die Proleten engagiert. die denen sowieso gleich voll am arsch vorbeigehen: Bsirske an einer Werkbank: sowas geht nur beim Fotoshooting, und er will ja immer besonders sexy wirken beim shooting.


Wie hieß das nochmal?

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