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20.03.2012

06:50 Uhr

Öffentlicher Dienst

Warnstreiks treffen Hessen, Bayern und Baden-Württemberg

Bahne und Busse fahren nicht, der Müll wird auch nicht abgeholt - Warnstreiks im öffentlichen Dienst rollen heute auf Hessen und Süddeutschland zu. Die Gewerkschaft Verdi erhöht im Tarifkonflikt den Druck.

Warnstreiks führen erneut zu Einschränkungen

Video: Warnstreiks führen erneut zu Einschränkungen

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Frankfurt/MünchenNach Niedersachsen und Bremen hat die zweite Warnstreikwelle im Tarifkonflikt der Angestellten von Bund und Kommunen am Dienstag Hessen und Süddeutschland erreicht. In Baden-Württemberg, vor allem aber in Bayern und Hessen kommt es den ganzen Tag über zu Behinderungen. „Das Angebot öffentlicher Dienstleistung (...) wird heute eingeschränkt sein“, sagte Hessens Verdi-Sprecher Christian Rothländer der Nachrichtenagentur dpa am frühen Morgen. Unter anderem bleiben in den betroffenen Bundesländern Kindertagesstätten geschlossen, der Müll wird nicht abgeholt und in vielen Städten fahren die Busse und Bahnen nicht.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert für die bundesweit rund zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Diensts 6,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro. Die Arbeitgeber haben ein Stufenmodell angeboten, das nach ihrer Rechnung im zweiten Jahr auf ein Lohnplus von 3,3 Prozent hinauslaufen würde. Nach Verdi-Rechnung würde der Lohn jedoch über die gesamte Zeit nur um 1,77 Prozent steigen. „Wir erhoffen uns eine klare Signalfunktion für die dritte Verhandlungsrunde ab dem 28. März“, sagte Rothländer.

So wie hier in Hannover sollen nun auch in drei weiteren Bundesländern die öffentlichen Verkehrsmittel stillstehen. dpa

So wie hier in Hannover sollen nun auch in drei weiteren Bundesländern die öffentlichen Verkehrsmittel stillstehen.

In Frankfurt/Main sollen keine Straßenbahnen und U-Bahnen fahren. Zudem sind die Busse der Stadt vom parallel laufenden Warnstreik im Tarifkonflikt mit den privaten Omnibusunternehmen betroffen. Auch andere Städte wie Wiesbaden oder Kassel müssen mit einem stark eingeschränkten Nahverkehr rechnen. In ganz Hessen sind zudem Stadtverwaltungen, Schwimmbäder, Kindergärten oder Krankenhäuser betroffen.

In Bayern sollen die Beschäftigten mit Schichtbeginn um 6.00 Uhr ihre Arbeit niederlegen. Verdi geht von rund 14.000 Streikteilnehmern aus. In München und Nürnberg hat Verdi zu Demonstrationen aufgerufen, zur Abschlusskundgebung in der Landeshauptstadt wird Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet. In Baden-Württemberg ist die Region um Heilbronn mit Einschränkungen in Rathäusern, Kitas und dem Nahverkehr erst ab 8.30 Uhr betroffen - aus Rücksicht auf Schüler mit Abiturprüfungen. Am kommenden Montag soll dann die Landeshauptstadt Stuttgart von Warnstreiks getroffen werden.

Öffentlicher Dienst - Forderungen und Tarifabschlüsse

2012

Die Gewerkschaften fordern für etwa zwei Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro monatlich mehr für Bezieher kleinerer Einkommen. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber ist ein Stufenmodell, das nach ihrer Rechnung im zweiten Jahr 3,3 Prozent Lohnplus bedeutet. Nach Rechnung der Gewerkschaften beträgt die Steigerung über die gesamte Zeit aber nur 1,77 Prozent.

2011

Ein Plus von 50 Euro und eine lineare Erhöhung von drei Prozent fordern die Gewerkschaften für die rund 600.000 Angestellten der Länder (ohne Berlin und Hessen). Das entspricht Verbesserungen von durchschnittlich fünf Prozent. Die Arbeitgeber legen zunächst kein Angebot vor. Im März einigen sich beide Seiten auf eine Einmalzahlung von 360 Euro (Auszubildende 120 Euro) und eine lineare Erhöhung der Gehälter von 1,5 Prozent zum 1. April. Für 2012 werden eine lineare Erhöhung von weiteren 1,9 Prozent sowie ein monatlicher Sockelbetrag von 17 Euro (Auszubildende sechs Euro) beschlossen. Verdi beziffert die Tariferhöhung für 2011 mit 2,3 und für 2012 mit 2,55 Prozent.

2010

Die Gewerkschaften fordern für rund zwei Millionen Angestellte von Bund und Kommunen zu Beginn der Verhandlungen Einkommensverbesserungen mit einem Gesamtumfang von fünf Prozent. Später bieten sie für 2010 ein Plus im Gesamtvolumen von 3,5 Prozent an. Die Arbeitgeber schlagen ein Gesamtvolumen von 1,5 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren vor. Im Februar erklären beide Seiten die Tarifverhandlungen für gescheitert. Ende des Monats akzeptieren sie den Schlichterspruch. Er sieht vor, dass die Gehälter bis Sommer 2011 stufenweise um 2,3 Prozent angehoben werden. Im Januar 2011 gibt es eine Einmalzahlung von 240 Euro (Auszubildende 50 Euro).

Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst werden am 28. und 29. März in Potsdam fortgesetzt. Schon Anfang des Monats hatte Verdi mit einer Warnstreikwelle durch ganz Deutschland die Forderungen untermauert.

Von

dpa

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