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26.12.2014

10:29 Uhr

Ökonom Hans-Werner Sinn

Rentenkassen brechen ohne Migranten zusammen

Ökonom Hans-Werner Sinn warnt vor dem Kollaps des Rentensystems. In rund 20 Jahren sei das aktuelle Niveau nicht mehr zu halten. Um die Rente überhaupt zu retten, benötige Deutschland die Hilfe von vielen Migranten.

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, warnt vor dem Rentenkollaps. dpa

Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, warnt vor dem Rentenkollaps.

BerlinZum Erhalt des Lebensstandards deutscher Rentner wären nach Einschätzung des Ökonomen Hans-Werner Sinn Millionen Einwanderer nötig. Vor allem der Renteneintritt der Babyboomer stelle Deutschland vor massive Herausforderungen, sagte der Präsident des Ifo-Instituts „Focus online“.

In etwa 20 Jahren „werden wir siebeneinhalb Millionen mehr Rentner haben und achteinhalb Millionen weniger Personen im erwerbsfähigen Alter“, rechnete Sinn vor. „Um das durch Migration aufzufangen, wären 32 Millionen Menschen nötig. Das kann man sich gar nicht vorstellen.“

Warum Rente nicht gleich Rente ist

Wer ist Pflichtmitglied der gesetzlichen Rentenversicherung?

Alle Arbeitnehmer sowie Auszubildende, Mütter oder Väter, die Kinder erziehen, nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen, Menschen mit Behinderung, Wehr- und Bundesfreiwilligendienstleistende, Menschen, die Kranken- oder Arbeitslosengeld beziehen; sowie – mit unter bestimmten Voraussetzungen – Studenten, die nebenbei Geld verdienen.

Müssen sich auch Selbstständige gesetzlich rentenversichern?

Normalerweise nicht. Allerdings gibt es bestimmte Gruppen von Selbstständigen, für die ebenfalls eine Versicherungspflicht besteht, etwa Handwerker und Hausgewerbetreibende, Lehrer, Hebammen, Erzieher und in der Pflege Beschäftigte, Künstler und Publizisten, Selbstständige mit nur einem Auftraggeber; Seelotsen sowie Küstenschiffer und -fischer. Alle anderen Selbstständigen können der Rentenversicherung auf Antrag beitreten.

Wer ist von der Versicherungspflicht ausgenommen?

Beamte, Richter, Berufssoldaten und Zeitsoldaten, Mitglieder geistlicher Genossenschaften Geringfügig Beschäftigte, Altersrentner, Selbstständige (mit Ausnahmen) sowie Freiberufler, wenn sie in einem Versorgungswerk ihres Berufsstandes pflichtversichert sind.

Welche Berufe gehören zu den Freien Berufen mit eigenen Versorgungswerken?

Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater bzw. Steuerbevollmächtigten, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer, Zahnärzte sowie Psychotherapeuten und Ingenieure). Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Rechtsanwälte, Steuerberater bzw. Steuerbevollmächtigten, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer, Zahnärzte sowie Psychotherapeuten und Ingenieure.

Können Freiberufler wählen, wie und wo sie sich versichern?

Nein. Für bestimmte freie Berufe ist die Altersvorsorge in einer berufsständischen Versorgungseinrichtung vorgeschrieben. Die Berufsträger sind dort pflichtversichert und zahlen einen gewissen Prozentsatz ihres Einkommens ein. Der Beitrag orientiert sich etwa am Höchstsatz, den Arbeitnehmer in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Die Einzelheiten regeln die unterschiedlichen Landesgesetze. Um Doppelbelastungen zu vermeiden, kann sich diese Klientel allerdings von einer etwaigen, parallel bestehenden Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen.

Deutschland werde gut ausgebildete Migranten brauchen, die helfen, diese Last zu tragen. „Aber eine Lösung in dem Sinne, dass es uns dann so gut geht wie heute, ist nicht vorstellbar“, erklärte Sinn. Die Deutschen müssten sich deshalb selbst aktiv um ihre Alterssicherung kümmern. „Wir müssen länger arbeiten und nicht weniger lange.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

29.12.2014, 10:33 Uhr

Rente nur für Deutsche mit einem Pass. Mehr Ausländer bedeutet auch mehr Rentenzahlungen an Ausländer. Hebt sich dies nicht auf?

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