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10.09.2012

17:39 Uhr

Ökonomen bilanzieren „Agenda 2010“

Schröder genießt, Lafontaine wütet

VonNorbert Häring, Hans Christian Müller-Dröge

Für Gerhard Schröder ist die Schuldenkrise einiger EU-Staaten ein Beleg, dass sie wichtige Reformen versäumt haben - anders als Deutschland. Für Oskar Lafontaine liegt in diesen Reformen das Problem. Eine Begegnung.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in einem Hörsaal der Universität Göttingen. dpa

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in einem Hörsaal der Universität Göttingen.

GöttingenEs ist ein Heimspiel für Gerhard Schröder. Hier in Göttingen hat er studiert, und im Publikum sitzen all die Ökonomen, die damals genau die Reformen einforderten, die er mit der „Agenda 2010“ umsetzte. Schröder macht kein Geheimnis daraus, welche Genugtuung ihm dieser Auftritt beim ehrwürdigen Verein für Socialpolitik (VfS) bereitet. Nach zehn Jahren der Anfeindungen kann er sich für die späten Erfolge seiner Politik feiern lassen. Später wird sogar Hans-Werner Sinn, der sonst so kritische Chef des Münchner Ifo-Instituts, ein paar nette Worte über Schröders Agenda verlieren. Ganz anders reagiert der Mann in der 12. Reihe, der einmal Schröders Finanzminister war und heute sein erbitterte Gegner ist.

Schröder genießt seinen Auftritt – und gibt sich selbstbewusst: „Die Agenda 2010 war mit dafür verantwortlich, dass Deutschland heute besser dasteht als andere Länder“, sagt er und kommt gleich auf die Kollateralschäden zu sprechen: „Dass wir auf dem Weg den einen oder anderen Unterstützer verloren haben, gehört dazu, wenn man Politik gestaltet.“

Den Verlorenen, den diese Spitze treffen soll, schaut Schröder dabei nicht an, lieber grinst er in Richtung der Medienvertreter. Dabei sitzt dieser in Sichtweite – in der zwölften Reihe des großen Göttinger Hörsaals: Oskar Lafontaine, Schröders erster Finanzminister und heute sein schärfster Kritiker. Ohne viel Aufhebens hat der sich unter die Zuschauer im großen Göttinger Hörsaal gemischt.

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Als Schröders Auftritt von der deutschen Ökonomenschar artig beklatscht wird, verzieht er nur das Gesicht. Danach hört er sich mit versteinerter Miene dessen Rede an.

Lafontaine weiß, kurz danach wird er sein eigenes Fazit ziehen können über die Agenda. Nicht hier, bei der offiziellen Tagung - sondern ein paar Meter weiter, in einem Seminarraum bei der „Ergänzungstagung“, die von alternativen Ökonomen organisiert wurde. Hier hat Lafontaine sein Heimspiel.

Während Schröder mit sich im Reinen scheint, werden bei Lafontaine die Verletzungen der letzten Jahre mehr als deutlich. Bei ihm gibt es kein selbstbewusstes Understatement wie bei Schröder, bei ihm regiert immer noch die Wut. Lafontaine hat es offensichtlich bis heute nicht überwunden, dass ihn Schröder 1999 - nach einem halben Jahr im Amt - soweit isoliert hatte, dass er nicht mehr länger Finanzminister und Parteichef sein wollte.

So mag Lafontaine den früheren Kanzler, mit dem zusammen er die SPD 1998 zum Wahlsieg führte, nicht einmal mehr beim Namen nennen. Er spricht lieber von „meinem Vorredner“, vom „Kanzler, der nach Kohl kam“ oder von „dem Mann, der die Agenda 2010 nicht erfand, sondern sich einflüstern ließ.“

Kommentare (16)

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brauchtkeinmensch

10.09.2012, 17:50 Uhr

Lafontaine, vermutlich ein Einkommens-, Pensions- und Vermögensmillionär (zumindest in Summe sehr leicht), stellt sich allen Ernstes hin und macht Lobbyarbeit für den "kleinen Mann". Der Mann ist völlig unglaubwürdig. L. hat massgeblich den Strukturwandel im Saarland verhindert. Für mich ist L. immer ein guter Indikator für richtig und falsch: einfach das Gegenteil annehmen, was er sagt, das kann so falsch nicht sein.

Mazi

10.09.2012, 17:54 Uhr

Intellektuell ist Lafontaine nicht mit Schröder vergleichbar. Schröder war schon immer ...

Es dürfte wohl in der Geschichte der SPD nie einen größeren Schaden zugefügt haben als Schröder. Mit diesem Makel der falschen Personalauswahl wird wohl die SPD über Generationen belastet bleiben.

Mehr Beachtung sollte man ihm auch nicht schenken.

Account gelöscht!

10.09.2012, 18:09 Uhr

Nicht einmal die für viele offensichtlichen Erfolge auf dem Arbeitsmarkt, die Schröder sich und seiner Agenda stolz ans Revers geheftet ha
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Der "Erfolg" auf dem Arbeitsmarkt? Das sind Dumpinglöhne, für junge Leute mit guten Studienabschlüssen Jobs als unbezahlte Praktikanten und vor allem kriminelle Ausbeuter-Leifirmen.
Mit dem "Erfolg", dass seitdem immer mehr jugne Leute mit gutem Studium das Land verlassen
Das als Erfolg zu bezeichnen, zeigt schon den ganzen Zynismus und die Verachtung gegen das Volk
Senken des Spitzensteuersatzes von 53 auf 42% um seiner Reichen-Klientel was Gutes zu tun.
Gewinne von Firmenveräußerungen steuerfrei zu stellen
Installieren von Hartz IV und somit ganz normale Arbeitslose nach einem Jahr zu Asozialen zu machen
Eine wirklch tolle Bilanz
Und das will nun Schröder und ja auch seine Nachfolgerin Merkel, die ja Schröder-Politik weitermacht, nun auch für die anderen Länder.
Am deutschen Wesen soll mal wieder die Welt genesen
Sie schämen sich nicht einmal für ihre Volksverachtung.
Sich selbst dann aber mit schöner Regelmäßigkeit die Diäten erhöhen und mit Abertausenden von Euros, vom Steuerzahler in Pension gehen.
Es sollte tatsächlich ein Ruck durchs Volk gehen und das Volk muß all diese Politiker zum Teufel jagen.
Und übrigens, welche Ökonomen feierten da in Göttingen denn Schröder?
Göttingen war schon zu 68er-Zeiten ein Nest für Volksverachter, Kommunisten und Maoisten. Logisch dass es Schröder dorthin zurück zieht.

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