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08.01.2007

14:20 Uhr

Ökonomen für Zinserhöhung

Schattenrat stärkt EZB-Linie

VonNorbert Häring

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhält für ihren Zinserhöhungskurs Rückendeckung durch den Schattenrat, ein Beobachtungsgremium, welches sich aus 19 Experten zusammensetzt. Nachdem noch zum Jahresabschluss die Zinsen zuletzt angehoben wurden, empfiehlt der Rat zunächst eine Pause.

Zinspause angeraten: Schattenratsempfehlungen (links) - Leitzinsempfehlungen der Schattenratsmitglieder (rechts) (Quellen: Handelsblatt, BIP- und Inflationsprognosen)

Zinspause angeraten: Schattenratsempfehlungen (links) - Leitzinsempfehlungen der Schattenratsmitglieder (rechts) (Quellen: Handelsblatt, BIP- und Inflationsprognosen)

FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) gewinnt bei unabhängigen Geldpolitikexperten immer mehr Unterstützung für ihren Zinserhöhungskurs. Zwei Drittel der Mitglieder des EZB-Schattenrats, eines Beobachtergremiums, dem 19 renommierte europäische Volkswirte aus Banken, Forschungsinstituten und Hochschulen angehören, sind derzeit der Meinung, dass die Notenbank ihren Leitzins in den nächsten Monaten weiter erhöhen sollte. Nachdem die EZB diesen zuletzt erst im Dezember auf 3,5 Prozent angehoben hat, empfehlen ihr allerdings die Schattenräte, mit dem nächsten Zinsschritt noch mindestens einen Monat zu warten.

Vor einem Monat hatte sich noch rund die Hälfte der Mitglieder dafür ausgesprochen, auf eine weitere Straffung nach dem Zinsschritt im Dezember zunächst zu verzichten. Inzwischen ist der Anteil derer, die so argumentieren, auf ein knappes Drittel zusammengeschrumpft. Die Mehrheit geht davon aus, dass weitere Zinserhöhungen nötig sein werden, um einem übermäßigen Inflationsdruck im Euro-Raum vorzubeugen. Damit ist abzusehen, dass es Anfang Februar oder spätestens Anfang März im Schattenrat eine Mehrheit für eine Zinserhöhung geben wird.

Der seit dem Beitritt Sloweniens zum Euro-Raum ebenfalls 19-köpfige EZB-Rat hält sich dagegen bedeckt. Ausweislich seiner Zinsentscheidungen war das Meinungsbild in den letzten Jahren jeweils demjenigen im Schattenrat sehr ähnlich. Tendenziell hatte der EZB-Rat allerdings eine etwas stärkere Neigung zu höheren Zinsen; die Position des EZB-Schattenrats könnte darauf hindeuten, dass sich auch im EZB-Rat selbst schon relativ bald ein Konsens für eine weitere Zinsanhebung bilden wird. In diese Richtung deuten auch die Äußerungen von EZB-Ratsmitgliedern, die vor allem die Inflationsrisiken betonten.

Aus den Preisen für Zinsterminkontrakte lässt sich ablesen, dass der Markt einer Zinserhöhung Anfang Februar derzeit nur eine Wahrscheinlichkeit von etwa 25 Prozent gibt, während eine Zinserhöhung bis spätesten Anfang März zu etwa 75 Prozent eingepreist ist.

Die Mehrzahl der unabhängigen Experten hält die Konjunktur im Euro-Raum derzeit für sehr widerstandsfähig. „Es wird zunehmend deutlich, dass die Wirtschaft des Euro-Raums in einer so guten Verfassung ist, dass sie die leichte Abkühlung der Weltkonjunktur und die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland verkraften kann“, brachte José Luis Escrivà, Chefvolkswirt der spanischen Großbank BBVA, die dominierende Einschätzung auf den Punkt.

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