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27.03.2012

13:30 Uhr

Ökonomen vs. Merkel

„Hilfspakete werden den Euro nicht retten“

VonDietmar Neuerer

ExklusivEin weiteres Mal hat die Kanzlerin eine grundsätzliche Position geräumt und ist nun doch bereit, den Schutzwall für die Euro-Zone aufzustocken. Das ist nicht ohne Risiken, warnen führende Ökonomen in Deutschland.

Eine Euro-Münze. dpa

Eine Euro-Münze.

BerlinDie vorübergehende Vergrößerung der Euro-Rettungsschirme stößt bei Ökonomen auf große Skepsis. „Letztlich wird die Währungsunion nicht durch Hilfspakete, sondern nur durch Reformen in den Peripherieländern gerettet“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, Handelsblatt Online. Hinzu komme, dass mehr Geld die Märkte immer nur kurzfristig beruhige. Mehr Geld entspanne auch die italienischen Abgeordneten. „Aber nur mit Angstschweiß auf der Stirn stimmen sie Montis Arbeitsmarktreformen zu, die die weitgehende Unkündbarkeit italienischer Angestellter beenden soll“, fügte Krämer hinzu.

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater. „Es ist richtig, dass ein größerer Kreditmechanismus vor allem Spekulanten vor Angriffen auf den Euro schützen kann“, sagte Kater Handelsblatt Online. „Trotzdem wird der Euro nicht über die Kreditmechanismen gerettet, sondern über erfolgreiche Reformmaßnahmen in Südeuropa.“ Das dürfe bei der Diskussion über die Überwindung der Euro-Krise nicht in den Hintergrund gedrängt werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Montag dafür ausgesprochen, die Euro-Rettungshilfen aufzuweiten - auf zeitweise bis zu 700 Milliarden Euro. Der im Juli startende dauerhafte Rettungsschirm ESM und sein Vorgänger EFSF würden demnach bis Mitte 2013 parallel so aufgespannt, dass die finanzielle Schlagkraft nicht gemindert wird. An der ESM-Obergrenze von 500 Milliarden Euro soll nicht gerüttelt werden.

Die Haftung Deutschlands könnte damit - zumindest eine Zeitlang - über die bisherige Maximal-Bürgschaft von 211 Milliarden Euro klettern. In welchem Umfang, ist offen. Spekuliert wurde über einen vorübergehenden Garantie-Rahmen von bis zu 280 Milliarden Euro. Die Bundesregierung reagiert damit auf wachsenden Druck der USA und anderer Staaten sowie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Bericht zur Euro-Zone: OECD fordert viel größeren Rettungsschirm

Bericht zur Euro-Zone

OECD fordert viel größeren Rettungsschirm

Die OECD hält den bisher geplanten Rettungsschirm für zu klein.

Kommentare (36)

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sailing

27.03.2012, 11:21 Uhr

seit Jahren die selbe Situation, eine Politik der Agonie.
Gibt es denn keine ökonomisch geschulte Berater für die Kanzlerin?
Geld zu geben OHNE Konzepte, verschiebt die aktuelle Situation nur zeitlich. Das engültige Problem wird damit nur größer. (Was hier gerade passiert "kostet" Deutschland mindestens 10 Jahre).
Staaten ohne Wirtschaftskraft aber mit hoher Schuldenquote werden nie gesunden, denn sie sind die ersten "Globalisierungsverlierer". Es wurde der Fehler gemacht, dass sie sich aufgrund des Euros an den internationalen Finanzmärkten refinanzieren konnten, was diese auch taten allerdings nur um ihren Konsum auf Pump zu finanzieren.
Das ist ein marodes System welches auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten ist. Ein Mitschuld trägt der Banken und Versicherungssektor, denn diese haben die Situation in diesen Ländern noch verstärkt. Man kann sich nur wundern wieviele "Amateure" unterwegs sind ohne irgendwelche Konsequenzen für ihre Handlungen.

AllesQuatsch

27.03.2012, 13:18 Uhr

das problem wurde halt nicht ganz kapiert: man schaute über den teich und schaute und schaute: wachstum ohne ende, finanziert durch schulden über schulden. das sytsem funktioniert in den usa blendend, da diese noch immer potitisch und wurtschaftlich das zepter schwingen. nun dachte man sich: was die können, schaffen wir auch. wir refinanzieren uns über schulden. einziger schwachpunkt bei der eu: es gibt keine gleichen wirtschafts-, steuer- und sozialgesetze. das kann schon mal nix werden und zweitens überaltert die eu. junge leute geraten in die arbeitslosenfalle, weil nur noch altersstarrsinnige schwachköpfe am ruder sind. aber bald ists eh vorbei. ich sehne mich nach diesem tag. egal wies ausgeht: es kann nur besser werden.

yoski

27.03.2012, 14:01 Uhr

Ich garantiere alles! Jawohl, ich persoenlich garantiere alle Schulden der EU, der USA, Japans und die von meinem alkoholkranken Schwager auch. Wer hat noch nicht, wer will nochmal?
Natuerlich ist das totaler Schwachsinn. Pleite Staaten garantieren pleite Banken. Pleite Banken leihen pleite Staaten mehr Geld damit diese im Gegenzug wiederum pleite Banken garantieren koennen.
Michels Ersparnisse sind weg. Saemtlich Versprechungen wie Lebensversicherungen, Renten usw beruhen darauf das pleite Staaten und pleite Banken irgendwann mal Geld zurueck zahlen. Geht aber nicht, darum pumpt der fleissige Herr Drahgi Fantastillarden in den Finanzsektor um zumindest den Anschein zu wahren. Das scheint auch ganz gut zu klappen wenn man sich die Wahlergebinisse von letzten Wochenende anschaut. Etwa 70% der Michels glauben alles.
Irgendwie schon fazinierend das das "System" noch immer funktioniert da es ja auf nichts weiter beruht als auf Vertrauen und Draghis Notenpresse. Mal sehen wie lange noch.

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