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23.09.2013

19:09 Uhr

Ökonomenstimmen zur Wahl

„Links schwenkt, marsch, marsch!“

VonJan Mallien

ExklusivDas Aus für die FDP und der Zwang zu einer neuen Koalition werden der Wirtschaftspolitik eine neue Richtung geben, sagen führende Ökonomen. Erstaunlich einig sind sie sich darüber, was die neue Regierung tun muss.

Ärmel hochkrempeln

Was die Wirtschaft von Angela Merkel erwartet

Ärmel hochkrempeln: Was die Wirtschaft von Angela Merkel erwartet

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Nach der Bundestagswahl rechnen führende Ökonomen mit einem leichten Linksschwenk in der Wirtschaftspolitik. „In den letzten vier Jahren hatte die FDP den Schwenk von CDU/CSU hin zu einer Mitte-Links-Agenda etwas gebremst“, schreibt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. „Ohne den Einfluss der FDP dürfte der Zeitgeist jetzt etwas stärker zum Zuge kommen.“

Ähnlich sieht das der Chefvolkswirt des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. „Es ist kein Zufall, dass mit der FDP genau jene Partei, die sich dezidiert dem Neoliberalismus verschrieben hatte, nicht mehr in den Bundestag einzieht. Diese Ausrichtung ist nicht mehr gewollt.“

Gastbeitrag Schmieding: Der langsame Abschied von der Spitze

Gastbeitrag Schmieding

Der langsame Abschied von der Spitze

Deutschland wird seinen Spitzenplatz in der europäischen Wachstumsliga nicht dauerhaft halten können. Aber dank des Erfolges der CDU/CSU wird der Schaden durch Mindestlöhne und höhere Steuern vorläufig begrenzt bleiben.

Über die Auswirkungen dieser Neuorientierung gehen die Meinungen der beiden Ökonomen allerdings auseinander. „Deutschland wird seinen Spitzenplatz in der europäischen Wachstumsliga nicht dauerhaft halten können“, schreibt Schmieding. Es werde langsam ins Mittelfeld zurückfallen. „Die Wähler sind nicht bereit, eine Politik zu stützen, die den Standort Deutschland weiter stärken könnte.“ Dank des Erfolges der CDU/CSU werde der Schaden durch mehr Mindestlöhne und höhere Steuern jedoch begrenzt bleiben.

Horn sieht das Ergebnis hingegen positiver. „Die Wähler erzwingen damit ein intelligentes Weiter-so.“ Dieses werde sich auf die Methode Merkel, den ergebnisoffenen Dialog mit dem Bürger auf Augenhöhe zu führen, beschränken. Die Inhalte des Dialogs aber würden sich ändern. „Es geht jetzt darum, die Infrastruktur in Deutschland einschließlich der Energiewende grundlegend durch mehr öffentliche Investitionen zu verbessern. Um dies solide vor dem Hintergrund der Schuldenbremse zu finanzieren, sind Steuererhöhungen der einen oder anderen Art unumgänglich.“ Zugleich würden Arbeitsmarktreformen auf der Agenda stehen, die die Machtbalance etwas zugunsten der Arbeitnehmer verschieben.

Gastbeitrag Horn: Klare Botschaft

Gastbeitrag Horn

Klare Botschaft

Es ist kein Zufall, dass die FDP nicht mehr in den Bundestag einzieht, sagt Ökonom Gustav Horn. Und das ist gut so. Denn die wirtschaftspolitische Kompetenz der Liberalen war ohnehin nur noch eine Schimäre.

Der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, wertet das Wahlergebnis hingegen als Votum gegen Steuererhöhungen. „Alle Parteien, die Steuererhöhungspakete in ihren Wahlprogrammen hatten, sind vom Wähler eindeutig abgestraft worden.“ Sowohl Grüne und Linke als auch die SPD hätten Stimmen verloren. „Offenkundig erkennen die Wähler sehr deutlich, was die Steuererhöhungen an Verunsicherung auslösen.“ Eine künftige Bundesregierung werde an diesem Votum nicht vorbei können. Das sei eine gute Botschaft für den Wirtschaftsstandort.

Kommentare (63)

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Uso

23.09.2013, 19:37 Uhr

Gemeinsam für den Euro und gegen Totalüberwachung
Es wurde ein schneller Beitritt und eine schnelle Einführung der DM. Bemühungen von Bündnis 90 und anderen Gruppierungen waren vergebens.
Der Ostmarkt brach zusammen. Die Ärmsten, Rumänen und Bulgaren, kommen heute nach Deutschland prostituieren sich und arbeiten für Dumpinglöhne.
Der Beitritt ist noch heute nicht beendet,.z.B. Zeitarbeiter verdienen in Westdeutschland mehr als in Ostdeutschland. Ost und West werden mit verschieden Maß gemessen. Die reichen Bundesländer schimpfen über den Länderfinanzausgleich.
Die Linke hat ihre Daseinsberechtigung, ein Teil der Forderungen hätte bei einer Wiedervereinigung gelöst werden können. Dies gilt auch für die osteuropäischen Länder, die heute der EU angehören.
Frau Merkel, zurück zu den Wurzeln, für ein gerechteres Europa. Links ist nicht links, wie auch jeder CDU-Wähler nicht christlich ist.

Rechner

23.09.2013, 19:55 Uhr

O-Ton Horn
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Ähnlich sieht das der Chefvolkswirt des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. „Es ist kein Zufall, dass mit der FDP genau jene Partei, die sich dezidiert dem Neoliberalismus verschrieben hatte, nicht mehr in den Bundestag einzieht. Diese Ausrichtung ist nicht mehr gewollt.“
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4,8% statt 5% - kein Zufall!

Da hat der Gewerkschaftsbonze Horm 'mal wieder eunen kapitalen Bock geschossen.

...

Sollten seine Wunschträume allerdings Wahrheit werden, dann wird es wirklich teuer für Deutschland.

Ausländer, die in Großbritannien ihren ersten Wohnsitz errichten, brauchen sieben Jahre lang von ihrem außerhalb Großbritanniens erzielten Einkommen nur den Anteil versteuern, den sie im Land verbrauchen.

Anschließend können Sie sich wahlweise nach dem günstigen englischen Tarif (Freibetrag 9.440 GBP, 20% für Einkommen darüber bis 40.000, 40% für Einkommen darüber) besteuern lassen, oder 30.000 Pfund pro Jahr Steuern als Feststeuer zahlen.

...

Andere Länder haben andere Sonderangebote.

z.B. Mazedonien - 10%.

...

Die Möglichkeiten der Steuergestaltung mit einem ausländischen Hauptwohnsitz oder ausländischen Firmen und Trusts sind nahezu endlos.

Und dank Globalisierung und Internet werden sie immer einfacher nutzbar.

Weshalb JEDE Steuererhöhung von dem schon hohen deutschen Niveau kontraproduktiv ist.

drawing_distinctions

23.09.2013, 19:57 Uhr

Überlegen wir einmal: Politik wie Ökonomie sollte, folgt man den Usancen einer wie auch immer gearteten Menschenwelt, von Menschen für Menschen gemacht sein.

Dessen bedarf es bislang kaum eines Ökonomen: eher im Gegenteil, als Zahler sog. AI kann ökonomisches Interesse eigtl nur sein, Menschen obsolet zu stellen: qed.

Ökonomisch klar.

Gesellschaftspolitisch, und das meint nicht nur Sozialpolitik, fragt man sich, was die Menschen eigtl mit einer Ökonomie wollen, die die Menschen (wir reden hier von bald 8 Milliarden Menschen all over the planet) als Kostenfaktor betrachtet.

Und was will eine Ökonomie, die mitunter auch an moderne Schweinemast erinnern könnte, eigtl. noch mit Menschen anfangen können?

Und was sollten, in den Augen von Ökonomen, Menschen eigtl von so einer Ökonomie zu erwarten haben?

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