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04.09.2013

20:18 Uhr

Ökostrom vs. Gaskraftwerke

Merkels Energiewende bedroht Stadtwerke

VonDietmar Neuerer, Klaus Stratmann

ExklusivDie Energiewende wird zur Bedrohung für die Stadtwerke. Viele stehen mit dem Rücken zur Wand, weil ihre Gaskraftwerke unwirtschaftlich geworden sind. Bei Stilllegungen müssen Kommunen bluten - und damit der Steuerzahler.

Das Gaskraftwerk Trianel in Hamm (Nordrhein-Westfalen). Die Stadtwerke Bochum sind über den Stadtwerkeverbund an dem Gaskraftwerk in Hamm beteiligt. Durch das Überangebot an erneuerbarer Energie wird das topmoderne Kraftwerk 2014 in die roten Zahlen rutschen. dpa

Das Gaskraftwerk Trianel in Hamm (Nordrhein-Westfalen). Die Stadtwerke Bochum sind über den Stadtwerkeverbund an dem Gaskraftwerk in Hamm beteiligt. Durch das Überangebot an erneuerbarer Energie wird das topmoderne Kraftwerk 2014 in die roten Zahlen rutschen.

BerlinDie Energiewende stellt die Stadtwerke vor Probleme. „Noch vor drei Jahren hat die Bundesregierung von der Energiebranche und gerade von den Stadtwerken gefordert, in neue Gaskraftwerke zu investieren. Für viele Stadtwerke war das ein Ansporn, einige haben ehrgeizige Investitionen getätigt und stehen jetzt vor einen Scherbenhaufen“, sagte Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), dem Handelsblatt.

Grund für die Entwicklung ist der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind- und Sonnenstrom fluten immer häufiger die Strombörse und drücken die Preise.  Gaskraftwerke kommen immer seltener zum Zuge. Nach Angaben des VKU sank die Auslastung kommunaler Gaskraftwerke mit einer Leistung von mindestens 20 Megawatt von 2010 bis 2012 um 24,4 Prozent.

Im vergangenen Jahr konnten die Kraftwerke nicht einmal ein Drittel ihrer möglichen Jahreslaufleistung ausschöpfen. Gerade neue Gaskraftwerke spielen damit ihre Kosten nicht mehr ein. Manches Stadtwerk sieht sich daher gezwungen, ein brandneues, hoch effizientes Gaskraftwerk stillzulegen.

„Für einzelne Kommunen ist die Entwicklung katastrophal. Ich denke da etwa an Städte im Ruhrgebiet, deren Haushaltslage ohnehin oftmals desolat ist“, sagte Reck. Es seien Verluste zu befürchten, die im Einzelfall locker zweistellige Millionenbeträge erreichen könnten. „Es drohen Kapitalerhöhungen, die die kommunalen Anteilseigner aus den kommunalen Haushalten stemmen müssen. Damit steht eine weitere Auszehrung der Finanzkraft vieler Städte bevor. Und es fehlt der entscheidende und oft einzige finanzielle Gestaltungsspielraum für Kommunen, etwa in der Jugend- oder Sportförderung“, sagt Reck. Der VKU fordert „kurzfristige Anreizstrukturen“, zum Beispiel über Förderprogramme, damit bestehende hocheffiziente Kraftwerke weiter laufen oder neue gebaut werden könnten.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte-und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, warnte bereits vor möglichen Stromengpässen, sollten die Stadtwerke als Betreiber von Gaskraftwerken durch die Energiewende weiter in die Enge getrieben werden. „Die dramatische Situation der hocheffizienten und klimafreundlichen Gaskraftwerke zeigt einmal mehr den dringenden Reformbedarf bei der Energiewende“, sagte Landsberg Handelsblatt Online. „Dies gilt umso mehr, als ein Blackout in Deutschland oder in Teilen unseres Landes  - auch wenn er nur wenige Stunden dauern sollte – zu Milliardenverlusten führen kann.“

Kommentare (46)

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Account gelöscht!

04.09.2013, 20:44 Uhr

Stadtwerke, also öffentlich-rechtliche Betriebe, also der Staat, sollte nicht jammern. Mit Freude sollte er der Enegiewende folgen. Schließlich haben die "klugen" Politkasper die Risiken eingekauft, seinerzeit. Wozu brauchten Stadtwerke jemals Gaskraftwerke???

Die große Konzerne sind echt zu bedauern: Die wurden seinerzeit gezwungen, die Netzstabilität (auch) mittels Gaskraftwerken herzustellen. DIE stehen jetzt dumm da, denn die haben mehr und größere Gaskraftwerke bauen MÜSSEN.

Wieso aber produzieren Kommunen Strom?? Hat Breme auch Würstchenbuden zum Geldverdienen aufgestellt? Oder produziert die Stadt Christbaumkugeln??

Klar, muss sie nicht. Gaskraftwerke braucht auch NIE jemals eine Stadt! Das waren politische Fehlentscheidungen, für die nun Bürger zahlen müssen!

PeterF

04.09.2013, 20:45 Uhr

Das sind die Folgen wenn eine Ethikkomission, Sozialarbeiter, Theologen, Philosophen, Politologen, Rechtsanwälte,Finanzbeamte und Lehrer Energiepolitik betreiben. Die Städte haben jedoch auch nach den subventionierten Erneuerbaren mit Abnahmegarantie geschrien, jetzt schreien sie nach Subventionen für ihre Gaskraftwerke. Man kann es einfach nicht mehr fassen zu welchen Irrenhaus Deutschland verkommen ist, Weltsozialamt, Euro, Roma- und Sintierholungsheim, weltgrößtes Einwanderungsland u.s.w.. Man kann nur hoffen das die AfD mit genügend Stimmen ins Parlament einzieht und eine schlagkräftige Opposition mit Sachverstand bildet.

Account gelöscht!

04.09.2013, 20:48 Uhr

So geht deas halt, wenn Kommunen in das Wettbewerbsgeschäft einsteigen: Irgendwann geht es schief. Immer. Auch wenn es dauert, aber es geht schief.

Was Unternehmen erledigen können, sollte der Staat bleiben lassen! Der Energiemarkt isch schon in Schieflage und wird durch die sogenannte Energiewende zum Desaster. Absehbar! Eine Tragödie klassischen Ausmaßes: Man sieht wie es schief läuft, es ist absehbar, nimmt seinen Lauf und niemand stoppt das Desaster.

(Aber ist je ein guter Zweck. Für das Klima. Redet sich der Michel ein und wählt Grün. Also selber schuld.

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