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05.09.2014

15:40 Uhr

Ökostromausbau

EEG-Umlage könnte 2015 erstmals sinken

Seit ihrer Einführung stieg die EEG-Umlage von 0,19 Cent je kWh auf mittlerweile 6,24 Cent. Im nächsten Jahr könnte sie zum ersten Mal sinken. Das derzeitige Plus geht auf verschiedene Ursachen zurück.

Laut Experten soll die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr sinken. dpa

Laut Experten soll die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr sinken.

FrankfurtDie Umlage zur Finanzierung des Ökostromausbaus dürfte 2015 zum ersten Mal sinken. Es sei mit einem leichten Rückgang der Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) im kommenden Jahr zu rechnen, hieß es am Freitag aus Kreisen der Übertragungsnetzbetreiber, die damit einen Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bestätigten. In den vergangenen Jahren war die Umlage rasant angestiegen.

Ende August wies das Ökostromkonto der vier Übertragungsnetzbetreiber einen Überschuss von 1,506 Milliarden Euro aus. Schon im Juli hatte sich ein Plus von 1,063 Milliarden Euro angehäuft. Im August vergangenen Jahres hatte dort noch ein Defizit von 2,288 Milliarden Euro gestanden.

Das derzeitige Plus führen die deutschen Netzbetreiber Kreisen zufolge auf verschiedene Ursachen zurück. Die Netzbetreiber hätten auf ihrem Umlagen-Konto 2013 noch „ein großes Defizit mitgeschleppt“. Das sei 2014 nicht mehr der Fall. Schließlich sei in diesem Jahr witterungsbedingt weniger Strom aus Wind- und Sonnenenergie eingespeist worden, was die auszuzahlende Fördersumme drücke. Zudem sei ein Teil des August-Überschusses auf eine Buchungsumstellung beim Übertragungsnetzbetreiber Tennet zurückzuführen, sagte eine Tennet-Sprecherin. Einzelne Auszahlungen seien von August in den September verschoben worden. „Das ist ein einmaliger Sondereffekt“, sagte die Sprecherin, ohne Angaben dazu zu machen, um wie viel Geld es sich handele.

Der mögliche Rückgang der Umlage sei „eine gute Nachricht für die Stromverbraucher“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer. Das Geld müsse nur auch an die Verbraucher zurückgegeben werden.

Beschlüsse zu Ökostromgesetz und Industrierabatten

Ausbau-Ziele

Der Ökostrom-Ausbau soll gezielter gesteuert werden: Bis 2025 soll er einen Anteil von 40 bis 45 Prozent am Verbrauch erreichen, bis 2035 von 55 bis 60 Prozent. Jährlich sollen maximal 2500 Megawatt Solar- und Windenergie an Land neu gebaut werden, sonst greifen Extra-Förderkürzungen. Beim Wind darf zusätzlich Ersatz für abgerissene Windräder installiert werden. Der Bau von Biogas-Anlagen soll drastisch auf 100 Megawatt begrenzt werden, da diese als teuer gelten und Mais-Monokulturen fördern. Mais ist Rohstoff für Biogas.

Wind auf hoher See

Bis 2020 sollen 6,5 Gigawatt installiert und bis 2030 dann 15 Gigawatt in Nord- und Ostsee gebaut werden. Dies ist weniger als früher vorgesehen. Dafür wurden aber die Förderkonditionen noch einmal vor allem auf Druck der Küstenländer leicht verbessert.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Strom aus Neuanlagen sollen – bis auf Solar – überall nochmals gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis um 10 bis 20 Prozent schrumpfen. Bei Biogas wird eine Reihe von Zuschlägen gestrichen.

Ökostrom-Vermarktung

Bislang verkaufen die Netzbetreiber die Energie an der Börse für die Anlagenbetreiber, diese erhalten wiederum auf 20 Jahre festgelegte Abnahmepreise. Künftig muss Strom aus allen größeren Anlagen selbst verkauft werden. Dazu gibt es eine Prämie, die die Lücke zu den garantierten Tarifen schließt. Ab 2017 soll die Prämie vorab als Aufschlag auf den Marktpreis per Auktion für Investoren festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag zum Bau eines Windparks oder einer Solar-Freiflächenanlage. Der Investor hat nun das Risiko sinkender und die Chance steigender Börsenpreise.

Industrie-Rabatte

Die EU hatte die Rabatte der Industrie von über fünf Milliarden Euro auf die Umlage der Verbraucher, mit der die Ökostrom-Förderung bezahlt wird, als verbotene Beihilfe angegriffen. Die jetzt erreichte Einigung wird im Mai verankert: Für 65 energieintensive Branchen werden 15 Prozent der Umlage fällig, aber nur bis zu einer Obergrenze von vier Prozent gemessen an der Bruttowertschöpfung des jeweiligen Unternehmens. Bei besonders großen Verbrauchern - etwa Aluminium- oder Stahlbetrieben - kann die Grenze bis auf 0,5 Prozent sinken. Unternehmen, die schon vor 2012 Rabatte bekommen hatten, aber nun nicht mehr unter die Kriterien fallen, müssen 20 Prozent der Umlage zahlen.

Rabatt-Rückzahlungen

Dass Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in den Genuss der Rabatte gekommen sind, zu Rückzahlungen verpflichtet werden, konnte die Bundesregierung verhindern. Zudem sollen Übergangsregelungen für die neuen EU-Bedingungen möglich sein, die sich bis 2018 erstrecken dürfen.

Eigenstrom

Von der Industrie selbst erzeugter Strom bleibt von der Umlage komplett befreit. Neue Anlagen werden bei Handel und Gewerbe mit der Hälfte und bei der übrigen Industrie mit maximal 15 Prozent belastet. Ein Viertel des Industriestroms erzeugen die Betriebe selbst.

Bahn

Die Deutsche Bahn als größter deutscher Stromverbraucher muss nach Sonderregeln nun 20 Prozent der Umlage zahlen. Der Konzern hatte angekündigt, Belastungen auf die Ticketpreise umzulegen.

Strompreise für Haushalte

Die Regierung macht nach den Reformen keine Hoffnung auf sinkende Strompreise, will die Umlage zur Ökostrom-Förderung auf den Rechnungen aber zumindest stabil halten. Da die Industrie unterm Strich sich nach dem EU-Kompromiss nicht mehr an der Umlage beteiligt, wird dies den Privatverbraucher auch nicht entlasten. Die Umlage beträgt 6,24 Cent pro Kilowattstunde oder gut 200 Euro im Jahr für den Durchschnittshaushalt.

Zeitplan

Das Gesetz soll bis Ende Juni den Bundestag passieren und im Juli den Bundesrat. Damit soll es Anfang August in Kraft treten.

Die EEG-Umlage wird seit dem Jahr 2000 zur Förderung von Ökostrom-Anlagen erhoben. Sie stieg seit Einführung von 0,19 Cent je kWh auf mittlerweile 6,24 Cent. Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden Strom zahlt damit für 2014 netto 218,40 Euro an Ökostrom-Umlage. Ihre genaue Höhe wird jedes Jahr Mitte Oktober festgelegt.

Den zuletzt rasanten jährlichen Anstieg der Umlage will die Bundesregierung mit der im August in Kraft getretenen EEG-Reform bremsen. Dazu sinken ab 2015 die Fördersätze für neue Anlagen und der jährliche Zubau wird gedeckelt. Kritiker bezweifeln aber, dass die Anlagenzahl die entscheidende Ursache für die steigende Umlage ist. So erhöhe die Befreiung von Teilen der deutschen Industrie die Abgabe für den Rest der Zahler. Das namhafte Öko-Institut wies außerdem darauf hin, dass die hohe Umlage wesentlich auch durch die zuletzt stark gesunkenen Strompreise an den Großhandelsbörsen zustande kam.

Das Öko-Institut war es auch, das gemeinsam mit der Denkfabrik Agora Energiewende schon Ende Mai prognostiziert hatte, dass die Umlage für 2015 sinken könnte. Sie könne in einen Bereich zwischen 5,8 und 6,2 Cent je kWh zurückgehen, hatten die Experten vorhergesagt. Ursache dafür sei ein Einmal-Effekt: Prognosefehler der vergangenen Jahre, die damals zu den hohen Defiziten auf dem EEG-Konto geführt hätten, seien über einen Sonder-Zuschlag auf die Umlage 2014 korrigiert worden. Dieser Zuschlag könne von 2015 an wieder entfallen.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Friedrich Kunz

05.09.2014, 17:25 Uhr

Wer glaubt noch an den Weihnachtsmann? Stromerzeuger oder Herr Schäuble finden bestimmt einen Weg, eine evt. Senkung der EEG-Umlage ja nicht den Verbrauchern zugute kommen zu lassen.

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