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16.02.2016

12:59 Uhr

Oettinger zur AFD-Chefin

„Würde mich erschießen, wenn Petry meine Frau wäre“

Günther Oettinger sorgt mit einem pikanten Gedankenspiel für Wirbel: Was wäre, wenn er mit AfD-Chefin Frauke Petry verheiratet wäre. Seine Antwort fällt drastisch aus.

Der deutsche EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft provoziert mit seinen Äußerungen zur AfD-Chefin. dpa

Günther Oettinger

Der deutsche EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft provoziert mit seinen Äußerungen zur AfD-Chefin.

BerlinEU-Kommissar Günther Oettinger hat mit drastischer Kritik an AfD-Chefin Frauke Petry für Aufsehen gesorgt. „Wenn die komische Petry meine Frau wäre, würde ich mich heute Nacht noch erschießen“, sagte der CDU-Politiker auf einer Veranstaltung in Berlin, wie Teilnehmer am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Über die Äußerung des für Digitales zuständigen EU-Kommissars hatte zuerst der Deutschlandfunk berichtet. Sie fiel am Montagabend auf einer von Microsoft Deutschland organisierten Podiumsdiskussion.

Oettinger nahm seine Äußerung am Dienstag nicht zurück. „Die Aussage der Vorsitzenden der AfD, dass man die Grenzen schützen müsse und nötigenfalls auch Waffengewalt anwenden sollte, wenn es um Flüchtlinge geht, halte ich für menschenverachtend und unmöglich“, sagte er vor Journalisten in Berlin. „Diese Frau ist eine Schande für die deutsche Politik - und das habe ich deutlich gesagt.“

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Auf Oettingers Äußerung wollte Petry erst nicht reagieren: „Nein, sie amüsiert sich still“, sagte AfD-Sprecher Christian Lüth auf Nachfrage. Gegenüber „Bild“ äußerte sich die AfD-Chefin dann doch: „Herr Oettinger, Ihr Kopfkino ist unappetitlich. Ich frage mich, was Ihre Frau wohl dazu sagt.“ In der CDU sehe man die Ehe offenbar nur noch als „Weg in den Selbstmord“, fügte sie hinzu.

Auch der thüringische AfD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Björn Höcke, der den Petry-Gegnern zugerechnet wird, nahm Stellung. „Dass sich ein EU-Kommissar und ehemaliger Ministerpräsident der CDU zu solchen niveaulosen, persönlich beleidigenden Äußerungen gegenüber der AfD-Parteivorsitzenden versteigt, markiert einen neuen Tiefpunkt der politischen Auseinandersetzung mit der AfD“, sagte Höcke. „Abendländische Benimmregeln – gerade Frauen gegenüber – sollten auch für Herrn Oettinger selbstverständlich sein.“

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