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27.04.2011

14:35 Uhr

Offene Stellen

Arbeitskräftenachfrage steigt auf Rekordhoch

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steigt auch die Nachfrage nach Fachkräften. Die Zahl der offenen Stellen ist mittlerweile auf Rekordniveau gestiegen. Firmen suchen händeringend nach Spezialisten.

Die deutsche Wirtschaft sucht weiter Fachkräfte. Quelle: dpa

Die deutsche Wirtschaft sucht weiter Fachkräfte.

Nürnberg/Berlin Deutsche Unternehmen suchen derzeit so viele Arbeitskräfte wie schon lange nicht mehr. Die Zahl der offenen Stellen sei im April auf ein Rekordniveau gestiegen, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch bei der Bekanntgabe ihres monatlichen Beschäftigungsindexes BA-X mit. „Der wirtschaftliche Aufschwung schlägt sich damit erneut in einem Plus der Kräftenachfrage nieder, die bereits auf hohem Niveau lag“, betonte die Nürnberger Bundesbehörde. Allerdings habe sich das Wachstumstempo im Vergleich zum Jahresanfang 2011 etwas verlangsamt.

Die Betriebe seien weiterhin entschlossen, zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen; inzwischen hätten manche Unternehmen bereits Probleme, genügend qualifizierte Fachkräfte zu finden, berichtete die Bundesagentur. Großen Bedarf meldeten besonders Zeitarbeitsunternehmen an; etwa jede dritte freie Stelle komme aus dieser Branche. Aufgrund dieser Entwicklung kletterte der monatlich von der Bundesagentur ermittelte Stellenindex im April um zwei Punkte auf einen Wert von 167. Dies sind 37 Zähler mehr als vor einem Jahr.

Volkswirte deutscher Großbanken rechnen derweil mit einer Fortsetzung des Arbeitsaufschwungs in den kommenden Monaten; allerdings könnte sich das Aufschwungstempo im Laufe des Jahres etwas verlangsamen. „Die Dynamik am Arbeitsmarkt wird etwas nachlassen, insgesamt wird die positive Entwicklung aber weitergehen“, erwartet etwa Deutsche Bank-Volkswirt Stephan Schneider.

Zugleich weisen die Volkswirte auf zahlreiche Risiken hin, die mit gewisser zeitlicher Verzögerung auf den Arbeitsmarkt durchschlagen könnten. Neben den steigenden Öl- und Rohstoffpreisen schwebten steigende Inflation und die Eurokrise wie Damoklesschwerter über Konjunktur und Arbeitsmarkt, meinte etwa der HypoVereinsbank-Volkswirt Alexander Koch. So müsse verhindert werden, dass sich die Finanzkrise in den EU-Ländern Griechenland, Irland und Portugal zu einem „zweiten Lehman“ entwickelt.

Die Gefahr, dass Lieferengpässe aus Japan als Folge der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe schon bald in Deutschland Arbeitsplätze kosten könnten, hält Stephan Schneider von der Deutschen Bank für unwahrscheinlich. „Wenn man überlegt, dass die Firmen während der schweren Finanzkrise ihre Leute im Unternehmen gehalten haben, werden sie bei einem so temporären Problem wie Lieferengpässe aus Japan sicher keine Leute entlassen“, meinte er.

Für den April haben die Arbeitsmarktexperten einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um rund 100.000 auf 3,11 Millionen errechnet. Dies wären knapp 300.000 weniger als vor einem Jahr. Einige Volkswirte erwarten einen etwas stärkeren, andere einen etwas geringeren Rückgang der April-Arbeitslosigkeit. Im Schnitt der vergangenen drei Jahre ist die April-Arbeitslosigkeit um rund 85.000 zurückgegangen.

Rolf Schneider von der Allianz rechnet damit, dass die psychologisch wichtige Drei-Millionen-Marke bereits im Mai wieder unterschritten wird. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur an diesem Donnerstag veröffentlichen.

Kommentare (7)

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27.04.2011, 12:42 Uhr

Speziell im Anschlußgebiet kann kein Fachkräftemangel herrschen.
So pendeln z.B. aus Sachsen jedes Wochenende Zehntausende nach Bayern und BW. Sie machen das sicherlich nicht zum Spaß, sondern aufgrund der besseren Arbeitsbedingungen.
Sie liegen die Löhne in Sachsen oft noch 30% unter dem in Bayerb üblichen Niveau, die Arbeitszeiten sind ebenfalls viel länger. Weiterhin wird auch viel mehr von den Arbeitnehmern erwartet: z.B unbezahlte Überstunden etc.

Ein deutlichen Zeichen , daß es sich beim sog. Fachkräfetmangel eher um eine Lüge handelt, sind auch die zahlreichen Stellenangebote der Sklavenhändler. Kein normal denkender Mensch würde über eine Leiharbeitsfirma zu Niedrigstlöhnen arbeiten, wenn es ausreichend Stellenangebote gäbe.

Nein, wir haben keinen Fachkräftemangel, sondern zu geringe Einkommen. Ordentliche Bezahlung und schon bleiben die menschen im Lande oder qualifizieren sich. In den vergangenen Jahren wurde man jedoch vom gegenteil überzeugt. Und so wird in Österreich, Schweiz und in Skandinavien gearbeitet. Dort ist man Mitarbeiter, nicht Kostenfaktor.

Im Übrigen herrscht doch angeblich Marktwirtschaft. In den letzten Jahren wurde immer erklärt die niedrigenLöhne kommen durch die geringe Nachfrage und das hohe Angebot. Nun ist es eben andersherum. Und die Unternehmen, die in Ihre MA investiert haben bleiben, die anderen müssen nehmen was übrig bleibt.

RalphFischer

27.04.2011, 12:47 Uhr

Jedes 3. Stellenangebot ist Zeitarbeit ?
Was wird denn da alles mit eingerechnet, um die Statistik so schön hinzubiegen ?

Wenn ich als Facharbeiter nach freien Elektrikerstellen suche, dann ist vielleicht eine von 20 Stellen eine "echte" Stelle.

Spezialist

27.04.2011, 13:01 Uhr

Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen.
Bei guten Angeboten sind 40 Bewerber und mehr auf eine Stelle, sogar in Ostdeutschland, möglich.
Schaut man sich die regulären Stellenangebote an, so entdeckt man 2-3 Stellenbeschreibungen, die eine Arbeitskraft abdecken soll. Solche Angebote bleiben dann oft monatelang offen. Man wird nicht schlau, was denn diese "Arbeitgeber" nun wollen.
Vermutlich wollen sie Masochisten. Dann sollte das auch so angegeben werden. Aber solange das die "Fachkräfte" ohne zu murren mitmachen, wird sich auch nichts ändern.

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