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23.08.2012

20:46 Uhr

Offizielle Anfrage

Peres bittet um Schutz von Beschneidungen

Die Diskussion um die Beschneidung von Jungen erreicht höchste diplomatische Kreise. Nun hat den israelische Staatspräsident Schimon Peres seinen Amtskollegen Gauck gebeten, das religiöse Ritual zu schützen.

Israels Staatspräsident möchte die rituelle Beschneidung in Deutschland schützen lassen. dpa

Israels Staatspräsident möchte die rituelle Beschneidung in Deutschland schützen lassen.

JerusalemDer israelische Staatspräsident Schimon Peres hat den deutschen Staat gebeten, das Ritual der Beschneidung zu schützen. In einem am Donnerstag in Jerusalem veröffentlichten Brief an Bundespräsident Joachim Gauck verwies er darauf, dass die Beschneidung von Jungen ein wichtiger, seit Tausenden Jahren im Judentum praktizierter Brauch sei. Er begrüßte die Ankündigung des Berliner Justizministeriums, im Herbst einen Gesetzentwurf zum Schutz des Brauchs vorzulegen.

Auch im Deutschen Ethikrat zeichnet sich eine Mehrheit für eine gesetzliche Erlaubnis von Beschneidungen mit Betäubungsvorschrift ab. In einer öffentlichen Sitzung des Beratergremiums von Bundestag und Bundesregierung sprachen sich am Donnerstag Juristen, Theologen und Mediziner für eine solche rechtliche Regelung aus. Auch der jüdische Vertreter im Ethikrat, der Medizinprofessor Leo Latasch, zeigte sich offen für lokale Betäubungen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) reagierte entsetzt.

Latasch sowie das muslimische Mitglied im Ethikrat, der Mainzer Medizinethiker Ilhan Ilkilic, hoben die herausragende Bedeutung der Beschneidung im Verständnis beider Religionen hervor. Der Kölner Strafrechtsprofessor Wolfram Höflin plädierte für "eine Anerkennung der Beschneidung als Elternrecht", allerdings unter der Bedingung, dass diese "fachgerecht" und "schmerzvermeidend" vorgenommen werde.

Latasch betonte, die Gabe von "Zäpfchen gegen Schmerzen", betäubenden Salben sowie "Lokalanästhetika im Lendenbereich" seien in Deutschland bei Beschneidungen bereits heute üblich. Er verwies zugleich darauf, dass es "keine einzige Untersuchung" gebe, die nachweise, dass eine Beschneidung zu einem Trauma führe. Er zeigte sich überzeugt davon, dass das Bundesjustizministerium einen für Juden zustimmungsfähigen Vorschlag vorlegen werde.

Nach umstrittenem Urteil: Ärztepräsident Montgomery rät von Beschneidungen ab

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Der Hamburger Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel betonte in der Sitzung, eine Beschneidung ohne Betäubung halte er "für rechtlich wie ethisch inakzeptabel". Diese dürften nicht erlaubt werden. Er fügte hinzu, "ohne Anästhesie ist eine Beschneidung nicht nur schmerzhaft, sondern qualvoll". Aus seiner Sicht wäre nur eine Vollnarkose "wirklich effizient". Diese sei aber nach einhelliger medizinischer Überzeugung für Neugeborene zu gefährlich sei. Merkel äußerte sich grundsätzlich skeptisch zu einem Recht auf frühkindliche Beschneidung. Er warnte vor einem "jüdisch-muslimischen Sonderrecht" und einem "Sündenfall des Rechtsstaates".

Der Ärzteverband BVKJ sprach von einem Skandal. "Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit haben bei der heutigen Entscheidung offenbar keine Rolle gespielt", sagte BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Das erst im Januar in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz schütze muslimische und jüdische Kinder nicht. "Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit ist offenbar zweitrangig. Das ist ein Skandal", sagte Hartmann weiter.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

23.08.2012, 21:25 Uhr

Den Deutschen wurde jahrzehntelang jedes Problem der Welt beigebracht, dass man sich menschlich damit zu beschäftigen hat mit Toleranz, Menschenrechten, Ablehnung von Gewalt, Rechtstaatlichkeit und allem Gutdünkertum bei gleichzeitiger Nazi-Keule, die wir immer auf den Kopf bekommen.

Und da wundert man sich, dass die Deutschen aufhorchen beim Thema Beschneidung ? Hier geht es doch um Menschrechte und Ablehnung von Gwalt sowie um den Schutz des Heranwachsenden. Wir wurden als Deutsche so erzogen von den Medien, GEZ-TV usw. Frau Merkel beschimpft uns als "Komiker-Nation" wenn wir wagen über den Sinn un die Erlaubnis von Beschneidungen zu diskutieren.

Wir sind doch deutsche Lemminge. Alles Böse lehnen wir ab und stehen wehrlos in eine Reihe mit Kerzen in der Hand.


http://www.n-tv.de/politik/Arzt-zeigt-Beschneider-an-article7032546.html

"Nicht einwilligungsfähige Säuglinge an nicht sterilen Plätzen von nicht-ärztlich ausgebildetem Personal ohne vorbeugende infektionsverhindernde Massnahmen und ohne Betäubung". Muss nicht auch sowieso die entfernte (Vorhaut)-Falte zusammengenäht (!!) werden nach dem Abschneiden ? Weiss das ein Medinziner der hier kommentieren kann ? Ich meine ja. Nach dem Abtrennen der Vorhaut ist doch die Eichel rundherum frei geschnitten (kreisrunde, offene Infektionsquelle entsteht) und hat keine Verbindung mehr zur eigentlichen Haut des Genitals. Wahrscheinlich entsteht eine breite, kreisrunde Narbe ohne Vernähen und verminderte Sensiblität der Eichel später beim Sex. Na ja, fragen kann man den Säugling ja noch nicht.

Für Frau Merkel sollen die Deutschen zur religiös-inspirierten Beschneidung "ja" sagen dazu sonst sind wir eine "Komiker-Nation". Alles "Komiker" in der S-Bahn morgens, die noch zur Arbeit fahren in der früh !

Ich weiss nicht, wie ein akzeptables Gesetz dazu aussehen könnte, bin gespannt drauf.

DieterR

23.08.2012, 21:29 Uhr

Despoten möchten weiterhin "Hexen" verbrennen.
Man gibt "Hexen" jetzt aber angemessenen Schmerzmitteln.
500 Jahre später, kein bisschen intelligenter.

Verdammt sollen alle Fanatiker sein, die das Leben von hilfslosen Menschen, Kleinkinder, bestimmen wollen.

Account gelöscht!

23.08.2012, 21:33 Uhr

Hier ein Brief dagegen (hoffentlich kriegen die keine Telefon-Anrufe von Regierungsvertretern demnächst):

"...
Um eine ausgewogene Lösung zu finden, sollten Sie sich Zeit nehmen für eine Diskussion, die alle Aspekte berücksichtigt. Das Thema Beschneidung ist zu sensibel für politische Schnellschüsse.

Düsseldorf, den 21.7.2012
Professor Dr. med. Matthias Franz, Universität Düsseldorf

..." Arzt-Liste der Unterstützer.

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/offener-brief-zur-beschneidung-religionsfreiheit-kann-kein-freibrief-fuer-gewalt-sein-11827590.html

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