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23.12.2011

21:26 Uhr

Olaf Glaeseker

Wulffs Sprecher soll über Gratisreisen gestolpert sein

Die Hoffnung auf ein rasches Ende der Kredit-Affäre hat sich bislang nicht erfüllt. Jetzt macht Wulffs geschasster Sprecher Schlagzeilen. Die Opposition sieht weiter Aufklärungsbedarf.

Ehepaar Wulff mit Sprecher Glaeseker im Sultanat Oman: Berichte über Gratis-Reisen. dpa

Ehepaar Wulff mit Sprecher Glaeseker im Sultanat Oman: Berichte über Gratis-Reisen.

BerlinAuch nach der persönlichen Erklärung von Bundespräsident Christian Wulff zum Umgang mit dem Kredit für sein Privathaus geht die Debatte um ein mögliches Fehlverhalten weiter. Wegen angeblicher Gratisreisen kam sein bisheriger Sprecher Olaf Glaeseker am Freitag unter Druck. Wulff hatte seinen langjährigen Vertrauten am Vortag ohne Angaben von Gründen entlassen.

Nach einem Bericht von „stern-online“ ist Glaeseker offenkundig über kostenlose Urlaubseinladungen des Partymanagers Manfred Schmidt gestürzt. Glaeseker habe in seiner Zeit als Regierungssprecher in Niedersachsen mehrfach mit seiner Frau Ferien in Immobilien des Unternehmers in Spanien und Südfrankreich gemacht. In dieser Zeit sei Glaeseker auch mit Veranstaltungen Schmidts befasst gewesen. Zuletzt im Dezember 2009 seien mit einem von dem Kölner PR-Unternehmer organisierten Event die guten Beziehungen zwischen Niedersachsen und Baden-Württemberg gefeiert worden.

Wulffs Urlaubs-Freunde

Edith und Egon Geerkens

Egon Geerkens hat erst mit Schrott und dann mit Schmuck sein Vermögen gemacht. 2009 verbrachten Christian und Bettina Wulff ihren Weihnachtsurlaub in der Villa des Unternehmerehepaares in Florida. Geerkens sei zum Zeitpunkt der USA-Reise zum Jahreswechsel 2009/2010 nicht mehr unternehmerisch tätig gewesen. Aber auch schon 2003 und 2004 machte Wulff nach der Liste seiner Anwälte mit seiner damaligen Frau Christiane beim Ehepaar Geerkens in Spanien Urlaub. Der Bundespräsident ist mit dem medienscheuen Unternehmer seit vielen Jahren befreundet. Das Paar lebt inzwischen in Luzern in der Schweiz. In Osnabrück hatte Egon Geerkens zuletzt ein Schmuckgeschäft und mehrere Immobilien.

Wolf-Dieter Baumgartl

Der 68-Jährige Manager gilt als einer der wichtigsten Köpfe in der deutschen Versicherungsbranche. 1993 wurde er Vorstandschef des Versicherers HDI in Hannover, den er erfolgreich umbaute und auch durch Übernahmen vergrößerte. Baumgartl schuf den heute drittgrößten deutschen Versicherungskonzern Talanx. 2006 übernahm er den Talanx-Aufsichtsratsvorsitz. In einem Anwesen Baumgartls in Italien hatte sich Wulff mit seiner Frau im Jahr 2008 aufgehalten.

Angela Solaro und Volker Meyer

Über die beiden ist in der Öffentlichkeit nur sehr wenig bekannt. Das ältere Paar lebt auf der Nordsee-Insel Norderney, einem der liebsten Urlaubsziele von Wulff. Er soll dass Paar schon besucht haben, als er noch Landesvorsitzender der Jungen Union in Niedersachsen war. Womit die langjährigen Freunde ihr Geld verdienen, ist unklar. Laut Medien besitzen sie ein Süßwaren-Spezialitätengeschäft und vertreiben Feinkost. 2008 und 2009 hatte die Familie Wulff das Ehepaar auf Norderney besucht.

Carsten Maschmeyer

Der Unternehmer gilt als schillernde Persönlichkeit und begnadeter Verkäufer. Nach dem Abbruch eines Medizinstudiums gründete der 52-Jährige den Finanzdienstleister AWD und machte Millionen. 2007 übernahm der Versicherer Swiss Life den AWD. Maschmeyer, der mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist, gilt als wichtige Figur eines einflussreichen Kreises in Hannover aus Unternehmern, Politikern und anderen Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Sport. Er gilt als Freund sowohl von Altkanzler Gerhard Schröder als auch von Bundespräsident Christian Wulff. Wulff machte 2010 Urlaub in einem Appartement einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca.

Die niedersächsische Staatskanzlei bestritt, dass sie in Wulffs Amtszeit an der Sponsorenwerbung für privat organisierte Veranstaltungen von Politikern und Unternehmern beteiligt gewesen sei. Dies berichtete das Magazin „Der Spiegel“ mit Blick auf eine Reihe von Zusammenkünften unter dem Titel „Nord-Süd-Dialog“.

Regierungssprecher Franz Rainer Enste sagte dazu, weder Wulff noch Glaeseker hätten für die Prominenten-Party von Niedersachsen und Baden-Württemberg in den Jahren 2007 bis 2009 Sponsoren geworben. „Nach meinen Unterlagen nicht“, fügte er hinzu. Wulff sei Schirmherr der Party gewesen. Glaeseker habe in seiner damaligen Funktion das Event „federführend betreut“ und als „Klammer“ zum Hauptorganisator Schmidt gedient.

In seiner Weihnachtsansprache, die am Sonntag über Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlt wird, ging Wulff nicht auf die Vorwürfe gegen seine Person ein. In der kurzen Rede rief das Staatsoberhaupt zur Verteidigung der Demokratie gegen Extremisten auf und erteilte europakritischen Kräften eine klare Absage.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

23.12.2011, 22:01 Uhr

Die Medien haben den Auftrag, Wulff solange zu befeuern, bis er geht.

Dann kommt EU-Posse van Rompuy auf seinen Platz. Der unterschreibt wenigstens alle Deutschland-Enteignungsgesetze ohne Murren und löst Deutschland auf für die EU-Fiskal-Union. Garantiert ! :o)

Alf

23.12.2011, 22:06 Uhr

Wie der Bauer so sein Vieh!

Die Volksvertreter verkörpern, sind Spiegelbild das Volkes.
Sitte, Anstand, Selbstkontrolle, Rückgrad, Fainess, Charkter etc. sind allgemein Fremdwörter in dieser Gesellschaft, wird nicht mehr gelebt.

Gier, Charakterlosigkeit, Inkompetenz insbesondere bei den "Volksvertretern" , Lobby, Justiz, Rechtsvertretern sind an der Tagesordnung, weil vor dem Gesetz sind alle gleich, für diese Parasiten ausser Kraft gesetzt wurde.

Wie gesagt: Der Fisch stinkt vom Kopf her, diese Eiterbeulen stinken zum Himmel, müssen abgescnitten werden, befor alles infiziert ist!

alex

23.12.2011, 22:46 Uhr

einigkeit statt recht und freiheit

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