Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2011

10:45 Uhr

Opposition macht Druck

Guttenberg-Affäre wird zur Zukunftsfrage für Merkel

ExklusivDie Opposition fordert von der Kanzlerin die Entlassung von Verteidigungsminister zu Guttenberg: Sein Verbleib im Amt kann für die Regierung sonst zum Bumerang werden.

Merkel und Guttenberg im Bundestag: Droht eine Regierungskrise? Quelle: dpa

Merkel und Guttenberg im Bundestag: Droht eine Regierungskrise?

Berlin/DüsseldorfDie Schummel-Affäre um Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist nach Ansicht des SPD-Innenexperten Sebastian Edathy inzwischen auch zu einer Zukunftsfrage für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geworden. „Da Minister Guttenberg seinen fälligen Rücktritt verweigert, trägt jetzt für seinen skandalösen Verbleib im Amt die Kanzlerin die volle Verantwortung“, sagte Edathy Handelsblatt Online. Merkels Entscheidung, Guttenbergs Entlassung abzulehnen, bringe sie für den Fortgang der Affäre in „Mithaftung“, betonte das SPD-Fraktionsvorstandsmitglied und fügte hinzu: „Es kann durchaus sein, dass sich das kurzsichtige Spielen auf Zeit mittelfristig bitter rächen wird.“

Ähnlich äußerte sich Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Guttenberg in einer Situation, in der die Bundeswehr komplett umgebaut werden muss, im Amt zu lassen, „ist die blanke Verantwortungslosigkeit der Kanzlerin“, sagte Trittin der „Passauer Neuen Presse“. „Ein erfolgreicher Hochstapler hat keine Nachsicht verdient.“ Der Fall zu Guttenberg sei jetzt „eine Causa Merkel“. Es müsse immer noch geklärt werden, ob der CSU-Politiker „sich nicht strafbar gemacht hat. In vergleichbaren Fällen hat es Anklagen und Verurteilungen gegeben“.

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte Aufklärung über wirtschaftliche Verflechtungen zwischen der Familie Guttenberg und der Universität Bayreuth. „Das wird das Parlament sehr intensiv interessieren“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. Wiefelspütz schloss auch die Forderung nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss nicht aus. „Da muss Klarheit her.“

Nach Ansicht des Parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen, Volker Beck, könnten finanzielle Verflechtungen „eine Erklärung dafür sein, warum die Universität Bayreuth so schnell und ohne Prüfung einer vorsätzlichen Täuschung über die Aberkennung des Doktortitels entschieden hat“. Dies sei in Guttenbergs Interesse, sagte Beck der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Ähnlich äußerte sicht der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Florian Pronold. „Vielleicht hat deswegen auch die Universität vermieden, sich überhaupt zum Täuschungsvorwurf durch Herrn Guttenberg zu äußern“, sagte er Handelsblatt Online. „Bisher stand die Promotionsarbeit von Herrn Guttenberg unter dem Motto „Alles nur geklaut“, jetzt kommt noch der Verdacht der Käuflichkeit hinzu.“

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

25.02.2011, 08:58 Uhr

Was brachte Herrn Prof. Andreas Fischer Lescano, Uni Bremen,
Gründungsmitglied und Kuratoriumsmitglied des linksorientierten ISM = Institut Solidarische Moderne, dazu
ausgerechnet eine 3 -4 Jahre alte Doktorarbeit von Herrn zu Guttemberg zu "rezensieren" ??? Normalerweise würde das niemand mehr interessieren.
Warum stellt sich niemand von Presse, Rundfunk und Fernsehen diese Frage ???
Unabhängig davon ist es korrekt, dass die Uni Bayreuth zügig gehandelt und die Doktorwürde hier aberkannt hat.

Schmidt2011

25.02.2011, 09:28 Uhr

Bemerkenswert ist nicht die Dissertation mit all den Fehlern und Schwächen. Viel entscheidender ist der Prozess, der zur Abgabe eines solchen Arbeit führt und wie sich der Delinquent hernach verhält. Ein Promovend, der aus allen möglichen Quellen zusammenkopiert und glaubt, dass er damit auf Dauer und in höchsten Ämtern bestehen kann, zeigt einen eklatanten Mangel an Urteilsvermögen. (Wer auf einen Gosthwriter schlechten hereinfiele und erpressbar würde ebenso.)
Wenn die Sache dann aufzufliegen beginnt und „man“ sich ausgehend von abstrus, über einzelne Fehler bis hin zu gravierenden Fehlern korrigieren muss, dann ist das erneut einem Mangel an Urteilsvermögen geschuldet. Herr zu Guttenberg ist zweifellos ein herausragender Politiker, als Entscheidungsträger (z.B. Kundus, Gorch Fock) musste er sich wiederholt korrigieren. Für mich stellt sich die Frage: Können wir uns einen Mann mit erwiesenermaßen schlechtem Urteilsvermögen als Verteidigungsminister leisten? Ich würde so jemanden in meinem Unternehmen als Pressesprecher behalten, im Management wäre er raus.

Account gelöscht!

25.02.2011, 09:29 Uhr

Ich ersuche die Kanzlerin dringendst, ihr Kabinett um zu besetzen, für uns Wähler ist dies zaudern und zögern nicht mehr nachvollziehbar.
Sofortige Entlassung des Verteidigungsministers von Guttenberg. Politiker haben keine Ehre, keine Moral auch der Anstand ist ihnen abhanden gekommen.
Danke

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×