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19.04.2016

08:29 Uhr

Orban bei Kohl

CDU gibt sich gelassen

Altkanzler Kohl will mittags Ungarns Ministerpräsidenten Orban empfangen. Die CDU-Spitze demonstriert Gelassenheit über das pikante Treffen. Der Besuch „schadet der Sache nicht“, sagt Generalsekretär Tauber.

Ungarns Ministerpräsident wird zu einem Besuch in Oggersheim erwartet. Das Treffen zwischen Orban und Kohl hat in den vergangenen Wochen für Befremden gesorgt. (Archivbild) dpa

Viktor Orban und Helmut Kohl

Ungarns Ministerpräsident wird zu einem Besuch in Oggersheim erwartet. Das Treffen zwischen Orban und Kohl hat in den vergangenen Wochen für Befremden gesorgt. (Archivbild)

LudwigshafenDie CDU sieht dem Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten und Merkel-Kritikers Viktor Orban bei Altkanzler Helmut Kohl (CDU) betont gelassen entgegen. „Helmut Kohl zu treffen ist immer ein besonderes Erlebnis“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. „Wenn andere in Europa erkennen, dass der Ehrenbürger Europas immer ein guter Gesprächspartner ist, dann schadet das der Sache nicht“.

Ungarns konservativer Regierungschef Orban setzt in der Flüchtlingskrise auf nationale Abschottung und gilt bei dem Thema als schärfster Kritiker von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Was Helmut Kohl und Viktor Orban verbindet

Juni 1989

In einer historischen Rede am Budapester Heldenplatz fordert Viktor Orban die sowjetischen Truppen auf, das Land zu verlassen – 1988 hatte er mit Kommilitonen den oppositionellen Bund Junger Demokraten (Fidesz) gegründet. „Ich zähle mich zu den Schülern von Helmut Kohl“, wird er später einmal sagen.

September 1989

Die Regierung in Budapest öffnet die Grenze offiziell für die noch in Ungarn festsitzenden DDR-Bürger. „Das werden wir den Ungarn nie vergessen“, verkündet Bundeskanzler Helmut Kohl.

Mai 1998

Überraschend gewinnt Fidesz die ungarischen Parlamentswahlen – an ihrer Spitze der erst 35 Jahre alte Viktor Orban, der im Juli zum Regierungschef gewählt wird.

Sommer 1998

Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen sucht Orban politischen Rat – und reist zu einem Treffen mit Kohl nach Bonn.

November 1998

Orban macht seinen Antrittsbesuch beim neu gewählten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Am Tag zuvor trifft er auch dessen Amtsvorgänger Helmut Kohl.

September 2000

Kohl erhält aus der Hand Orbans in Budapest die Millenniums-Medaille. Damit zeichnet die ungarische Regierung Staatsmänner aus, die dem Land den Weg nach Europa geebnet haben.

April 2002

Der Alt-Kanzler schaltet sich in den ungarischen Wahlkampf ein. „Sie müssen am kommenden Sonntag dafür sorgen, dass Viktor Orban Ministerpräsident Ihres Landes bleibt“, ruft er den Zuhörern bei einer Kundgebung in der Stadt Györ zu. Diesmal verliert Orban allerdings.

November 2014

In einem Gespräch mit dem „Stern“ lobt Kohl den ungarischen Regierungschef, der seit Mai 2010 wieder im Amt ist: „Er ist ein großer Europäer, er denkt und handelt europäisch.“

Juni 2015

Zum 85. Geburtstag Kohls redet Orban bei einer Konferenz der Konrad-Adenauer-Stiftung in Budapest und sagt dort: „Die Ungarn haben guten Grund, Helmut Kohl Respekt zu zollen, da erst die deutsche Vereinigung den Weg für die Wiedervereinigung Europas geebnet hat und die Mitgliedschaft Ungarns in der Europäischen Union ermöglicht hat.“

Februar 2016

„Ich freue mich, dass der größte Vordenker Europas heute noch unter uns ist“, sagt Orban in einem „Bild“-Interview.

April 2016

Es wird bekannt, dass Orban nach Deutschland kommt, um Kohl zu besuchen.

Kohl will ihn gegen Mittag in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim empfangen. Zuvor hatte er bereits nationale Alleingänge in Europa kritisiert, was als Spitze gegen Merkels Entscheidung vom vergangenen September gewertet wurde, die nach Deutschland strebenden Flüchtlinge hereinzulassen. SPD und Grüne forderten Kohl auf, mäßigend auf Orban einzuwirken.

Von

dpa

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