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23.01.2016

13:34 Uhr

Orden wider den tierischen Ernst

Die Zwei Wesen des Markus Söder

VonJakob Blume

Ob als Träger des Aachener Karnevals-Ordens oder als grüner Oger „Shrek“ in Nürnberg: Der bayerische Finanzminister Markus Söder pflegt das Image des Fastnacht-Feierbiests. Doch der ehrgeizige Minister kann auch anders.

Bayerns Finanzminister Markus Söder: Der 49-Jährige inszeniert sich gern als Fastnachts-Feierbiest dpa

Karnevals-Ordensträger Söder

Bayerns Finanzminister Markus Söder: Der 49-Jährige inszeniert sich gern als Fastnachts-Feierbiest

Aachen/DüsseldorfNach geglücktem Fass-Anstich im Münchner Hofbräuhaus eilt Markus Söder zum Rednerpult. Der CSU-Superminister hält eine launige Rede über sein Verhältnis zum Landesvater Horst Seehofer. „Ob ich mit Horst Seehofer tauschen möchte?“, werde er oft gefragt. Seine Antwort: „Jetzt schon?“ Söder, in typisch bajuwarischer Tracht, gestikuliert, lacht, nimmt das Publikum mit, läuft zur Hochform auf. „Unsere Sorge ist nicht, wann er aufhört. Unsere Sorge ist, ob er überhaupt aufhört“, sagt er in Richtung Seehofer unter dem Beifall des Publikums.

Söder kann Bütt. Das hat er nicht erst bei seinem Auftritt beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus vor gut zwei Jahren gezeigt. Der 49-Jährige kultiviert sein Image als närrisches Feierbiest. Seine aufwendigen Kostüme bei der Fastnacht in Franken – immer perfekt abgestimmt mit Ehefrau Karin – sorgen jedes Jahr aufs Neue für Aufmerksamkeit.

Die Ordensritter „wider den tierischen Ernst“ dieses Jahrtausends

2000: Edmund Stoiber (CSU)

Beruf: Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender

Begründung: „Wegen seiner bayerisch-jovialen Art und seiner unfreiwillig-komischen Wortverdreher“

2001: Guido Westerwelle (FDP)

Beruf: Bundesvorsitzender der FDP

Begründung: Für seine Schlagfertigkeit

2002: Thomas Borer-Fielding

Beruf: Botschafter der Schweiz in Deutschland

Begründung: Wegen seiner humorvollen Beiträge zum deutsch-schweizerischen Verhältnis.

2003: Wendelin Wiedeking

Beruf: Vorstandsvorsitzender der Porsche AG

Begründung: Für die Verbindung aus wirtschaftlicher Kompetenz und Menschlichkeit.

2004: Henning Scherf (SPD)

Beruf: Präsident des Senats/Bürgermeister von Bremen

Begründung: Hielt in einer politisch schweren Zeit das SPD-Bundesland Bremen mit seiner „offenen, herzlichen Art.“

2005: Karl Kardinal Lehmann

Beruf: Bischof von Mainz

Begründung: Motto: „Ich möchte meinen Weg gehen, ob gelegen oder ungelegen.“

2006: Friedrich Merz (CDU)

Beruf: Stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender

Begründung: Für seinen Kampf gegen die deutsche Steuerbürokratie.

Anmerkung: Die Rede von Merz zur Verleihung des Preises erregte größeres Aufsehen, als sich später herausstellte, dass Merz diese zum Teil lediglich aus einem Magazin abgeschrieben hatte.

2007: Joachim Hunold

Beruf: Vorstandsvorsitzender der Fluggesellschaft Air Berlin

Begründung: Zitat: „Wenn man etwas falsch gemacht hat, es aber nicht mehr ändern kann, dann kann man darüber nur noch herzhaft lachen. Allerdings: Dasselbe darf nicht noch einmal passieren.“

Anmerkung: Seine Wahl wurde mit einem Vorwurf der Schleichwerbung kritisiert

2008: Glora Prinzessin von Turn und Taxis

Beruf: Unternehmerin

Begründung: Für ihren „mütterlich warmen“, karitativen Einsatz.

2009: Mario Adorf

Beruf: Schauspieler

Begründung: „mit Mario Adorf [ist] eine Persönlichkeit der Kultur auszuzeichnen, welche mit feinsinnigem Humor und schlagfertigem Witz ausgestattet ist, wobei er ganz viel ‚menschelt‘“

2010: Jürgen Rüttgers (CDU)

Beruf: Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen

Begründung: „Nah bei den Bürgern sein, ist ihm wichtig. Dabei ist es ganz gleich, ob er in Kalifornien bei Gouverneur Arnold Schwarzenegger über Drehorte für Hollywood in Nordrhein-Westfalen verhandelt oder aber in Bochum mit den Opel-Arbeitern für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze kämpft. Dieser Mann ist geerdet!“

2011: Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

Beruf: Bundesverteidigungsminister

Begründung: Mit Tatendrang und Tacheles bringe er Politikerkollegen ins Schwitzen und Bürger zu Begeisterungsstürmen. Sich selber nehme er erfrischend wenig wichtig. Zitat Guttenberg: „Wenn einem das Wasser bis zum Halse steht, ist es außerordentlich ungesund, den Kopf hängen zu lassen.“

Anmerkung: Ließ sich von seinem Bruder Ritterknappe Philipp zu Guttenberg vertreten, der 2012 zum Ehrenmitglied des AKV ernannt wurde.

2012: Ottfried Fischer

Beruf: Schauspieler und Kabarettist

Begründung: „Pfundig, bayerisch gut: Ein Ritter von Format“

2013: Cem Özdemir (B’90/Grüne)

Beruf: Bundesvorsitzender der Grünen

Begründung: „Ein vegetarisches Krokodil“

2014: Christian Lindner

Beruf: Bundesvorsitzender der FDP

Begründung: Lindner sei „politisches Naturtalent“ und ausgestattet mit einem besonderen Humor - „trocken und hintergründig, aber auch manchmal derb und immer herzlich”.

2015: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)

Beruf: Ministerpräsidentin des Saarlandes

Begründung: Für Kramp-Karrenbauers „uneitlen, geradlinigen, heiteren und humorvollen Stil in der Politik und in der Bütt“

2015: Philipp Franz zu Guttenberg

Wurde für seine Treue und die hervorragende Vertretung seines Bruders Karl Theodor zu Guttenberg geehrt.

2016: Markus Söder (2016)

Beruf: Bayerischer Finanzminister

Begründung: Nicht für sein Talent zur unfreiwilligen Komik, sondern unter anderem für sein Faible für verrückte Kostümierungen.

Ob als Euro-Punker in der Eurokrise oder Eisbär während seiner Amtszeit als bayerischer Umweltminister – seine Kostüme verbindet Söder gerne mit mehr oder weniger subtilen, politischen Botschaften. Da scheint seine Auszeichnung mit dem „Orden wider den tierischen Ernst“ fast logisch. „Söder kann nicht nur politische Gegner, sondern auch sich selbst humorvoll auf die Schippe nehmen“, lobt der Aachener Karnevalsverein, der den gebürtigen Franken an diesem Samstag mit dem Karnevals-Orden auszeichnet.

Auch wenn Aachen und Söders Geburtsort Nürnberg knapp fünf Autostunden entfernt liegen: Der Auftritt bei der Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ wird für die Rampensau Söder ein Heimspiel. Auch der Präsident des Aachener Karnevalvereins, Werner Pfeil, ist voll des Lobes: „Einen besseren Botschafter als ihn können sich Fasching, Fastnacht oder Karneval nicht wünschen.“

Nicht immer ist Markus Söder zum Scherzen zu Mute: In der Flüchtlingskrise attachiert er Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf. dpa

Er kann auch ernst

Nicht immer ist Markus Söder zum Scherzen zu Mute: In der Flüchtlingskrise attachiert er Bundeskanzlerin Angela Merkel scharf.

Doch Markus Söder kann auch anders: Beim Thema Flüchtlingskrise ist ihm in diesen Tagen nicht zum Scherzen zu Mute. Mit Filzhut und ernster Miene, das verschneite Wildbad Kreuth im Hintergrund,  gibt er in dieser Woche dem Parlaments-Sender Phoenix ein Interview: „Das deutsche Volk ist tief verunsichert“, sagt er. Der Staat komme seiner Kernaufgabe, für Sicherheit zu sorgen, nicht mehr nach. Daher brauche Deutschland eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Grenzkontrollen.

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