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12.01.2005

07:34 Uhr

Organisationsreform lässt Zahl der Alterskassen schrumpfen

Rische rückt an die Spitze der Deutschen Rentenversicherung

VonKarl Doemens (Handelsblatt)

Die Neustrukturierung der gesetzlichen Rentenversicherung in diesem Jahr mischt auch die Leitungsebene der Alterskassen auf: An die Spitze der „Deutschen Rentenversicherung Bund“ soll nach Informationen des Handelsblatts zum 1. Oktober Herbert Rische treten. Der 57-Jährige leitet bislang die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die mit dem Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) fusioniert.

BERLIN. VDR-Direktor Franz Ruland will nach 13 Amtsjahren nicht mehr kandidieren. „Alles läuft auf Rische heraus“, heißt es in der Selbstverwaltung. Deren ehrenamtlicher Vorstand soll von Arbeitgebervertreter Alexander Gunkel und DGB-Vize Ursula Engelen-Kefer geleitet werden.

Nach jahrelanger Diskussion hatten Bundestag und -rat im Herbst eine Organisationsreform der Rentenkassen mit ihren 74 900 Beschäftigten beschlossen. Sie soll die Trennung von Arbeiter- und Angestelltenversicherungen überwinden und durch effektivere Verwaltungsabläufe jährlich 350 Mill. Euro sparen. In einem ersten Schritt siedelt der Frankfurter VDR, in dem 26 Träger zusammengeschlossen sind, nach Berlin um und verschmilzt mit der BfA zur „Deutschen Rentenversicherung Bund“. Zudem soll die Zahl der Landesversicherungsanstalten von 22 auf 14 schrumpfen.

Auf Bundesebene werden die Alterskassen künftig von einem dreiköpfigen Direktorium geleitet. Derzeit zählen die Geschäftsführungen von VDR und BfA insgesamt fünf Mitglieder. Dem neuen Management sollen neben Rische der derzeitige VDR-Vize Axel Reimann und BfA-Direktor Herbert Schillinger angehören. BfA-Direktor Klaus Michaelis scheidet aus. Auch VDR-Chef Ruland hat intern seinen altersbedingten Verzicht erklärt. Offiziell lehnt der 62-Jährige jede Stellungnahme ab. „Die Entscheidung fällt im Oktober“, heißt es beim VDR. Rische bekundet Interesse an dem Spitzenposten: „Es ist ein spannender, wenn auch schwieriger Job.“ Der Jurist leitet seit 1991 die BfA. Er gehörte der Herzog-Kommission an, ist aber kein CDU-Mitglied.

Der Chef-Posten bei den Rentenkassen bringt erheblichen politischen Einfluss. Ruland galt als „heimlicher Rentenminister“. Selten riskierte die Regierung eine direkte Konfrontation. So musste Ex-Minister Walter Riester (SPD) nach Protesten von Ruland den geplanten Ausgleichsfaktor kippen. Ruland setzte die Befreiung aller über 65-Jährigen vom Pflegezuschlag durch und verteidigte erfolgreich die milliardenschweren Bundeszuschüsse für die Rente gegen die Haushaltspolitiker. Nicht durchsetzen konnte sich der Professor freilich mit seinem Widerstand gegen die drastische Beschneidung der Renten-Rücklagen.

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