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14.10.2016

15:22 Uhr

Organisierte Kriminalität

Bundesregierung sieht Milliardenschäden durch Verbrecher

Rauschgifthandel, Wohnungseinbrüche, Rockerkriminalität: Organisierte Kriminelle handeln immer häufiger über Grenzen hinweg und bilden flexible Netzwerke. Das fordert auch die Ermittlungsbehörden.

Organisierte Kriminalität

Thomas de Maizière: „Wir müssen die Täter dort packen, wo es ihnen weh tut.“

Organisierte Kriminalität: Thomas de Maizière: „Wir müssen die Täter dort packen, wo es ihnen weh tut.“

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WiesbadenDie Organisierte Kriminalität verursacht nach Schätzungen der Bundesregierung Schäden in Milliardenhöhe. Die Dunkelziffer in dem Bereich sei sehr hoch und das Schadenspotenzial enorm, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Freitag in Wiesbaden: „Die Organisierte Kriminalität bedroht uns alle.“ In Wiesbaden legte das Bundeskriminalamt (BKA) am Freitag das Bundeslagebild Organisierte Kriminalität vor. Die Zahl der Ermittlungsverfahren in dem Bereich lag demnach vergangenes Jahr etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Die Fahnder wurden in 566 Fällen aktiv, 2014 waren es 571. Die Zahl der Tatverdächtigen verringerte sich leicht von 8700 (2014) auf 8675 im vergangenen Jahr. Die meisten Verfahren drehten sich um Rauschgiftkriminalität, gefolgt von Eigentumsdelikten und Wirtschaftskriminalität, sagte BKA-Chef Holger Münch. Die Täter handelten zunehmend länderübergreifend und in mobilen Gruppen, so dass auch internationale Ermittlungen immer wichtiger würden.

Im Frühsommer 2016 war europäischen Sicherheitsbehörden ein herausragender Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelungen, Hunderte Verdächtige aus 72 osteuropäischen Banden wurden gefasst. Neben dem BKA waren Polizeibehörden aus mehr als 20 Ländern beteiligt.

Wie man sich vor Wohnungseinbrüchen schützen kann

Zugang erschweren

Polizeistatistiken belegen, dass Einbrecher keine Zeit vergeuden und Aufsehen vermeiden. Sind sie nicht binnen fünf Minuten in der Wohnung, wird ihnen die Entdeckungsgefahr meist zu groß und sie suchen sich andere Ziele. Empfehlenswert sind daher massive Türblätter, Türschlösser mit Schutzbelag und mehrfach im Mauerwerk verankerte Schließbleche. Polizei und andere Experten raten zu qualitätsgeprüften sogenannten einbruchhemmenden Türen. Die staatliche Förderbank KfW etwa fördert den Einbau solcher Türen und die Nachrüstung mit Rollläden und Zusatzschlössern sogar.

Wertsachen sicher verwahren

Nicht ständig benötigte Wertsachen sollten wenn möglich nicht zu Hause, sondern besser in einem sicheren Bankschließfach aufbewahrt werden. Andernfalls ist eventuell auch die Anschaffung eines fest verankerten Tresors eine Möglichkeit. Wertsachen sollten zudem samt einer genauer Beschreibung oder einem Foto in einem eigenen Verzeichnis katalogisiert werden, um im Fall von Diebstähle eine mögliche Wiederbeschaffung zu erleichtern und den Schaden besser regulieren zu können

Mit Nachbarn zusammentun

Nachbarn und Freunde sollten wissen, wann Bewohner zu einer Reise aufbrechen und wie sie im Notfall erreichbar sind. Die Erfahrungen der Polizei zeigen generell, dass eine aufmerksame Nachbarschaft entscheidend hilft, Einbrechern die Tour zu vermasseln. Sie ruft deshalb dazu auf, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam auf verdächtige Aktivitäten zu achten. Entgegen der weit verbreiteten Meinung schlagen viele Einbrecher auch tagsüber zu, etwa bei kurzen Abwesenheiten. Es gibt sogar professionelle Haushüter, die etwa in Urlaubszeiten engagiert werden können.

Auch Kleinigkeiten bedenken

Alltägliche Gewohnheiten und unscheinbare Details können Tätern mitunter ebenfalls das Leben erleichtern und sollten daher im Zweifelsfall neu überdacht werden. Haustüren sollten laut Polizei-Empfehlung selbst bei kurzzeitigem Verlassen abgeschlossen und nicht nur zugezogen werden. Profi-Einbrecher öffnen sie sonst innerhalb von Sekunden. Fenster sollten nie offenbleiben. Selbst Mülltonnen oder Pflanzenrankgitter können Dieben als Leiterersatz dienen und Einbrüche über die oberen Etagen erleichtern. Anrufbeantworter sollten niemals Hinweise auf Abwesenheit liefern.

Anwesenheit vortäuschen

Überquellende Briefkästen, geschlossene Rollläden und ein ungemähter Rasen signalisieren, dass niemand zu Hause ist und die Bewohner zum Beispiel länger im Urlaub weilen. Daher sollte zum Beispiel die Zeitung abbestellt oder nachgesendet werden. Anwesenheit vorgetäuscht werden kann auch, indem Licht per Zeitschaltuhr regelmäßig an- und ausgeht. Es gibt inzwischen sogar kleine Fernseh-Simulatoren. Das sind kleine LED-Projektoren, die in einem Raum ein möglichst realistisches Fernsehlicht erzeugen. Sie schalten sich dabei zu zufälligen Zeiten ein.

Alarmanlangen

Eine Alarmanlage verhindert zwei von drei Einbrüchen. Bei einer sogenannten Fallenüberwachung werden bestimmte Bereiche im Gebäude-Inneren durch Bewegungsmelder überwacht. Der Alarm wird dabei allerdings erst dann ausgelöst, wenn Einbrecher bereits eingedrungen sind. Eine andere Möglichkeit ist die sogenannte Außenhautüberwachung, bei der die Fenster und Türen mit Kontakten überwacht werden. Diese ist aber in der Regel relativ teuer. Abschreckend wirken können außerdem auch Lichtalarmanlagen, bei denen Bewegungssensoren eine Außenbeleuchtung anschalten.

De Maizière sagte, bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität sei vor allem das Gesetzesvorhaben zur Vermögensabschöpfung wichtig, mit dem Vermögen unklarer Herkunft auch dann eingezogen werden könnten, wenn die zugrundeliegende Straftat nicht nachweisbar sei. Dies packe die Täter da, wo es ihnen weh tue.

Das BKA will Ermittlungsergebnisse aus der Organisierten Kriminalität auch vermehrt zur Terrorabwehr nutzen. Vor allem beim Waffenhandel, der Schleuserkriminalität und Dokumentenfälschern könnten sich Schnittstellen zur Bekämpfung des Terrorismus ergeben, sagte Münch. Von den 566 Ermittlungsverfahren gegen Organisierte Kriminalität 2015 hatten sich 46 um Schleuserkriminalität gedreht (2014: 35), um Fälschungen ging es in 16 Fällen (2014: 22) und um Waffenhandel oder -schmuggel wie im Vorjahr in 5 Fällen.

Von

dpa

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