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06.01.2013

17:35 Uhr

Organspendeskandal

Politik und Experten streiten über Konsequenzen

Nach dem jüngsten Transplantationsskandal wird nun über die möglichen Folgen gestritten. SPD-Fraktionschef Steinmeier pocht auf harte Strafen für die Verantwortlichen. Ärzte warnen eindringlich vor Kommerz in der Medizin.

Eine Kühlbox für Organtransporte. dapd

Eine Kühlbox für Organtransporte.

BerlinNach dem neuen Organspendeskandal in Leipzig streiten Politik und Experten über die Konsequenzen. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier plädierte für eine harte Bestrafung der Verantwortlichen. Der neue Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Rainer Hess, beklagte Fehlanreize im System und verlangte eine bessere Qualitätssicherung. Unterdessen wird der Ruf nach einer Schließung von Transplantationszentren lauter.

Die Leipziger Uni-Klinik hatte am vergangenen Dienstag die Manipulationen bei Lebertransplantationen in ihrem Haus öffentlich gemacht. 38 Patienten sollen zwischen 2010 und 2012 fälschlicherweise als Dialyse-Fälle geführt worden sein, um sie auf der Warteliste für eine Spenderleber nach oben rutschen zu lassen. Drei Mediziner wurden suspendiert. Sonderprüfer sollen nun Hunderte von Patientenakten prüfen.

Uni-Klinikum Leipzig: Manipulationen bei Transplantationen entdeckt

Uni-Klinikum Leipzig

Manipulationen bei Transplantationen entdeckt

Manipulationen bei der Organvergabe waren zunächst aus Göttingen bekanntgeworden.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus", er sei nicht überrascht, dass nun weitere Manipulationen entdeckt wurden. Weil nun alle Transplantationszentren nach und nach von externen Experten überprüft werden, sei dies leider zu erwarten gewesen.

Steinmeier forderte Ärzteschaft und die behandelnden Klinken auf, das beschädigte Vertrauen wieder herzustellen. Dazu gehöre auch die schnelle Aufklärung. Angesichts von mehr als 12.000 Menschen in Deutschland, die auf Wartelisten für Transplantationen stünden, "müssen wir weitermachen: Informieren, aufklären und werben", sagte Steinmeier der "Superillu". Der SPD-Politiker hatte 2010 seiner Frau eine Niere gespendet.

Wie läuft eine Organspende ab?

Der Hirntod wird festgestellt

Ehe jemand als Spender infrage kommt, müssen zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod feststellen. Dieser tritt ein, sobald im Großhirn, im Kleinhirn und im Hirnstamm keinerlei Aktivität mehr gemessen werden kann. Damit die Organe nicht geschädigt werden, muss der Spender künstlich beatmet werden.

Untersuchung des Spenders

Wenn geklärt ist, dass Organe entnommen werden dürfen, wird der hirntote Spender auf Tumorerkrankungen und Infektionen untersucht. Das soll sicherstellen, dass der Empfänger eines Organs nicht gefährdet wird.

Der Spender wird gemeldet

Die Daten des Spenders werden an die europäische Vermittlungsstelle „Eurotransplant" geschickt. Hier wird auf den Wartelisten nach passenden Empfängern gesucht.

Die Organe werden entnommen

Anschließend werden dem Verstorbenen die Organe entnommen, die er bereit war zu spenden. Der Leichnam wird dann für eine Aufbahrung vorbereitet und kann bestattet werden.

Die Organe werden transportiert

Die Organe werden gekühlt und verpackt und an ihren Bestimmungsort gebracht. Sie werden mit dem Krankenwagen transportiert oder in dringenden Fällen auch per Flugzeug ausgeflogen.

Mediziner, die aus Gewinnstreben gegen Regeln verstießen, obwohl es um Leben und Tod gehe, hätten das Recht verwirkt, als Arzt tätig sein zu dürfen, sagte er. "Sie dürfen bei uns unter keinen Umständen mehr praktizieren."

Rainer Hess von der Stiftung Organtransplantation gab hingegen zu bedenken, es gehe weniger um die kriminelle Energie Einzelner. Die Verantwortung liege vielmehr bei den Klinikverwaltungen und einem Finanzierungssystem, "das unmedizinisches Verhalten fördert und Fehlanreize setzt", sagte er dem "Spiegel". "Wir dürfen den Ärzten keine Vorgaben auferlegen, die sich überwiegend an ökonomischen Zielen orientieren und mit Medizin nicht mehr viel zu tun haben", mahnte Hess.

Kommentare (6)

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maximilian@baehring.at

06.01.2013, 18:41 Uhr

Man könnte den amren Menschen in Afrika aber mit Euros und Dollars unter die Arme greifen diee sie so dringend benötigen wenn man Ihnen erlaubt ihre Organe zu verkaufen!

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/transplantationen-experte-fordert-freien-organhandel-a-299541.html

Deutsche Hartz-IV Frauen könnten ja als Leihmütter die Kinder von arabischen Scheichs austragen, satt dem Satt auf der Tasche zu liegen, oder? Und Männer könnten neben Blut und Rückenmark auch noch Samen spenden. Wie hoch ist der Preis für deustches Gefrier-Sperma (mit Einbürgerungsmöglichkeit fürs Kind als Halb-Optionsdeutsch und 18 jahre garantiertem Hatz4 bezug)
auf ebay?

Wolfsfreund

06.01.2013, 18:52 Uhr

"71 Prozent der Bundesbürger sind demnach davon überzeugt, dass Wohlhabende und Prominente bei der Organvergabe bevorzugt werden. "
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Ich gehe davon aus, daß das der Wahrheit entspricht. Ich erinnere mich gut an den Fall eines Prinzen "von und zu", der trotz unsoliden Lebenswandels binnen kurzer Zeit gleich 2 Herzen erhielt, weil er das erste abstieß. Vorher hatte ich einen Organspenderausweis, danach nicht mehr. Ein Streichholz hat dem ein Ende gemacht.
Die vielfachen Geschehnisse in der letzten Zeit beweisen, daß ich damit goldrichtig lag. Etwas gesunde Paranoia ist manchmal recht nützlich und verlängert im Zweifelsfall das Leben!

Account gelöscht!

06.01.2013, 19:24 Uhr

"71 Prozent der Bundesbürger sind demnach davon überzeugt, dass Wohlhabende und Prominente bei der Organvergabe bevorzugt werden. "
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dem ist wohl auch so.
Wie in unsrem Land insgesamt die Moral abhanden gekommen ist, ist auch in großen Teilen der Ärzteschaft die ärztliche Ethik und Moral abhanden gekommen.
Ganz besonders eben bei Fachärzten.
Viele Fachärzte, nicht nur im Krankenhaus, sondern auch freien Praxen, betrachten ihre Praxen nur noch als Gelddruck-Maschinen. Der Pat. bleibt auf der Strecke
Ganz schlimm ist es in diesen Gemeinschaftspraxen Chirurgie/Orthopädie.
Da will man nur noch operieren, von orthopäd. Behandlung ist da nichts mehr.
Diese Art von Praxen, die unter Ulla Schmidt und Merkel entstanden sind, müssen wieder abgeschafft werden
So wie es derzeit um die Organspenden steht, der Betrug die Geldmacherei, die imme wieder ans Tageslicht kommt, läßt auch Zweifeldarüber entstehen, ob ein Patient bei Organentnahme wirklich tot ist.
Es ist verheerend, was hier angerichtet wird.
Meinen Spenderausweis führe ich nicht mehr mit mir mit, er leigt erst einmal in der Schublade

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