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19.02.2014

12:23 Uhr

Oxford-Forscher Mayer-Schönberger

„Wir geben unsere Daten zu schnell her“

VonChristof Kerkmann

Big Data ohne Big Brother: Wie lassen sich Daten nutzen, ohne den Menschen gläsern zu machen? Der Forscher Viktor Mayer-Schönberger will Google, Facebook und Co in die Pflicht nehmen – und zur Not zur Kasse bitten.

Viktor Mayer-Schönberger: „Big Data hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen.“

Viktor Mayer-Schönberger: „Big Data hilft uns, bessere Entscheidungen zu treffen.“

OxfordDie NSA überwacht das Netz in einem bislang ungeahnten Ausmaß. Der SPD-Politiker Martin Schulz warnt in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vor „technologischem Totalitarismus“ und fordert eine neue Digitalpolitik. Wie lassen sich die riesigen Datenmengen, die heute entstehen, sinnvoll nutzen, ohne den Menschen gläsern zu machen? In der „FAZ“ haben bereites der weißrussische Publizist Evgeny Morozov, bei Handelsblatt Online Julia Reda, Spitzenkandidatin der Piratenpartei für die Europawahl und Peter Schaar, zehn Jahre lang Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Nun schlägt Professor Viktor Mayer-Schönberger von der Universität Oxford im Interview vor, die Datennutzer – also etwa Google und Facebook – in die Pflicht zu nehmen. Das kostet allerdings Geld.

Herr Mayer-Schönberger, der deutsche SPD-Politiker Martin Schulz warnt vor eine technologischen Totalitarismus, wenn Internetkonzerne und Geheimdienste weiterhin alle möglichen Daten sammeln und auswerten. Stimmen Sie ihm zu?

Herr Schulz beschreibt hier schon eine konkrete Gefahr. Das Internet ist eine mächtige Infrastruktur und kann ohne entsprechende Rahmenbedingungen in der Tat ein Werkzeug des Totalitarismus werden. Das ist nicht neu –aber in dem Maße, in dem das Internet integraler Bestandteil der Lebenswelten der meisten Menschen geworden ist, hat auch diese potentielle Gefahr zugenommen. Gleichzeitig ist das Internet im Kern relativ dezentral organisiert, sodass es resistenter gegen den Missbrauch für totalitäre Zwecke ist gerade etwa im Vergleich zum Rundfunk.

Welche Gefahren drohen konkret?

Zum einen droht das Internet als Hilfsmittel zur gesellschaftlichen Überwachung missbraucht zu werden. Darüber haben wir in den letzten Monaten dank Snowden diskutiert. Es kann aber auch als Propagandawerkzeug missbraucht werden, und etwa Desinformationen verbreiten helfen. Auch daran arbeiten nicht zuletzt viele Geheimdienste mit tausenden von Mitarbeitern.

Und schließlich droht durch das Datensammeln in Zusammenhang mit Big Data die Gefahr, dass unser Verhalten genau vorhergesagt wird, und wir in Zukunft bestraft werden nicht für das, was wir schon getan haben, sondern für das, was die Big-Data-Analyse nur vorhersagt wir mit hoher Wahrscheinlichkeit tun werden. Um diesen Gefahren zu begegnen, brauchen wir dringend entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen.

NSA-Affäre in Zitaten

Bundeskanzlerin Merkel

„Auf deutschem Boden hat man sich an deutsches Recht zu halten. Bei uns in Deutschland und in Europa gilt nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts. Das erwarte ich von jedem.“ (Bundeskanzlerin Angela Merkel am 19. Juli 2013)

Kanzleramtsminister Pofalla

„Der Vorwurf der vermeintlichen Totalausspähung in Deutschland ist nach den Angaben der NSA, des britischen Dienstes und unserer Nachrichtendienste vom Tisch. Es gibt in Deutschland keine millionfache Grundrechtsverletzung, wie immer wieder fälschlich behauptet wird.“ (Der damalige Kanzleramtsminister Ronald Pofalla nach seiner Befragung im Parlamentarischen Kontrollgremium am 12. August 2013)

US-Abgeordneter King

„Tatsache ist, dass die NSA zum Schutz deutscher Menschenleben mehr unternommen hat als die deutsche Bundeswehr seit dem Zweiten Weltkrieg.“ (Der republikanische US-Abgeordnete Peter King am 28. Oktober 2013)

US-Botschafter Emerson

„Von Zeit zu Zeit können Freunde einander enttäuschen. Aber in einer echten Freundschaft arbeitet man dann hart. Man sieht sich die Fakten an, man kämpft sich durch und man geht weiter. Und hinterher kann man stärker sein als zuvor. Ich bin zuversichtlich, dass das hier der Fall sein wird.“ (US-Botschafter John B. Emerson am 31. Oktober 2013)

US-Außenminister Kerry

„In einigen Fällen sind diese Aktionen zu weit gegangen, und wir sind dabei zu versuchen sicherzustellen, dass es künftig nicht mehr passiert. (...) Wir haben tatsächlich verhindert, dass Flugzeuge runterkommen, Gebäude in die Luft gesprengt und Menschen ermordet werden, weil wir in der Lage waren, frühzeitig über die Pläne Bescheid zu wissen.“ (US-Außenminister John Kerry am 31. Oktober 2013)

US-Präsident Obama

„Unsere Bemühungen werden nur wirksam sein, wenn normale Bürger in anderen Ländern darauf vertrauen, dass die Vereinigten Staaten auch ihre Privatsphäre respektieren. ... Ich habe den Geheimdiensten klar gemacht, dass wir die Kommunikation der Staats- und Regierungschefs unserer engen Freunde und Verbündeten nicht überwachen werden - es sei denn, es dient einem zwingend nötigen Zweck der nationalen Sicherheit.“ (US-Präsident Barack Obama am 17. Januar 2014)

Außenminister Steinmeier

„Wir müssen in ein dauerhaftes Gespräch über die Wiederfindung der Balance zwischen Sicherheit und Freiheit kommen.“ (Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 30. Januar 2014)

Kann es überhaupt gelingen, die Technologie im Sinne der Menschen zu nutzen, ohne die Privatheit des Einzelnen zu verletzen?

Ja, davon bin ich überzeugt. Aber das erfordert eben auch bessere, effektivere Regulierung der Datennutzung durch den Staat und Unternehmen. Das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ist in der Theorie ein zentrales Fundament unserer Freiheitsordnung, aber in der Praxis geben wir es zu schnell auf, indem wir lange Datenschutzbestimmungen von Anbietern nicht lesen und einfach auf OK klicken. Viele Unternehmen, mit denen ich gesprochen habe, stehen dieser ihrer Verantwortung gegenüber den personenbezogenen Daten durchaus aufgeschlossen gegenüber.

Welche Vorteile bietet Big Data denn – also die Sammlung und Auswertung großer Datenmengen in Echtzeit?

Big Data hilft uns, durch Analyse einer großen Zahl von Daten bessere Entscheidungen zu treffen, weil wir so die Wirklichkeit besser verstehen können. Mit Big Data lässt sich etwa die Verbreitung der Grippe umgehender vorhersagen. Oder man kann im Auto Teile tauschen, kurz bevor sie kaputt gehen und nicht erst, wenn der Wagen havariert am Straßenrand steht. Wir können damit besser verstehen, wie man besser lernt – etwa Fremdsprachen – und welches Medikament in welcher Dosierung jeden einzelnen von uns wieder gesund werden lässt. Es gibt also eine ganze Menge an Vorteilen von Big Data, wenn es richtig angewandt wird.

Kommentare (1)

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Freidenker

19.02.2014, 13:05 Uhr

Die Naivität oder besser noch die Dummheit der Menschen ist eben unendlich. Das haben schon sehr intelligente Leute wie Einstein lange festgestellt!

Wer sich bei Facebook oder anderswo nakisch macht, ist meiner Meinung nach nicht mehr ganz dicht. Es lebe die verblödete Gesellschaft ala USA! Da freuen sich die Reichen und der Finanzadel aber sehr.

Wahrscheinlich ist es auch nur noch eine Frage der Zeit bis hier auch mit Waffen sinnlos umher geschossen wird. Das ördert ja die Waffenlobby sogar sehr. Und wird von dem industriell-militärischen Komplex so gewollt. Deshalb ja auch überall in der EU bereits Bürgerkgriege. Ohne Kriege kein Wachstum der Waffenindustrie im Kapitalismus. Und da man in Afrika ja schon viel zerstört hat, Europa den USA ein Dorn im Auge ist, muß Europa zerstört werden. Dank Offenlegung der dummen Menschen wird das ganze auch noch gezielt genutzt. Es geht halt nichts über Manipulationen.

Facebook ist von den Reichen installiert um die Massen noch mehr zu verblöden. Das so manches dabie auch positiv sein kann, wird immer wieder mit allen Mitteln verhindert. Siehe Affäre Edathy und der angebliche Ruf von Kinderschützern nach strengeren Gesetzen.

Dabei werden die Gesetze doch erst für solche Schweine wie Justiz, Winkeladvokaten von denen selber geschrieben.

Kirminalität wohin man schaut. Wegschauen, vertuschen steht auf der Tagesordnung.

Die Bildung hat auch in D bereits bestens versagt! Man sollte Kindern beibringen was im Netz gefährlich werden kann und was man beachten sollte um nicht kontrolliert zu werden! DAS aber will ja die Politik, sprich HERRSCHENDE KASTE gar nicht wirklich!

ANSTATT RELIGION SOLLTE MAN AUFKLÄRUNG ZUM PFLICHTFACH MACHEN!! Das Mittellater und mit ihm die Dummheit der Menschen hatte nie wirklich aufgehört zu existieren!

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