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20.09.2013

17:39 Uhr

Pädophilie-Debatte

Koalitionspolitiker fordern Rückzug von Spitzen-Grünen

Kurz vor der Bundestagswahl kommen die Grünen wegen früherer pädophiler Forderungen in Bedrängnis. Für die CSU ist Spitzenkandidat Trittin nicht mehr tragbar. Ein weiterer prominenter Grüner gerät nun auch unter Druck.

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin: die Pädophilie-Debatte setzt ihm zu. dpa

Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin: die Pädophilie-Debatte setzt ihm zu.

BerlinIn der Debatte über den Umgang mit Pädophilie-Befürwortern in den 80er-Jahren geraten führende Grünen-Politiker unter Druck. CSU-Chef Horst Seehofer forderte den Grünen-Spitzenkandidaten Jürgen Trittin zum Rückzug aufgefordert. Auch der Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, wurde aus der Koalition zum Rücktritt aufgefordert. „Ich glaube nicht, dass Trittin eine führende Funktion in der deutschen Politik behalten kann“, sagte Seehofer der „Welt“.

Nach Erkenntnissen des Parteienforschers Franz Walter trug Trittin 1981 die presserechtliche Verantwortung für ein Kommunalwahlprogramm in Göttingen, das dafür warb, gewaltfreie sexuelle Handlungen zwischen Kindern und Erwachsenen nicht mehr zu bestrafen. „Trittin hat das nicht glaubwürdig aus der Welt schaffen können“, sagte Seehofer.

Trittin attackierte unterdessen seine Kritiker in der Union. „Wir Grüne mussten 14 Jahre im Bundestag dafür kämpfen, dass Vergewaltigungen in der Ehe endlich unter Strafe gestellt werden, 17 Jahre dafür, dass Kinder nicht geschlagen werden dürfen“, sagte Trittin dem „Hamburger Abendblatt“ vom Freitag. „Alles gegen die Union und gegen deren Politiker wie zum Beispiel Gerda Hasselfeldt und Peter Ramsauer.“ Die Grünen hätten ihre Fehler in der Pädophilie-Debatte „vor fast einem Vierteljahrhundert erkannt und korrigiert“.

Im Gegenzug warf Seehofer den Grünen vor, sie hätten lange versucht, „mit Aufarbeitungsklauseln der Sache zu entfliehen“. Der Grünen-Hinweis auf die frühere Haltung der Union zur Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe sei ein „Ablenkungsversuch“. Es sei damals um die Frage gegangen, „wie man das juristisch greifbar machen kann – nicht um Tolerierung und Akzeptanz“.

Im Zuge der Aufarbeitung pädophiler Verstrickungen der Grünen steht jetzt auch deren Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck in der Kritik. Hintergrund ist die nun gefundene Urfassung eines 1988 erschienenen pädophilie-freundlichen Buchbeitrags von Beck, über die der „Spiegel“ und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichteten. Laut „Spiegel“ sollen im Gegensatz zu Angaben Becks beide Texte nahezu identisch sein. Beck bestritt den Vorwurf der Täuschung.

In dem Buchbeitrag hatte Beck dem „Spiegel“ zufolge eine „Entkriminalisierung der Pädosexualität“ als dringend erforderlich bezeichnet. Gegen Kritik an dem Aufsatz hatte sich Beck wiederholt mit dem Argument gewehrt, der Text sei seinerzeit vom Herausgeber des Buches verfälscht worden.

Kommentare (84)

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Marloway

20.09.2013, 18:10 Uhr

Beck habe zudem wahrheitswidrig behauptet, eine "zweite Auflage" des grenzüberschreitenden Machwerks "juristisch verhindert" zu haben. Dem widersprach Ende August der Foerster Verlag, in dem das Buch erschienen war. Der Geschäftsführer Joachim Köhler versicherte, er könne sich an keine juristische Auseinandersetzung mit der Grünen-Fraktion erinnern: „Außerdem war gar keine Neuauflage des Buchs geplant. Dazu hätte es ja erst mal vergriffen sein müssen. Das war nicht der Fall. Im Gegenteil, wir haben die restliche Auflage sogar einstampfen lassen.“

indrich

20.09.2013, 18:15 Uhr

Die ewig "Gestrigen" Trittin und Beck sollten von der politischen Bühne abtreten. Sie sind durchschaut. Schade für die anständigen grünen Anhänger, dass ihre Ideale so verraten wurden. Vielleicht finden sie aber eine neue Heimat in der AfD, die sich "Mut zur Wahrheit" auf ihre Fahnen geschrieben hat. Das ist ein Versuch wert. Programm und Köpfe stimmen überein, für ein faires und richtiges Europa ohne Ausnutzung der deutschen Interessen!

naja

20.09.2013, 18:16 Uhr

Werweiß: vlt wird diese Debatte, abgesehen von der doch insgesamt recht klebrig wirkenden Toilettennummer, die Grünen voranbringen, ohne dass die Grünen so dumm sein werden, sich vom Toilettengepinsel zu Repliken hinreißen zu lassen, voranbringen.
Nach dem Gehampele in der Regierungskoalition täte das den Grünen, von außen betrachtet jedenfalls, besser als die derzeit glauben dürften.

Mit Trittin jedenfalls haben sich die Grünen absolut verwählt.

So einer wie Trittin passte wegen seiner Ghirnpampe ggf durchaus auch in die Ortsgruppe Halle/Saale der AfD oder in einen anderen Taubenzüchterverein.

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