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16.01.2013

13:31 Uhr

Pannen-Flughafen

Platzeck einstimmig zum BER-Chefkontrolleur gewählt

Trotz einstimmiger Wahl zum neuen Chefkontrolleur des neuen Hauptstadtflughafens wird es für Matthias Platzeck kein leichter Job. Über eine weitere Personalie muss der Aufsichtsrat aber noch entscheiden.

Matthias Platzeck bei der Ankunft zu der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft. dpa

Matthias Platzeck bei der Ankunft zu der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft.

BerlinBrandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ist neuer Chefkontrolleur des krisengeschüttelten Bauprojekts Hauptstadtflughafen. Der SPD-Politiker sei einstimmig vom Aufsichtsrat gewählt worden, teilte die Flughafengesellschaft am Mittwoch während der Sitzung des Gremiums mit. Platzeck übernimmt den Posten von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit, der ihn nach der abermaligen Verschiebung des Starttermins für den Flughafen aufgegeben hatte. Mit einem neuen Datum wird nicht vor Sommer gerechnet.

Um den personellen Neuanfang an der Flughafen-Spitze zu vervollständigen, muss wohl auch der Vorstands-Chef Rainer Schwarz seinen Hut nehmen. Schwarz soll nach vier abgesagten Eröffnungsterminen abgelöst und seinem Nachfolger ein Finanzfachmann an die Seite gestellt werden. Für beide Posten wurden bislang offiziell keine Kandidaten genannt.

Die Schlüsselfiguren des Flughafenbaus

Rainer Schwarz

Der ehemalige Sprecher der Flughafen-Geschäftsführung war monatelang unter Beschuss. Er soll den Aufsichtsrat zu spät und unvollständig über die Riesenprobleme mit der Gebäudetechnik informiert haben. Mitte Januar musste Schwarz gehen.

Horst Amann

Der Technikchef und erfahrene Planungsmanager wurde im August als Retter des Projekts aus Frankfurt nach Berlin geholt. Er versprach die Flughafeneröffnung im Oktober 2013, konnte das aber nicht halten.

Klaus Wowereit

Der regierende Bürgermeister von Berlin ist nach massiven Attacken als Chef des Flughafen-Aufsichtsrats zurückgetreten. Im Aufsichtsrat sitzt er jedoch nach wie vor. Die Opposition aus Grünen, Linken und Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus hatte einen Misstrauensantrag wegen des Flughafen-Desasters gegen Wowereit eingebracht, der jedoch scheiterte.

Matthias Platzeck

Der brandenburgische Ministerpräsident war zuerst Stellvertreter Wowereits im Aufsichtsrat und folgte ihm Mitte Januar als Chefaufseher. Angesichts der schwierigen Lage stellte Platzeck im brandenburgischen Landtag die Vertrauensfrage.

Peter Ramsauer

Der Bundesverkehrsminister hat in der Krise die Rolle des drängenden Aufklärers eingenommen. Im Ministerium richtete er eine Sonderkommission ein. Ramsauer verlangte massiv die Ablösung des ehemaligen Flughafenchefs Schwarz.

Rainer Bomba

Der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium ist Ramsauers Mann im Aufsichtsrat. Die Entscheidungen zu den Terminverschiebungen trug er ebenso mit wie die Erhöhung des Kostenrahmens um 1,2 Milliarden Euro.

Die Kosten für das angeschlagene Prestigeprojekt in Schönefeld bei Berlin haben sich seit Baubeginn 2006 von 2,0 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Weitere Mehrkosten sind zu erwarten, weil die Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Der Aufsichtsrat, in dem die Eigentümer Berlin und Brandenburg sowie der Bund vertreten sind, sowie Flughafenchef Schwarz gerieten dadurch noch stärker in die Kritik.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wollte sich am Dienstag nicht zu dem Gerücht äußern, Schwarz werde am Mittwoch nicht abgelöst, sondern kommissarisch im Amt bleiben. „Es wurde in der letzten Zeit viel Kaffeesatzleserei betrieben, und ich beteilige mich nicht daran“, sagte Ramsauer.

Wowereit mahnte einen Neuanfang nach den jüngsten Problemen an. „Es scheint noch notwendiger zu werden, die Arbeit der Geschäftsführung zu flankieren“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Der Aufsichtsrat wird sich sicherlich die einzelnen Abläufe noch detaillierter vorlegen lassen, um mehr Sicherheit zu bekommen, dass das Richtige getan wird.“

Wowereit erfährt einer Umfrage zufolge trotz der Flughafenmisere Rückhalt bei den Bürgern. Nach einer Befragung des Instituts Forsa im Auftrag der Zeitschrift „Stern“ wünschen sich 58 Prozent der Deutschen, dass Wowereit weiter im Amt bleibt. Dass er wegen der Pannenserie am Flughafen als Regierungschef zurücktreten soll, meinen 32 Prozent der Deutschen. Das Institut Forsa hatte am 10. und 11. Januar 1001 Bundesbürger befragt.

Politik hat in Aufsichtsräten nichts verloren

Video: Politik hat in Aufsichtsräten nichts verloren

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Kommentare (6)

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Account gelöscht!

16.01.2013, 14:00 Uhr

Und man macht so weiter, als sei nichts geschehen.

Wir brauchen dringendst ein Gremium, wo sich Politiker, die ihre angegebenen Haushaltspläne / öffentliche Baustellen, um 20% überschreiten, sich öffentlich dazu rechtfertigen müssen. Gleichzeitig müssen alle Ursachen, die zu diesen Mehrkosten geführt haben, offen gelegt werden. Am Besten im Internet.

Ich denke, dass dadurch ein sensiblerer Umgang mit Steuergeldern gefördert wird.

Account gelöscht!

16.01.2013, 14:03 Uhr

Das alles wir immer heftiger zu DDR-Gehabe

Peter

16.01.2013, 14:11 Uhr

Jetzt ist es passiert, man hat eine Pfeiffe mit der anderen ersetzt. Was hat denn Platzeck bis dato im Flughafenprojekt gemacht? geschlafen? geträumt? Oder einfach von Tuden und Blasen keine Ahnung gehabt.

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